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Algan nimmt seine Spieler in den Arm

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Mirko Schneider

Amateurfußball Altona 93 „schenkt“ Barmbek 2:2, Labbadia motiviert Arslan, Paloma weiter auf Weg in den Abgrund, Schiri Franke zurück in Bramfeld

Vier Treffer, ein Punkt. „Wir haben vier Tore geschossen und trotzdem nur Unentschieden gespielt“ – Altona 93-Trainer Berkan Algan huschte bei diesem Satz ein kurzes Lächeln über die Lippen. Das Oberligaduell gegen den HSV Barmbek-Uhlenhorst endete 2:2, doch Algan bedauerte zwei seiner Spieler: Torhüter Joshua De Preez und Cody Shields. De Preez verschätzte sich im ersten Durchgang bei einer Flanke von Pascal El Nemr, so dass sich dieser von der Außenlinie als Torschütze eintragen konnte. „Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich das so gewollt habe“, freute sich der Barmbeker. Beim Stande von 1:1 verlängerte Altonas Cody Shields einen Freistoß der Barmbeker unhaltbar ins Netz zum 1:2.

Immerhin konnte der AFC mit Kemo Kranich den besten Mann des Tages vorweisen. Er bereitete das 1:1 vor und erzielte das 2:2 selbst mit der Hacke. Coach Algan schnalzte ob des Zuckertores aber nicht mit der Zunge, sondern war im Gedanken bei seinen Unglücksraben: „Die beiden Jungs tun mir unendlich leid, weil es gute Jungs sind. Sie können wahrscheinlich gar nicht schlafen und ich muss sie gleich nochmal in den Arm nehmen.“


Neues Jahr, neues Stadion. Voll im Soll ist Oberligist Barmbek-Uhlenhorst beim Bau seiner neuen Heimspielstätte an der Dieselstraße. Das gab Barmbeks Präsident Frank Meyer bei einer Stadionführung am Sonnabend bekannt. „Im Januar soll es losgehen. Die erste Partie wird ein Testspiel gegen den VfL 93 sein.“ Ein Dankeschön an den Kreisklassisten, der die Barmbeker während der nur sechsmonatigen Bauzeit am Borgweg spielen ließ.

Das neue Schmuckkästchen der Barmbeker (Belag: Kunstrasen) hat eine Kapazität von 1900 Zuschauern, davon 300 überdachte Tribünenplätze. Nach Abendblatt-Informationen kostete die Umgestaltung des gesamten Areals, auf dem zuvor fünf Bunker standen, die Stadt circa 4 Millionen Euro. Es war eine Ausweichfläche nötig geworden, nachdem die berühmte „Barmbeker Anfield“ an der Steilshooper Straße dem Wohnungsbau weichen musste. Barmbeks neues Zuhause erfüllt die Auflagen für die Regionalliga. Meyer: „Eine Meldung zur Aufstiegsrunde für die nächste Saison ist allerdings kein Thema.“
Motivation von ganz oben. Eine Riesenüberraschung gelang dem abstiegsbedrohten HSV II in der Regionalliga Nord durch das 2:1 gegen Tabellenführer Wolfsburg II. Chefmotivator für den Erfolg: Bruno Labbadia. Der Trainer der Bundesligamannschaft hatte Ahmet Arlslan, der in der Vorwoche beim Derby in Bremen beim 3:1 drei Minuten lang Bundesligaluft schnuppern durfte, erklärt, warum er gegen Mainz nicht in den Kader rückte. Labbadia wollte eine defensivere Kraft mehr auf der Bank haben. Arslan: „Dass ich eine persönliche Begründung bekommen habe, hat mich sehr motiviert, nun bei der zweiten Mannschaft erst recht Gas zu geben.“ Also spielte Arslan großartig auf und traf zweimal (35., 48,) für einen in allen Belangen überlegenen HSV II. Oder, wie es Trainer Soner Uysal ausdrückte: „Heute gibt es nur wenig zu kritisieren.“


Paloma kriegt halbes Dutzend. Mit Riesenschritten Richtung Abstieg marschiert weiterhin Oberligist USC Paloma. Beim SC Condor gab sich die Mannschaft in Hälfte zwei auf – und verlor mit 0:6. „Es ist mir unerklärlich, wie man so ein Spiel bestreiten kann. Wobei zum bestreiten ja Gegenwehr gehören würde“, fand Palomas Trainer Olufemi Smith mehr als deutliche Worte. „Mit Oberligafußball hat das herzlich wenig zu tun. Es ist einfach niederschmetternd.“ Palomas Manager Carsten Gerdey: „Das Spiel muss ich erst mal sacken lassen.“ Verbesserungspotenzial trotz des haushohen Erfolges sah Condors Trainer Christian Woike. Trotz einer klaren 3:0-Führung zur Pause war er mit Halbzeit eins „überhaupt nicht zufrieden. Da hatten wir keinen Zugriff auf den Gegner“.


Turbulente Rückkehr. Einfach kein Glück bringt Schiedsrichter Mike Franke (SC Schwarzenbek) der Sportplatz des Hansa-Landesligisten Bramfelder SV an der Ellernreihe. Am 6. Spieltag wurde Franke nach dem 2:1 der Bramfelder gegen Dersimspor von einem Fan der Gäste verprügelt (Abendblatt berichtete). Nun pfiff Franke das Spitzenspiel zwischen Bramfeld und Hamm United (1:2) – und verteilte in der fast zehnminütigen Nachspielzeit drei Rote Karten. Bramfelds Ronny Sendel sah Gelb-Rot (91. Foul/Unsportlichkeit) und nach einer Ecke in der 93. Minute entstand ein mehrminütiges Handgemenge, nach dem Mirko Schulz (97., Bramfeld) und Felix Römhild (97., Hamm United) glatt Rot sahen. „Ich verstehe die Rote Karte für uns nicht. Bis dahin hat der Schiedsrichter tadellos gefpiffen“, so Bramfelds Trainer Florian Neumann. Jassi Huremovic, Co-Trainer bei Hamm United, taten die Geschehnisse leid. „Uns war wichtig, dass der Schiedsrichter hier nichts Schlimmes erlebt. Schade, dass es am Schluss ausgeartet ist.“

( misch/arm )

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