Leicester. Liecester City kann mit einem Sieg gegen manchester United erstmals Meister werden. Der sensationelle Erfolg hat viele Gesichter.

Eines der größten Fußball-Märchen überhaupt steht am Sonntag vor der Vollendung. Nur noch einen Sieg benötigt Leicester City zum Gewinn der englischen Meisterschaft. Drei Spieltage vor Schluss soll der vor der Saison als Abstiegskandidat gehandelte Club aus der Premier League ausgerechnet beim Rekordchampion Manchester United den ersten Meistertitel der Vereinsgeschichte perfekt machen.

„Gewinnt Leicester die Premier League, würde es den Wettbewerb, wie wir ihn jetzt kennen, verändern“, schrieb die britische Zeitung „Daily Mail“. „Es wäre eine Inspiration für Außenseiter, groß zu träumen und ein Weckruf für die etablierte Elite.“ Nicht Chelsea, nicht Arsenal, nicht Manchester City oder Bastian Schweinsteigers Red Devils - das Low-Budget-Team um den deutschen Abwehrspieler Robert Huth steht vor der Krönung einer unglaublichen Saison.

Die Spielzeit der Foxes verdient unzählige Superlativen und genauso viele Geschichten erzählt der Verein aus den englischen Midlands. Da ist Torjäger Jamie Vardy, der vor ein paar Jahren mit einer Fußfessel auf Amateurplätzen kickte und nun im Sommer mit den Three Lions zur Europameisterschaft nach Frankreich fahren wird. Da ist Riyad Mahrez, ein vor zwölf Monaten noch völlig unbekannter Offensivspieler, der zu Wochenbeginn zum besten Premier-League-Profi der Saison gewählt wurde.

„Ein kleines Team mit einem großen Herzen kann zum Riesen werden“

„Im Januar habe ich mit Mitspieler N’golo Kante erstmals über die Liga geredet. Wir haben gesagt: Könntest du dir vorstellen? Nach 30 Sekunden haben wir das Thema gewechselt“, erinnerte sich der algerische Nationalspieler an erste kleine Titelträume. Punktgleich mit Arsenal stand Leicester an der Tabellenspitze. Alle Experten rechneten mit einem Einbruch. Doch der kam und kam nicht.

Selbst eine 1:2-Niederlage Mitte Februar beim FC Arsenal in letzter Sekunde brachte City nicht vom Weg ab. Da im Pokal bereits früh Schluss war, gönnte Trainer Claudio Ranieri seinen Spielern danach eine Woche Urlaub. Immer wieder brachte der italienische Coach seine Profis mit kleinen Psychotricks zu ungeahnten Erfolgen. Nach einem Spiel ohne Gegentor lud er seine Schützlinge zum Pizza-Essen in der Innenstadt ein. Gute Leistungen wurden mit zwei freien Tagen belohnt. Zur möglichen Meisterschaft sagte er: „Ein kleines Team mit einem großen Herzen kann zum Riesen werden - das ist toll.“

Auch Ranieri ist eine dieser unglaublichen Geschichten um Leicester City. Der Trainer-Oldie wurde 2014 nach einer 0:1-Pleite gegen die Färöer als griechischer Nationaltrainer vom Hof gejagt. Als Leicester im Sommer einen neuen Coach suchte, verpflichtete der Club den 64 Jahre alten Römer. Nicht unbedingt zur Freude von Leicester-Eigengewächs und früherem englischen Nationalstürmer Gary Lineker. „Ranieri? Wirklich?“, schrieb er bei Twitter und hat sich dafür schon längst entschuldigt.

TV-Sendung bei der BBC in Unterhose

Lineker könnte durch den möglichen Titelgewinn Leicesters in Schwierigkeiten kommen. Im Zuge der guten Hinrunde kündigte er via Twitter vollmundig an, seine Fußball-Sendung bei der „BBC“ nur in Unterhose bekleidet zu moderieren. Seit einigen Wochen bereitet sich der ehemalige Weltklasse-Angreifer darauf vor. „Ich bin gut in Form“, witzelte Lineker.

Auch die britischen Sportwettenanbieter droht ein GAU und hohe Gewinnausschüttungen. Die Quote vor der Spielzeit für Leicesters Titelgewinn betrug 5000:1. Wer damals einen englischen Pfund (rund 1,28 Euro) setzte, erhält 5000 Pfund (etwa 6400 Euro). „So eine Gewinnquote gab es in der Geschichte noch nie“, sagte Joe Crilly, Sprecher des Wettanbieters William Hill.