Augsburg

Deutschlandtest ins Wasser gefallen

B-Mannschaft von Bundestrainer Löw verliert 1:3 gegen die Slowakei. Der EM-Test wäre wegen eines Unwetters zur Halbzeit fast abgebrochen worden

Augsburg. Es war nicht ohne Komik, dass sich der bis dahin erinnerungswürdigste Moment dieses Spiels – zumindest für die deutschen Zuschauer – ereignete, als die Mannschaften gerade eben zur Halbzeit in der Kabine verschwunden waren. Das Gewitter, das dunkel und bedrohlich aufzog, brachte Hagel mit sich. Dicht und weiß ging er wie eine Wand nieder und verwandelte den vorletzten Test der deutschen Fußball-Nationalmannschaft vor der EM in Frankreich in ein kurioses Theater an dessen Ende eine 1:3 (1:2)-Niederlage gegen die Slowakei stand. „Gerade in der zweiten Halbzeit waren es sehr schwierige Bedingungen. Da konnte man kaum Fußball spielen“, sagte Mario Götze nach der Wasserschlacht.

Erstaunliche Szenen spielten sich ab: Das Unwetter vertrieb die Menschen im ohnehin nur enttäuschend gefüllten Augsburger Stadion Schutz suchend die Sitzreihen empor. Doch auch ganz oben feuerten die weißen Kugeln durchs Dach, setzten den Boden unter Wasser. Die zuckenden Blitze am Himmel konnten sehr gut ein Sinnbild für die Laune von Bundestrainer Joachim Löw sein. Seine Mannschaft hatte zwar geführt, doch dann kurz vor der Halbzeit binnen drei Minuten zwei Treffer kassiert.

Das geriet zunächst in den Hintergrund, denn das Spiel stand auf der Kippe. Im Anbetracht der Ereignisse zögerten die Verantwortlichen mit der Fortführung der Partie. Um 15 Minuten verlängerte Schiedsrichter Serge Gumienny die Pause, in der sich die Spieler in den Katakomben warmliefen. Weitere vier Minuten später betrat der Belgier den Platz und entschied trotz erheblicher Pfützen: weiterspielen. Jubel brandete auf, als die deutschen Spieler zurück auf den Platz kamen.

Löw hatte die Slowaken mit Bedacht als einen der letzten Gegner vor dem EM-Turnier ausgewählt. Mit ihrer Spielweise simulieren sie, auf was sich die Nationalmannschaft in Frankreich einstellen darf, muss. „In den nächsten Spielen erwartet uns immer relativ Ähnliches. Mannschaften, die defensiv stehen, die das können, die mit neun, zehn Mann eine Wand errichten und uns zwingen, Lösungen zu finden“, erklärte der Bundestrainer mit Blick auf die Gruppengegner Ukraine, Nordirland und Polen.

Dass die Spieler im zweiten Durchgang etwas gutzumachen hätten, hätten sich vermutlich vorher auch nicht vermutet. Deutschland hatte gut begonnen und sich früh Chancen herausgespielt. Erst scheiterte Jerome Boateng mit einem Volleyschuss nach einer Ecke an Torwart Matus Kozacik (3.), dann wurde ein Schuss von Julian Draxler (7.) gerade noch abgeblockt. Sechs Minuten später wurde Mario Götze von Juray Kucka im Strafraum gefoult, den folgenden Elfmeter verwandelte Stürmer Mario Gomez. Die DFB-Elf hatte alles im Griff, Leroy Sané und Draxler vergaben weitere gute Gelegenheiten, als die Slowakei plötzlich die sich einschleichende schwarz-rot-goldene Passivität auszunutzen verstand. Marek Hamsik erhielt etwa 20 Meter vor dem deutschen Tor den Ball. Und weil Boateng zu spät herausrückte und sich auch sonst niemand fand, der den Mann stören wollte, schoss er: fulminant und wunderbar in den Winkel (41.). Wütend hüpfte Löw auf seiner Sitz hin und her. Sein Gemütszustand sollte sich noch weiter verschlechtern. Ecke Slowakei, Kopfball Michal Duris, Tor. 1:2 (44.).

Dann kam der Hagel und mit ihm eine zweite Hälfte, die aus humoristischen Gründen wertvoll geriet. Pässe blieben in den Pfützen auf dem Rasen abrupt liegen, was eben noch in höchster zeitlicher Not zu erledigen war, harrte nun eine kleine Ewigkeit der Einflussnahme. Die Spieler rutschten aus, wer es wagte wuchtig zu grätschen, der durfte sich nicht wundern, wenn ihn erst die Werbebande zum Liegen brachte. Ein normales Spiel war das dort schon lange nicht mehr.

Darauf deutete auch das Ergebnis immer mehr hin. Bernd Leno, der an den ersten beiden Treffern machtlos war, räumte seinen Platz zwischen den Pfosten und wurde plangemäß durch Marc-André ter Stegen ersetzt. Doch auch ihm war nicht mehr Glück beschieden. Nach einer Ecke tauchte Juray Kucka frei vor ihm auf, dessen Schuss aus acht Metern rutschte dem Keeper vom FC Barcelona durch die Beine ins Tor. 3:1 für die Slowakei.

Ein Ergebnis, das Löw trotz des Wetter-Zwischenfalls zu denken gibt. Seiner Defensive verordnete er eine Dreierkette bestehend aus Boateng, Antonio Rüdiger und Joshua Kimmich, der wie Julian Brandt und Julian Weigl zu seinem Länderspiel-Debüt kam. Normalerweise wäre in der Verteidigung auch ein Platz für Mats Hummels vorgesehen, aber der künftige Münchner laboriert noch an einem Muskelbündelriss und scheint für den Auftakt der EM mindestens fraglich zu sein.

Deutschland: Leno (46. ter Stegen) – Kimmich (75. Schürrle), Boateng (64. Höwedes), Rüdiger – Rudy, Khedira (46. Weigl), Hector – Sané, Götze, Draxler – Gomez (46. Brandt). Slowakei: Kozacik – Pekarik, Skrtel, Durica, Svento – Kucka (81. Pecovsky), Hrosovsky (78. Skirinar) – Duda (61. Stoch), Hamsik (85. Gregus), Weiss – Duris (68. Sestak).
Schiedsrichter: Gumienny (Belgien). Tore: 1:0 Gomez (13., Foulelfmeter), 1:1 Hamsik (41.), 1:2 Duris (44.), 1:3 Kucka (52.). Zuschauer: 22.110.