BVB - Liverpool

Jürgen Klopp: Lieber Dortmund als Nordkorea

Jürgen Klopp auf der Pressekonferenz vor dem BVB-Spiel

Jürgen Klopp auf der Pressekonferenz vor dem BVB-Spiel

Foto: Sascha Steinbach / Bongarts/Getty Images

Jürgen Klopp ist wieder da. Er bemühte sich, den Hype um seine Rückkehr nach Dortmund herunterzuspielen - vergeblich.

Dortmund. Um 18.14 Uhr prasselten die Blitzlichter los, ein schwarz-gelbes Absperrband schützte Jürgen Klopp in seinem alten Wohnzimmer vor allzu aufdringlichen Fotografen. „Meine Güte. Seid ihr geisteskrank?“, fragte der Trainer des FC Liverpool lachend. Der Hype um seine erstmalige Rückkehr zu Borussia Dortmund erreichte am Mittwochabend im Pressekonferenzraum einen ersten Höhepunkt.

Es war, als wäre Klopp nie weg gewesen. Er kam mit Brille und Bart, er witzelte und lachte breit - doch der schwarze Kapuzenpulli der Reds verriet, dass es ein besonderer Moment war. Jürgen Klopp ist wieder da. Auf der falschen Seite.

„Rein theoretisch könnten wir ja jetzt über Fußball sprechen“, sagte der Meistertrainer, aber selbstverständlich betrafen viele Fragen seine Emotionen. „Es ist besser, hier zu sein als in Nordkorea. Aber ich glaube nicht, dass ich große Gefühlsschwankungen haben werde. Wir ziehen uns um, gehen raus und spielen. Fertig.“

Die BVB-Fans werden ihn feiern

Das Herunterspielen des Hypes wird jedoch kaum gelingen. Schon am Mittwoch wollte eine Reporterin Klopp kurioserweise einen Präsentkorb aus der alten Dortmunder Nachbarschaft überreichen. Am Donnerstagabend (21.05 Uhr/Sport1 und Sky) vor dem Viertelfinal-Hinspiel in der Europa League werden die BVB-Fans ihn feiern, sie werden ihn verehren. Und sie werden sich daran gewöhnen müssen, dass er bei Toren gegen ihre Mannschaft jubelt. „Das könnte passieren, wenn es ein wichtiges Tor ist“, sagte er: „Selbstverständlich aber nicht, wenn der BVB trifft...“

Ein bisschen ist ihm anzumerken, wie es trotz aller Professionalität in ihm rumort. „Das ganze Drumherum auszublenden, dürfte sehr schwer werden“, räumte Klopp ein. Er kennt nach sieben Jahren des Erfolgs immer noch alles und jeden beim BVB: „Selbst die Parkplatzwächter. Das löst bei mir ein bisschen Stress aus. Aber immerhin war auf der B1 kein Stau.“

Könnte er sich etwas wünschen, es würde wohl alles kleiner ablaufen. „Ich brauche keine Begrüßung im Stadion. Ich weiß, wie wir zueinander stehen“, betont er, BVB-Kapitän Mats Hummels habe es perfekt beschrieben: „Unsere gemeinsame Geschichte ist viel zu groß, als dass sie durch ein Spiel gestört werden könnte.“

Mit BVB-Sportdirektor Michael Zorc hat er einige SMS über den Ärmelkanal schwirren lassen. „In den vergangenen Jahren haben wir gemeinsam gefeiert. Diesmal wird nur einer feiern. Besser als gar keiner“, sagt Klopp.

Auch drei, vier Spieler schrieb er nach der hier wie dort fast hysterisch aufgenommenen Auslosung an. Der Inhalt, Klopp lacht: „Wir werden uns freundlich begrüßen, freundlich verabschieden - und zwischendurch gehen wir uns 90 Minuten auf die Nerven.“

Die Gegenwart heißt Liverpool, einer der großen Mythen des Fußball. Bei den Reds hat er sich eingelebt - auch musikalisch. Vor zwei Wochen kam der 48-Jährige, der gerne Helene-Fischer-Konzerte besucht, im Beatles-Shirt zur Pressekonferenz. Die Journalisten waren entzückt.

Auch dem Tabellennneunten der Premier League versucht Klopp seinen Vollgasfußball zu verordnen, dieses Immer-mehr-und-dann-noch-mehr, das den BVB lange antrieb, aber irgendwann auslaugte. Die Erfolge sind übersichtlich.

Klopp hat zwar taktisch Einfluss genommen, aber strukturell noch nicht viel verändern können. Das Gerüst der Mannschaft wird er erst im Sommer verschieben, wenn unter anderem Joel Matip von Schalke 04 an die Anfield Road wechselt.