DFB

Das sind die offenen Fragen zur umstrittenen WM-Vergabe 2006

Wolfgang Niersbach (r.) mit  Museumsdirektor Manuel Neukirchner

Foto: UweSpeck / WITTERS

Wolfgang Niersbach (r.) mit Museumsdirektor Manuel Neukirchner

DFB-Boss Niersbach äußert sich erneut zu Korruptionsvorwürfen , Vorgänger Theo Zwanziger kündigt Darstellung seiner Erkenntnisse an.

Dortmund.  Wolfgang Niersbach hat die Korruptionsvorwürfe um die Vergabe der WM 2006 am Montag erneut vehement zurückgewiesen. "Das Sommermärchen ist nicht zerstört, es hat keine schwarzen Kassen gegeben, es hat keinen Stimmenkauf gegeben", sagte der DFB-Präsident anlässlich der Eröffnung des Fußballmuseums in Dortmund. Die Behauptungen des "Spiegels" werde man widerlegen.

Wie geht es weiter? Strafrechtliche Konsequenzen drohen. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main hat angesichts der Vorwürfe einen sogenannten "Beobachtungsvorgang" angelegt. Damit wird geprüft, ob ein Anfangsverdacht für die Aufnahme von Ermittlungen bestehe. Es könne um "Korruption, Betrug und Untreue" gehen. Der DFB hat schon eine externe Wirtschaftskanzlei beauftragt.

Wie verhält sich der DFB? Er zeigt Zähne. Der DFB-Rechtsvertreter Christian Schertz droht dem "Spiegel" mit Schadenersatzforderungen. Er werde Unterlassung und Gegendarstellung fordern, sagte der Anwalt in der Sendung "Sky90". Sollte ein wirtschaftlicher Schaden entstehen, werde man den Spiegel-Verlag haftbar machen.

Gibt es neue Entwicklungen? Womöglich. Eine ominöse Zahlung des ehemaligen Adidas-Chefs Robert Louis-Dreyfus an das Umfeld des DFB ist angeblich erst zwei Jahre nach der Vergabe der WM 2006 an Deutschland geflossen. Den Termin 2002 nannte die "Bild" am Montag und berichtete, das Geld solle ihren Informationen zufolge "nichts mit der WM-Vergabe zu tun gehabt haben". Damit widerspricht die Zeitung der "Spiegel"-Recherche.

Wie lautet der Hauptvorwurf? Laut "Spiegel" soll es im Zuge der WM-Vergabe an Deutschland Bestechungszahlungen gegeben haben. Das Bewerbungskomitee soll eine schwarze Kasse eingerichtet haben, die der damalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus mit 10,3 Millionen Schweizer Franken – damals 13 Millionen Mark – gefüllt haben soll. Mit dem Geld seien Stimmen für die Abstimmung der Vergabe gesichert worden, so der Vorwurf.

Wie ist die Beweislage? Noch relativ dünn. "Der Spiegel" stützt sich auf zwei Indizien: Günter Netzer soll gesagt haben, mit dem Geld "haben wir die vier Asiaten bezahlt". Netzer bestritt dies mehrfach. Zudem soll dem "Spiegel" ein Geheimpapier zu der angeblichen Rückzahlung der 6,7 Millionen Euro auf ein Fifa-Konto vorliegen, auf dem es den handschriftlichen Vermerk – von Niersbach – "RLD" (für Robert Louis-Dreyfus) gebe. "Spiegel"-Autor Jens Weinreich räumte ein, die Handschrift sei nicht überprüft worden.

Wie hoch ist der Druck auf den DFB? Weiter hoch. Der Verband muss glaubhaft erklären, was mit den 6,7 Millionen Euro passierte. Der Verband gab bereits zu, dass eine Summe in der Höhe, die für das Fifa-Kulturprogramm vorgesehen war, möglicherweise nicht dem angegebenen Zweck entsprechend verwendet worden sei. Nach dem Willen der Grünen soll sich Niersbach bald im Sportausschuss des Bundestages zu den Vorwürfen äußern. Man werde einen Antrag stellen und Niersbach "als Sachverständigen laden", sagte der sportpolitische Sprecher Özcan Mutlu der "Rheinischen Post".

Wer wusste Bescheid? Franz Beckenbauer als Chef des Organisationskomitees sowie Niersbach als Vizepräsident waren angeblich involviert. Auch Horst R. Schmidt als Vizepräsident des OK und Theo Zwanziger, der ab 2003 Vize im OK war, hatten Einblicke. Zwanziger wehrte sich jetzt gegen Vorwürfe, er habe Unterlagen an den "Spiegel" weitergegeben, und kündigte an, nach seiner Rückkehr aus dem Urlaub "alle ihm vorliegenden Erkenntnisse" darstellen zu wollen. Im Aufsichtsrat des Gremiums saßen unter anderen der heutige IOC-Präsident Thomas Bach, der ehemalige Innenminister Otto Schily und der heutige Finanzminister Wolfgang Schäuble.

Handelt die Fifa? Schily sieht in der Debatte um die versickerten 6,7 Millionen Euro den Weltverband und nicht den DFB in Erklärungszwang: "Die Frage betrifft eigentlich die Fifa", so Schily, der eine verschleierte Rückzahlung der Dreyfus-Millionen über die Fifa praktisch ausschloss: "Es gab einen Schatzmeister und dann auch Vizepräsidenten des Organisationskomitees, Herrn Dr. Zwanziger, der hat alle Zahlungen höchst penibel geprüft. Das musste ja auch so sein, denn der DFB ist eine gemeinnützige Organisation. Da wird alles rauf und runter geprüft."

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