Zürich

Fifa: Festnahmen und Reformpaket

Zwei südamerikanische Mitglieder verhaftet. Amtszeit für Präsidenten auf zwölf Jahre beschränkt

Zürich.  Nach Jahren der massiven Skandale will die Fifa mit einem umfassenden Reformpaket eine neue Führungsstruktur etablieren. Das Exekutivkomitee des Fußball-Weltverbandes bewilligte am Donnerstag weitreichende Maßnahmen, blieb aber in vielen Punkten auch hinter den Forderungen externer Anti-Korruptions-Experten zurück.

Der Präsident und die Mitglieder eines neu geschaffenen Councils dürfen demnach maximal für drei Amtszeiten à vier Jahre im Amt sein. Die Vergütung der Topfunktionäre wird jährlich öffentlich gemacht. Das Council mit dann 36 Mitgliedern tritt an die Stelle des mächtigen Exekutivkomitees und soll eine Art Aufsichtsrat bilden. Die letzte Entscheidung über die Reform trifft der Fifa-Kongress am 26. Februar. Statutenänderungen bedürfen dann einer Dreiviertelmehrheit unter den 209 Mitgliedern.

„Diese Reformen bringen der Fifa eine bessere Führung, größere Transparenz und mehr Rechenschaftspflicht. Sie sind ein Meilenstein auf unserem Weg, Glaubwürdigkeit als eine moderne, vertrauenswürdige und professionelle Sportorganisation wiederzuerlangen“, sagte Interimspräsident Issa Hayatou. Keine Mehrheit fand im Exekutivkomitee der Vorschlag der Reformkommission für eine Aufstockung auf 40 WM-Teilnehmer vom Jahr 2026 an. Abgelehnt wurde auch ein Alterslimit für Funktionäre.

Mehr Macht bekommen künftig der Generalsekretär und neun statt zuvor 26 ständige Fifa-Komitees. Dort werden die wesentlichen Management-Entscheidungen getroffen. Das Council, dem der Präsident vorsitzt, überwacht die Entscheidungen, hat aber keine exekutive Gewalt mehr. Somit verliert auch der Präsident an Einfluss. der mehr repräsentativen Charakter hat. Gerade das Exekutivkomitee war zuletzt angesichts zahlreicher Skandale immer wieder in die Kritik geraten. Seit der hoch umstrittenen WM-Vergabe an Russland 2018 und Katar 2022 wurden mehr als ein Dutzend Exko-Mitglieder entweder angeklagt, verhaftet, suspendiert oder zumindest unter Korruptionsverdacht gestellt.

Wenige Stunden zuvor wurden die Exko-Mitglieder Juan Ángel Napout aus Paraguay und Alfredo Hawit aus Honduras von der Schweizer Justiz festgenommen. Es geht um Bestechung in Millionenhöhe. Sie sollen in die USA ausgeliefert werden. Am Abend wurde zudem bekannt, dass das US-Justizministerium gegen 16 weitere hochrangige Fußball-Funktionäre ermittelt. Darunter der ehemalige Vizepräsident des Weltverbandes, Ricardo Teixeira, der frühere brasilianische Verbandspräsident Marco Polo del Nero und das ehemalige Fifa-Exekutivmitglied Rafael Salguero aus Guatemala.

Keine wesentliche Änderung gibt es bei der Entsendung der Council-Mitglieder im Vergleich zur Wahl der Vertreter im Exekutivkomitee. Wie bislang werden diese von den sechs Konföderationen entsandt. Allerdings unter „Beobachtung“ durch die Fifa und durch einen Integritätscheck des Weltverbandes. Statt 25 Exko-Mitglieder sitzen im Council künftig 36 Vertreter. Alle Konföderationen bekommen mehr Vertreter. Europa mit nun neun statt acht Entsandten verliert aber von 33 auf 25 Prozent.

Mehr im Bereich eines Appells bewegt sich die Aufforderung an die sechs Konföderationen und 209 Mitgliedsländer, die Standards des Weltverbandes zu übernehmen. Eine Verpflichtung zur Schaffung einer Ethikkommission bleibt in deren Entscheidungsgewalt.