Hamburg

Hafenrichter will seine Angst vor Schiffen loswerden

Neuzugang des Eishockeyclubs Hamburg Freezers überzeugt bislang in der Vorbereitung

Hamburg. Wer Jaroslav Hafenrichter ohne seine Arbeitskleidung sieht, der ist überrascht. Mit der schwarzen Hornbrille im schmalen Gesicht und dem eher biederen Modegeschmack wirkt der Neuzugang der Hamburg Freezers wie ein Informatikstudent. Ihn ob seiner äußeren Erscheinung jedoch als Eishockeyprofi nicht ernst zu nehmen, wäre eine grobe Missachtung seiner Fähigkeiten. Freezers-Cheftrainer Serge Aubin hat in dem 25 Jahre alten Angreifer immerhin den Gewinner der bisherigen Vorbereitung auf die Saison 2015/16 erkannt, die am 11. September mit einem Heimspiel gegen Ingolstadt beginnt.

„Hafi ist eine tolle Ergänzung für unseren Kader. Er bringt eine enorme Geschwindigkeit und einen guten Torriecher mit, vor allem aber ist er ein absoluter Teamplayer mit einer fantastischen Arbeitseinstellung“, lobt Aubin, der Hafenrichter im Testspiel am Freitagabend beim Zweitligisten Eislöwen Dresden wie gewohnt in der vierten Reihe einsetzte. Hamburg siegte nach Toren von Phil Dupuis, Michael Davies (beide 2) und Christoph Schubert mit 5:0, verlor allerdings Rückkehrer David Wolf, der Dresdens Kapitän Marcel Rodman ins Krankenhaus checkte und dafür eine Spieldauerstrafe kassierte.

Natürlich kann der im tschechischen Chomutov geborene Hafenrichter, der in den vergangenen zwei Spielzeiten für den Zweitligisten Bremerhaven immerhin 43-mal traf, aus dem Trainerlob keine Einsatzgarantie für die Liga herauslesen. Aubin ist allerdings überzeugt davon, dass der Mann mit der Rückennummer 70 – die Sieben ist seine Glückszahl – auch in der DEL seine Rolle spielen wird. Hafenrichter, der den ungewöhnlichen Nachnamen und den deutschen Pass seinem im früheren Sudetenland als Bäcker beschäftigten Großvater verdankt, freut sich über die Aussagen des Trainers. Schon jetzt habe sich der Wechsel nach Hamburg gelohnt, und das nicht nur, weil er hier hochklassige Sushi-Restaurants gefunden hat, die es in Bremerhaven nicht gebe. „Die Mannschaft ist unglaublich, alle Spieler helfen mir sehr, aber besonders Adam Mitchell“, sagt er. Letzterer sei als Reihenpartner mit seiner Erfahrung eine enorme Stütze.

Sich nur sportlich zu verbessern, das reicht dem Fußballfan, der seit seiner Zeit auf dem Eishockeyinternat mit Slavia Prag verbunden ist, nicht. Da sein Sohn Jari, 3, in diesem Sommer in den Kindergarten kommt, will der junge Vater rasch Deutschunterricht nehmen, „damit der Kleine nicht bald besser Deutsch kann als ich“. Und er möchte seine Seekrankheit bekämpfen, die ihn schon beim Anblick von Schiffen befällt. Auch wenn Scherze mit Namen verpönt sind: Wer ein echter Hafenrichter sein will, der muss in Hamburg ja wohl wenigstens eine Hafenrundfahrt überstehen...

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