EM-Qualifikation

Pleite in Dublin: Der Fußball-Weltmeister muss nachsitzen

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Kai Schiller
Irlands Shane Long sorgte mit seinem Tor zum 1:0 für ausgelassene Stimmungim Aviva Stadium von Dublin

Irlands Shane Long sorgte mit seinem Tor zum 1:0 für ausgelassene Stimmungim Aviva Stadium von Dublin

Foto: Phil Noble / REUTERS

Nach der 0:1-Pleite in Irland benötigt die deutsche Nationalmannschaft gegen Georgien noch einen Punkt für die EM.

Dublin.  Als der spanische Unparteiische Roberto Velasco Carballo mit den nahezu ausschließlich in Grün gekleideten Zuschauern nach 93 Minuten ein Einsehen hatte und abpfiff, war der Wahnsinn im Aviva Stadium endgültig nicht mehr zu stoppen. Soeben hatte sich die irische Nationalmannschaft einen historischen 1:0-Sieg gegen den Weltmeister erkämpft, erstmals ein Pflichtspiel gegen Deutschland gewonnen und sich alle Möglichkeit für eine direkte EM-Qualifikation offen gelassen. Und die deutsche Elf? Die ist nach Schottlands 2:2 in Polen zwar noch immer Tabellenführer, benötigt aber am Sonntag (20.45 Uhr, RTL) in Leipzig gegen Georgien noch einen Punkt.

Dass nicht immer alles so läuft wie man es erwartet, merkten die mehr als 3000 mitgereisten Deutschland-Anhänger bereits vor dem Anpfiff: Bastian Schweinsteiger, der fest für die Startelf eingeplant war, musste wegen einer Adduktorenverletzung passen. Für ihn durfte Marco Reus auflaufen, der das Dortmunder Quartett mit Ilkay Gündogan, Mats Hummels und auch Matthias Ginter komplettierte.

Aus wenig Glück wurde richtig Pech

Und tatsächlich waren es die noch vor vier Tagen mit 1:5 verkloppten Borussen, die von Anfang an die Akzente setzen. So dauerte es nicht mal 23 Sekunden, ehe Reus den ersten gefährlichen Pass auf Bayerns Thomas Müller spielte. Sieben Minuten später wurde Reus’ erster Schussversuch gerade noch zur Ecke geklärt, ehe der bei den letzten Länderspielen verletzte Dortmunder für seinen Vereinskollegen Gündogan durchließ. Doch auch dessen Schuss wurde geblockt (13.).

Aus wenig Glück wurde bald richtig Pech. So musste der Ex-Dortmunder Mario Götze, der zuletzt noch als doppelter Torschütze gegen Polen brillieren konnte, nach einem unglücklichen Grätschschritt gegen André Schürrle ausgetauscht werden. Die erste Diagnose: Adduktorenverletzung.

Dem Spielfluss taten sowohl die zahlreich ausgelassenen Chancen als auch die Götze-Auswechslung nicht gut. Endgültig vorbei war es mit dem anfänglich so hübsch anzuschauenden Offensivfußball, als das Spiel kurz darauf erneut für mehrere Minuten unterbrochen werden musste. Torhüter Shay Given musste nach einem misslungenen Abschlag und plötzlichen Knieschmerzen gegen Ersatzmann Darren Randolph ausgetauscht werden (44.).

Nach 48 Minuten, 7:1 Torchancen, einem Abseitstor (Özil), einem Fast-Strafstoß (Hummels) und einem gefühlten Ballbesitz Deutschlands von 110 Prozent war dann zunächst mal: Halbzeit. In dieser wurde überdeutlich, dass eine ziemlich lautstarke Mehrheit mit diesem hart erkämpften 0:0 ziemlich gut leben könnte. „Come on, you boys in green!“, sangen die Iren enthusiastisch.

Long macht Tor wenige Sekunden nach Einwechslung

Das erste Ausrufezeichen der zweiten Halbzeit setzte zunächst allerdings erneut der Weltmeister. Einen millimetergenauer Abschlag von Torhüter-Libero Manuel Neuer nutzte Reus zu einem ähnlich millimetergenauen Pass auf Schürrle. Doch der eingewechselte Wolfsburger blieb sich seinem aktuellen Formtief treu und vergab die beste Tormöglichkeit spektakulär (55.).

Als die tapferen Iren nach gut einer Stunde noch immer kein Tor kassiert hatten, machten sie das, was bis dahin kaum einer der 50.604 Zuschauer für möglich gehalten hatte: Sie spielten nach vorne. Daryl Murphys erster Schussversuch landete allerdings zunächst ein paar Meter neben Manuel Neuers Tor (64.). Besser machte es dagegen der wenige Sekunden zuvor eingewechselte Shane Long, der schneller als Jonas Hector und Hummels reagierte und einen weiten Torwartabschlag ziemlich humorlos zum lautstark umjubelten Führungstreffer unter die Latte drosch. 1:0 nach 70 Minuten – von nun an war Ausnahmezustand im Aviva Stadium.

Dieser hielt auch bis zum Schlusspfiff, weil Müller eine klare Torchance entgegen seiner sonstigen Gepflogenheiten leichtfertig vergab (78.). Der Wahnsinn in Grün, der sollte jetzt allerdings erst so richtig beginnen.

Irland: Given (44. Randolph) – Christie, Keogh, O’Shea, Ward (69. Meyler) – McCarthy – Hendrick, Brady – Hoolahan – Walters, Murphy (65. Long). Deutschland: Neuer – Ginter, Boateng, Hummels, Hector – Gündogan (84. Volland), Kroos – Özil, Müller, Reus – Götze (35. Schürrle). Tor: Long (70.). Schiedsrichter: Carlos Velasco Carballo (Spanien). Zuschauer: 50.604 (ausverkauft). Gelb: Hoolahan / Hummels.

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