Hamburg

Labbadia lobt Flüchtling: „Der Junge kann kicken“

Der 17 Jahre alte Gambier Bakery Jatta kann durch einen Profivertrag eine Aufenthaltserlaubnis erhalten

Hamburg.  Das alles hat ja so etwas Romantisches, weswegen das Interesse an Bakery Jatta auch so groß ist. Gerade in dieser Zeit. Ein Flüchtling, 17 Jahre, aus Gambia, Probetraining beim Fußball-Bundesligisten. Ein Stoff wie für einen kitschigen Film, Marke Zweiteiler bei Sat1 – wenn es denn ein Happy End gibt.

Und das ist durchaus wahrscheinlich. Für Jatta, aber auch für den HSV, bei dem sich der junge Afrikaner zu Jahresbeginn im Probetraining vorstellen durfte. „Der HSV hat eine Option in dem Sinne, dass Bakery super aufgenommen wurde. Das hat bei dem Jungen einen guten Eindruck gemacht“, sagt Berater Efe-Firat Aktas. Immerhin das. Rechtlich nämlich ist noch gar nichts festgezurrt.

„Für den Jungen ist mit dem Training beim HSV ein Traum in Erfüllung gegangen“, erzählt Aktas weiter, der sich um die sportlich-perspektivischen Belange des jungen Mannes kümmert. „Er könnte ein Projekt für mich und den Verein sein“, sagte Trainer Bruno Labbadia, der auch bekannte, „großen Respekt vor seiner Geschichte zu haben.“ „Er will unbedingt Profifußballer werden, und ich denke, er hat gute Chancen, es zu schaffen“, sagt der Ex-Boxer, Sozialarbeiter und „Respektcoach“ Lothar Kannenberg dem Magazin „11freunde“, in dessen Einrichtung in Bremen Hastedt Jatta seit einem halben Jahr als „unbegleiteter Minderjähriger“ lebt.

Völlig unbeschwert mischte er im HSV-Training mit, bereitete ein Tor von Sven Schipplock vor. „Der Junge kann kicken“, war Labbadias erster, prägender Eindruck. Angeblich hatte er nie für einen Verein gespielt, alles Talent, die Lehre der Straße, romantisch.

„Bevor wir ihn zu einem Probetraining schicken konnten, mussten wir ihn erst einmal fit kriegen“, berichtet Kannenberg. Dann erst rief er Aktas an: „Wir haben hier einen.“ Der schaute sich den jungen Mann bei einem internen Turnier der Jugendhilfe-Einrichtung an. Und vermittelte ihn zu Werder Bremen. Dort zögerte man aber – also HSV. Und der konnte ihn aus rechtlichen Gründen nicht mit in die Türkei nehmen. „Wenn das mal kein Fehler war“, unkt Kannenberg.

Schon ist vom wieder aufgeflammten Interesse bei Werder und neu erwachtem bei Schalke zu hören. „Dazu möchte ich nichts sagen“, sagt Aktas, „Stand heute ist aber: er trainiert nirgendwo anders.“

Eine rechtlich bindende Vereinbarung gibt es noch in keine Richtung. Auch nicht für den HSV. Jatta unterliegt noch der Betreuung des Jugendamts. Als „sehr angenehm“, beschreibt Labbadia den Gambier, „er hat sich nach dem Training bei allen bedankt“. Reicht das? „Wir müssen abwarten, was passiert, wenn der HSV zurückkehrt“, sagt der Berater

Einfach ist das alles nicht. Mit einem Profivertrag hat Jatta eine gute Chance auf eine Aufenthaltserlaubnis. Wenn er im Juni 18 wird, läuft seine Duldung ab. Gambiern droht dann die Rückführung, aber das soll ihm natürlich nicht passieren. Also wird er voraussichtlich dort einen Vertrag unterschreiben, wo man ihm das beste Angebot macht – ganz unromantisch.