Hamburg

Das war’s dann mit dem Aufstieg

Der FC St. Pauli liegt nach dem 3:4 gegen Paderborn und dem Sieg von Nürnberg nun schon acht Punkte hinter Relegationsrang drei zurück

Hamburg. Florian Heil

Wer am Freitagabend um 18.30 Uhr noch auf einen möglichen Aufstieg des FC St. Pauli spekuliert hatte, musste sich 94 Minuten später eines Besseren belehren lassen. Durch die verdiente 3:4-Niederlage gegen den SC Paderborn und den 4:0-Sieg des 1. FC Nürnberg in Bielefeld trennen die Kiezki­cker nun acht Punkte vom Relegationsrang. „Die Tabelle sieht nicht rosig aus, das ist schon sehr enttäuschend“, sagte Lasse Sobiech.

Wie schon bei der 0:2-Niederlage in Heidenheim taten sich in der Abwehr beim FC St. Pauli gegen den Angstgegner aus Paderborn (nur ein Sieg aus den vergangenen zehn Partien) ungewohnte Lücken auf, im Mittelfeld übernahm niemand die Verantwortung, und im Sturm fehlte jegliche Durchschlagskraft.

Letzteres war jedoch wenig verwunderlich, schließlich musste Trainer Ewald Lienen neben John Verhoek (Bänderriss) kurzfristig auch noch auf Lennart Thy verzichten, der aufgrund eines Infekts ausfiel. „Das ist ja nicht der erste Grippekranke bei uns, es ist wie verhext“, sagte Lienen, der ebenfalls gesundheitlich angeschlagen war. Dafür stand Offensivallrounder Kyoung-Rok Choi in der Startelf. Jeremy Dudziak, der eigentlich für den linken Flügel vorgesehen war, wurde als zweiter Stürmer in die Spitze beordert. Der gegen Heidenheim gelbgesperrte Waldemar Sobota ersetzte Fafá Picault.

Doch vom Anpfiff an übernahmen die Gäste das Kommando. Bereits nach zwei Minuten hätte Paderborn einen Elfmeter zugesprochen bekommen können, als Daniel Buballa ungeschickt gegen Süleyman Koc zu Werke ging, die Pfeife von Fifa-Schiedsrichter Wolfgang Stark blieb jedoch stumm. Nur fünf Minuten später degradierte Paderborns Neuverpflichtung Nicklas Helenius die gesamte St.-Pauli-Abwehr zu Statisten, als der Stürmer durch den Strafraum tanzte und Torwart Robin Himmelmann mit einem Lupfer keine Chance ließ. Ein Traumtor.

13 Spiele war Paderborn zuvor ohne Sieg geblieben, dennoch hatte Lienen vor dem Spiel gewarnt: „Sie spielen nicht wie eine Mannschaft, die unten steht und nur verteidigt. Paderborn spielt mutig nach vorne.“ Damit hatte der Coach vollkommen recht. Ganz anders als von einem Tabellenvorletzten zu erwarten, präsentierten sich die Gäste spielstark und ideenreich und stellten die Gastgeber vor allem über ihre rechte Abwehrseite immer wieder vor Probleme. So fiel auch der Treffer zum 0:2 nach schöner Kombination über links, die Florian Hartherz – wieder per Lupfer – abschloss.

St. Pauli hätte zwischenzeitlich den Ausgleich erzielen können, doch Dudziak verpasste nach Flanken von Daniel Buballa zweimal knapp (11., 19.), und auch Enis Alushi traf nach einem entschlossenen Antritt aus kurzer Distanz nur das Außennetz (22.). Doch die Führung der Gäste ging völlig in Ordnung

„Wir haben das Spiel in der ersten Halbzeit verloren“, analysierte Lienen, „der letzte Einsatz hat gefehlt, wir waren nicht aggressiv genug, haben den Gegner nur eskortiert. Sieben Fouls von uns und 26 von Paderborn sprechen eine deutliche Sprache.“

In der Kabine muss Lienen seine Spieler allerdings gehörig durchgerüttelt haben, denn St. Pauli agierte nach dem Wiederanpfiff zunächst mit ganz anderer Körpersprache und belohnte sich für das beherzte Auftreten schnell: Sobiech wurde bei einem Kopfballduell von Tim Sebastian unsanft zu Boden gestoßen, Stark zeigte sofort auf den Punkt. Den Elfmeter pfeift nicht jeder Schiedsrichter. Der Gefoulte trat trotz eines verschossenen Elfmeters gegen Bochum selbst an und zimmerte den Ball in den rechten Winkel. Jetzt waren die Fans voll da, das Stadion bebte – und mitten in die Drangphase stellte Helenius nach einem Konter den alten Abstand wieder her (59.). Himmelmann hatte noch stark pariert, doch Philipp Ziereis stand irgendwie auf dem falschen Fuß und ließ den Ball ins Netz kullern. Das sah sehr unglücklich aus.

Sebastian Maier kam danach zu seinem Comeback, blieb aber weitgehend blass. Seine Teamkollegen gaben nicht auf, kämpften trotz des vierten Gegentreffers zum 1:4 durch Thomas Bertels weiter. Doch am Ende stand trotz der späten Anschlusstreffer durch Sobota (84.), der Keeper Heuer Fernandes erst im dritten Versuch überwinden konnte, und Picaults Kopfball (90.+2) die fünfte Heimniederlage zu Buche. Definitiv zu viel für höhere Ansprüche. Lienen: „Wenn man drei Tore erzielt und dennoch verliert, hat man defensiv kollektiv etwas falsch gemacht.“ Und weiter: „Im Unterbewusstsein denkst du vielleicht gegen Gegner aus dem Tabellenkeller, es geht auch mit 85 Prozent. Doch das geht eben nicht.“