DFB-Ermittlungen

Staatsanwaltschaft: Keine Ermittlungen gegen Beckenbauer

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main hat bestätigt, dass im Zuge der Affäre um die Fußball-WM 2006 nicht gegen Beckenbauer ermittelt wird

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main hat bestätigt, dass im Zuge der Affäre um die Fußball-WM 2006 nicht gegen Beckenbauer ermittelt wird

Foto: Tobias Hase / dpa

Der ehemalige DFB-Präsident will rechtliche Schritte prüfen lassen. Sorgen wegen der Hausdurchsuchung mache sich Zwanziger indes nicht.

Diez.  Der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger lässt nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main rechtliche Schritte prüfen. Vor einer offiziellen Mitteilung hätten am Dienstag bereits Medien Kenntnis über die behördlichen Maßnahmen gehabt, teilte Zwanziger am Dienstag über seinen Anwalt Hans-Jörg Metz mit.

„Wir behalten uns ausdrücklich vor, die näheren Umstände im Rahmen geeigneter Verfahren aufklären zu lassen. Die offensichtlich gezielten Indiskretionen im Vorfeld einer solchen Maßnahme sind in keiner Weise hinnehmbar.“

Im Zuge der Ermittlungen in der Affäre um die WM 2006 war auch Zwanzigers Haus am Montag durchsucht worden. Er mache sich keine Sorgen deswegen, bekräftigte der frühere Präsident des Deutschen Fußball-Bundes. Er wisse, „dass er keine Konsequenzen zu befürchten“ habe.

Zwanziger rät finanzielle Ansprüche zu prüfen

Zudem rät Zwanziger dem Deutschen Fußball-Bund, finanzielle Ansprüche gegen den damaligen WM-OK-Chef Franz Beckenbauer zu prüfen. Es sei die Aufgabe des derzeitigen DFB-Präsidiums, zu prüfen und zu entscheiden, ob die Zahlung in Höhe von 6,7 Millionen Euro von Beckenbauer zurückgefordert werden müsse und etwaige steuerliche Verpflichtungen nachträglich zu erledigen seien, schrieb Zwanzigers Anwalt Hans-Jörg Metz in einem Brief an den Verband.

Beckenbauer sei der Begünstigte der damaligen Zahlung, weil damit die von ihm persönlich eingegangene Schuldverpflichtung aus heutiger Sicht möglicherweise zu Unrecht getilgt wurde, hieß es in dem Schreiben.

Keine Ermittlungen gegen Beckenbauer

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main hat am Mittwoch jedoch bestätigt, dass im Zuge der Affäre um die Fußball-WM 2006 nicht gegen Beckenbauer ermittelt wird. Grund dafür sei aber nicht, dass der damalige Präsident des Organisationskomitees seinen Wohnsitz nicht in Deutschland, sondern in Österreich habe. Ausschlaggebend sei vielmehr, dass Beckenbauer nichts mit der Steuererklärung zu tun gehabt habe, wegen der die Behörde nun Ermittlungen aufgenommen hat, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft am Mittwoch.

Nach den Darstellung von Zwanziger, des heutigen DFB-Chefs Wolfgang Niersbach und des früheren Generalsekretärs Horst R. Schmidt hatte das WM-OK 2005 einen Betrag von 6,7 Millionen Euro über ein Konto des Weltverbandes Fifa an den damaligen Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus zurücküberwiesen. Getarnt war dieses Geld als Beitrag zu einer Fifa-Gala. Wohin es tatsächlich floss, ist weiterhin unklar.

Unterdessen wächst der Druck auf den derzeitigen DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach. Während in der Verbands-Zentrale die Ermittler der Frankfurter Staatsanwaltschaft Akten rund um die WM 2006 sichteten und beschlagnahmten, weilte Wolfgang Niersbach daheim in Dreieich. Schließlich waren die Fahnder auch bei ihm zu Hause vorstellig geworden, wie auch in den Wohnsitzen seines Vorgängers Theo Zwanziger und des damaligen Generalsekretärs Horst R. Schmidt.

Noch gibt es Rückendeckung

Das Fußball-Fest von vor neun Jahren bekommt damit immer tiefere Kratzer, die auf den Bildern von damals um die Wette strahlende Führungscrew des Organisationskomitees mit Franz Beckenbauer an der Spitze gerät in größte Bedrängnis. Der Kaiser blieb von den Untersuchungen am Dienstag wohl nur deshalb verschont, weil er seinen Wohnsitz in Österreich hat und für die Ermittler damit nicht so einfach greifbar war wie Niersbach, Zwanziger und Schmidt.

Vor allem Niersbach gerät damit nach einer knappen Woche Ruhe wieder gewaltig unter Druck. Der 64-Jährige ist seit der offiziellen Razzia vom Dienstag als DFB-Präsident wohl nur noch schwer zu halten. Es sind schon Sportfunktionäre, Politiker und Wirtschaftsbosse wegen sehr viel weniger zurückgetreten.

Nach außen hin demonstrierte der DFB zuletzt dennoch Geschlossenheit und stärkte seinem arg in die Bedrängnis geratenen Präsidenten den Rücken. Doch hinter den Kulissen sollen nach Berichten des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ und des „Kicker“ schon vor der Razzia am Dienstag bereits die Beratungen über einen Nachfolger begonnen haben.

Wer kommt als möglicher Nachfolger infrage?

Rainer Koch: Der Vize-Präsident des DFB hat Ambitionen auf die Niersbach-Nachfolge - und als Chef des Süddeutschen Fußball-Verbandes eine starke Hausmacht im Rücken. Kandidat der Amateurbasis.

Reinhard Rauball: Der Ligapräsident und Chef von Borussia Dortmund genießt einen exzellenten Ruf und ist vom Führungsstil durch und durch präsidiabel. Steht aber kurz vor der DFB-Altersgrenze (70).

Reinhard Grindel: Der CDU-Bundestagsabgeordnete gehört seit zwei Jahren als Schatzmeister zum DFB-Führungszirkel. Als Nachfolger von Horst R. Schmidt hat er sich in der DFB-Zentrale schnell etabliert.

Helmut Sandrock: Der frühere Vorstandschef des MSV Duisburg rückte als Nachfolger von Niersbach auf den Posten des DFB-Generalsekretärs. Den Job verrichtet er eher im Hintergrund als im Scheinwerferlicht.

Niersbach äußerte sich am Dienstag nicht zu der neuesten Entwicklung in der Affäre um die WM 2006. Vom DFB gab es lediglich ein Statement, dass der Verband der Staatsanwaltschaft Frankfurt seine „vollumfängliche Unterstützung“ zusagt.