Hamburg

Die Towers – mehr als nur Basketball

Vom Schul- bis zum Spitzensport: Der Hamburger Zweitligaclub hat sich breit aufgestellt. Sponsoren bieten sich zahlreiche Kooperationsmöglichkeiten

Hamburg.  Will Barnes betritt mit Towers-Polo-Shirt und -Turnbeutel die Sporthalle des Heinrich-Heine-Gymnasiums in Poppenbüttel. Dann drückt der letztjährige Kapitän der Hamburg Towers auf den Balg seiner roten Pfeife, und 22 Kinder stellen sich auf. Mal sollen sie mit der rechten Hand den Basketball auf den Boden prellen, dann mit der linken, dann Drehungen machen, danach bei einem schnellen Antritt prellen, stoppen und losrennen. Und dabei hochgucken – nicht auf den Ball. „Good job, super!“, ruft Barnes, 27.

Der Point Guard ist nach einer Knieoperation vertragslos. Weil seine Freundin Sabrina schwanger war, im Januar wurde Söhnchen William jr. geboren, blieb er in Hamburg und mit den Towers liiert. Dass er jetzt als Coach bei dem im Februar gestarteten Schulprojekt der Towers, der „Vattenfall Basketball Akademie“, mitarbeiten kann, ist für beide Seiten eine Win-win-Situation. Der eloquente US-Profi arbeitet nebenher an seinem Comeback.

Bei dem Schulprojekt sollen keine Talente erspäht und gedrillt werden, „es geht zunächst nur um Spaß, die Kinder sollen Basketball kennenlernen. In Deutschland spielen ja alle nur Fußball“, sagt Barnes. Die Schüler in Poppenbüttel sind begeistert. „Er meckert nie“, sagt Helene Vagnoman, 10. Und alle finden es toll, dass Barnes Englisch redet und sie antworten können, ohne dass sie jemand korrigiert. Barnes spricht inzwischen ganz gut Deutsch, die Schulen aber wünschen, dass er auf Englisch unterrichtet. Er coacht vier solcher AGs.

Das Schulprojekt ist der neueste Baustein unter der Dachmarke des breit aufgestellten Profi-Zweitligaclubs Hamburg Towers, der Sponsoren und Partnern auf verschiedenen Ebenen Einstiegs- und Kooperationsmöglichkeiten bietet. Nicht ohne Grund lautet der Towers-Slogan „More than Basketball“, mehr als Basketball. Ziel bleibt es, neben dem sportlichen Erfolg, Basketball in Hamburg weiter zu verbreiten und populärer zu machen. Und das sind die Module der Towers.
Vattenfall Basketball Akademie:
Mit Beginn des neuen Schulhalbjahrs bieten die Towers mit dem Energiekonzern Vattenfall 20 wöchentliche Schul-AGs im Stadtgebiet an. Etwa 500 Dritt- bis Zehntklässler sind bei dem Projekt aktuell am Ball. Zu den Trainern gehört Towers-Headcoach Hamed Attarbashi, der am Stübenhofer Weg in Wilhelmsburg zwei mit jeweils 30 Kindern überfüllte AGs betreut. Als Abschlussevent steigt am 1. Juli ein Schulturnier in der Inselparkhalle. Das Projekt soll stetig ausgeweitet werden, schon diesmal hatten sich 36 Schulen beworben.
Sport ohne Grenzen:
Der gemeinnützige Verein ist die Keimzelle der Towers, ihr soziales Gesicht. Die Towers-Gesellschafter Marvin Willoughby und Jan Fischer (Sportsoziologe/Towers-Pressesprecher) hatten mit Freunden 2006 Sport ohne Grenzen gegründet. Gründungsimpuls waren die bis heute veranstalteten Basketballferiencamps. Bei der „Sterne des Sports“-Aktion des Deutschen Olympischen Sportbundes gewann der Verein den Publikumspreis. Der Wilhelmsburger Jung’ Willoughby erhielt für sein soziales Engagement den Bundesverdienstorden.
Learn4Life:
Dieses Angebot von Sport ohne Grenzen wird seit einem Jahr von der Hamburger Aurubis AG (Kupferhütte) unterstützt. Sportartenübergreifend wird Kindern im regulären Sportunterricht Teamfähigkeit vermittelt. Dabei bekommen sie Aufgaben, die sie nur in der Gruppe lösen können. Sie lernen sich abzustimmen, einander zuzuhören und selbst aufgestellte Regeln zu beachten. Das Konzept entwickelte Hinnerk Smolka, der als Teamcoach der Towers auch die Teamzusammenarbeit der Zweitligaprofis optimiert. Für Learn4Life übernehmen von Smolka ausgebildete Übungsleiter für jeweils elf Wochen den Sportunterricht in verschiedenen Schulen. In diesem Schuljahr waren sie in Wilhelmsburg in der dortigen Stadtteil- und in der Nelson-Mandela-Schule.
BasKIDball:
Das ist ein bundesweites, offenes Basketballtraining für Kids, konzipiert von Willoughbys Freund Dirk Nowitzki und dessen Mentor Holger Geschwindner. Junge Basketballer sollen „daddeln“ können – ohne Beitrag, ohne Mitgliedschaft. Als „Open Gym“, also offener Basketballcourt, wird zweimal pro Woche eine Halle im Sprach- und Bewegungszentrum Wilhelmsburg aufgeschlossen.
Die Towers:
Das ist die Dachmarke, das Profiteam, das im Vorjahr mit einer Wildcard in der Zweiten Bundesliga ProA startete und als Achter die Playoffs erreichte. In der zweiten Saison zieht das Team als Tabellenfünfter in die am 8. April beginnende Endrunde ein. Aufsteigen wollen die Verantwortlichen um Sportchef Willoughby in dieser Saison noch nicht. Man will gesund wachsen, erst Strukturen schaffen, um Profibasketball nachhaltig in Hamburg zu etablieren. Mittelfristig ist das Ziel jedoch klar: Erste Liga. Der aktuelle Zuschauerschnitt von 2847 bedeutet hinter Vechta Platz zwei in der Liga.
Die Piraten:
Der Unterbau der Towers. Zwar gibt es auch Ballsportgruppen für Drei- bis Elfjährige, die Ausbildung der Talente erfolgt aber erst in der U16 und der U19. Perspektivisch soll auch ein Internat entstehen. Die U16, von Amir Zohri trainiert, spielt in der Jugendbundesliga (JBBL). Die U19, sie wird vom früheren BCJ-Tigers-Geschäftsführer Paul Larysz gecoacht, ist in der Nachwuchsbundesliga (NBBL) gerade in die Play-offs der Nordgruppe gestartet (0:1 in der Best-of-three-Serie gegen Gießen). Laryszs Sohn Lennard und Louis Olinde, beide 18, sind derzeit Hamburgs größte Basketball-Begabungen. Beide erhalten in dieser Saison Einsätze bei den Piraten, den Towers und bei Kooperationspartner Rist Wedel in der Zweiten Bundesliga ProB.
Der Kooperationspartner:
Mit dem Drittligisten Rist Wedel, dem 1968 gegründeten Traditionsbasketballverein mit vorbildlicher Jugendarbeit, der auch das Sprungbrett von Towers-Macher Marvin Willoughby zur Profikarriere war, kooperieren die Towers seit ihrer Gründung. Beide Seiten stimmen sich bei Spielerverpflichtungen ab, legen Spieltermine so, dass Doppeleinsätze in beiden Clubs möglich sind. Die Wedeler trainieren ein- bis zweimal pro Woche in der Inselparkhalle. In dieser Saison gibt es fünf junge Doppellizenzspieler (Olinde, Larysz, Helge Baues, Janis Stielow, René Kindzeka). Bis auf Center Baues stammen alle aus dem Piratennachwuchs.
Die Betreibergesellschaft:
Hinter der 2011 gegründeten „Inselakademie Sport- und Schulungszentrum Wilhelmsburg GmbH“, die die Inselparkhalle betreibt, stecken dieselben Köpfe, die hinter den Towers stehen: Wil­lough­by und die anderen drei Towers-Gesellschafter Fischer, Jochen Franzke (zugleich Towers-Geschäftsführer) und Tomislav Karajica (Imvest Immobilien). Sie sind die Pächter der umgebauten ehemaligen Gartenschau-Blumenhalle, die der Benno-und-Inge-Behrens-Stiftung gehört. Das große Ziel ist, dass die privat finanzierte Halle sich trägt und als Basketballzentrum langfristig gesichert wird: als (erstligataugliche) Heimspiel- und Trainingsstätte für die Towers und die Rollstuhlkorbjäger der BG Baskets genauso wie für die Nachwuchsarbeit. Bisher sind die Betreiber auf einem guten Weg, Hamburgs drittgrößte Veranstaltungshalle zu etablieren, auch mithilfe von Fremdveranstaltungen. Bereits vier Box-Events fanden im Inselpark statt – und als Highlight im Vorjahr der Supercup mit Nowitzki. Am 10. Mai geben die Show-Basketballer der Harlem Globetrotters ein Gastspiel, vom 13. bis 15. Mai wirft beim PDC Europe Darts Cup die Darts-Elite in Wilhelmsburg.

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