Hamburg/Svedala

Schnuppergolf mit den Großen

Für den Hamburger Jungprofi Benedict Staben geht mit dem ersten Start auf der European Tour ein Kindheitstraum in Erfüllung

Hamburg/Svedala.  Wenn Benedict Staben an diesem Donnerstagmorgen um 8.50 Uhr auf der ersten Spielbahn des PGA Sweden National Golfklubb abschlägt, dann wird er schon seit drei Stunden auf den Beinen sein. Wird sich zunächst im Fitnessstudio aufgewärmt und anschließend gefrühstückt haben; wird dann vom Hotel in Malmö angereist sein, eine halbe Stunde Fahrtzeit; wird zuerst Putts geübt haben, um ein Gefühl für die Beschaffenheit der Grüns zu bekommen, später auch Annäherungs- und Bunkerschläge; wird sich an der Driving-Range in Schwung gebracht und sich schließlich noch einmal seines kurzen Spiels vergewissert haben. Es ist sein tägliches Ritual, seit er 2013 Profi wurde.

Und doch ist diesmal alles anders – viel annehmlicher, als es Staben von der drittklassigen Pro Golf Tour gewohnt ist. Es gibt einen Shuttle, der die Profis vom Hotel abholt. Es sind Bälle, Schläger, Schuhe da, so viele man braucht. „Alles ist perfekt organisiert“, sagt Staben, 25.

Die Nordea Masters sind seine Premiere auf der European Tour, der höchsten Profiserie auf dem Kontinent. Der Hamburger hat sich Ende Mai mit einer starken 67er-Runde qualifiziert und damit einen Traum wahr gemacht, der 2003 beim Turnier auf Gut Kaden begann. Da stand der damals 13-jährige Junge vom Hamburger GLC Hittfeld mit großen Augen hinter den Absperrbändern und dachte: Da will ich auch mal mitspielen, mit Stars wie Tiger Woods und Miguel Jiménez, einem Freund der Familie.

Jetzt darf er also wirklich reinschnuppern bei den Großen. Am Dienstag hat er eine Proberunde mit dem Spanier Jiménez, 51, gedreht. „Ein toller Moment“ sei das gewesen. Es hat Staben bewusst gemacht, dass er sich selbst vor einem 26-maligen Turniersieger nicht zu verstecken braucht. Das habe ihm auch Fanny Sunesson bestätigt, die als Caddie mit Nick Faldo vier Major-Turniere gewinnen konnte und Staben über den Kurs begleitete: „Sie hat mir geholfen, den Platz besser zu verstehen, und hat mein Spiel gelobt.“

Seit vergangenem Jahr arbeitet Staben mit dem früheren Hamburger Landestrainer Dominik Müller zusammen, der inzwischen den Nachwuchs beim GC St. Leon-Rot betreut. Müller, 33, analysiere sein Spiel, aber er lasse ihn es selbst entwickeln. Als er dann im Januar in Ägypten in die Saison gestartet ist, nach zwei Monaten Wintertraining in Spanien, „da habe ich gemerkt, dass ich verdammt gut geworden bin.“ Erst gab es einen sechsten Platz, dann sogar einen zweiten.

So konnte es nicht weitergehen, nicht in diesem komplexen Sport. Aber Staben meint nicht nur sein Spiel verbessert zu haben. Er habe auch gelernt, nicht in düstere Gedanken zu verfallen, wenn der Erfolg ausbleibt. Was auch ein Verdienst des Münchner Mentaltrainers Herbert Forster sei. „Ich musste lernen, mich auf dem Platz mit den wesentlichen Dingen zu beschäftigen und positiv zu denken“, sagt Staben. Inzwischen passiere es ihm nicht mehr, dass er nach Hause komme und sich frage, ob das alles noch Sinn habe.

Er ist ja auch seinem Ziel, einer Jahreskarte für die European Tour, erheblich näher gekommen. In der Rangliste der Pro Golf Tour ist er 15., nur die besten fünf steigen auf. Ein Top-Ten-Ergebnis in Schweden aber würde ihm einen weiteren Start in der ersten Liga ermöglichen, wohl auch einen Ende Juni bei den BMW International Open, dem einzig verbliebenen deutschen Topturnier. Im besten Fall könnte er sich sogar den Umweg über die Challenge Tour sparen, die zweite Liga, die viel Geld kostet, aber wenig einbringt. Es reiche finanziell so schon „hinten und vorne nicht“, die Kosten zu decken.

Bei den Nordea Masters stehen 1,5 Millionen Euro Preisgeld auf dem Spiel. Staben streitet sich mit 155 der weltbesten Profis darum. Aber er hat festgestellt, dass auch ihre Schläge nicht immer so gelingen, wie es die Zusammenschnitte im Fernsehen glauben lassen. Irgendwann will er einer von ihnen sein. „Die Leistungsdichte wird immer größer“, sagt Staben, „aber ich bin sicher, dass ich es schaffe.“