French Open

Triumphzug für deutsche Damen, Fiasko für die Herren

Görges schlägt Nr. 5 der Welt, Petkovic trotzt Handicap. Witthöft tapfer gegen Errani, Becker gibt auf. Kohlschreiber vergibt Führung.

Paris/Hamburg. Nach den Erfolgen von Angelique Kerber, Sabine Lisicki und Youngster Annika Beck in die dritte Runde der French Open gefolgt. Die Weltranglistenelfte aus Kiel bezwang die Australierin Ajla Tomljanovic 6:3, 6:2. haben am Donnerstag vier weitere deutsche Spielerinnen die Chance, die dritte Runde der French Open zu erreichen.

Bei den Herren gewann am Mittwoch Benjamin Becker überraschend gegen den Spanier Fernando Verdasco mit 6:4, 0:6, 1:6, 7:5 und 10:8. Das Spiel von Philipp Kohlschreiber gegen den Spanier Pablo Andujar wurde beim Stand von 4:2 im fünften Satz wegen Dunkelheit abgebrochen und soll heute nachgeholt werden.

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Friedsam muss sich Williams beugen

16.05 Uhr: Tennis-Nobody Anna-Lena Friedsam hat die Sensation gegen Superstar Serena Williams nur knapp verpasst. Die 21-Jährige aus Neuwied unterlag der 19-maligen Grand-Slam-Siegerin aus den USA nach 1:57 Stunden 7:5, 3:6, 3:6. Bis Mitte des zweiten Satzes lag Friedsam auf Kurs, erst dann steigerte sich Williams und zog in die dritte Runde ein.

Friedsam hatte erst am Dienstag ihr erstes Match bei einem der vier Grand-Slam-Turniere gewonnen und die Begegnung mit Williams anschließend als "Traum" bezeichnet. Gegen die Weltranglistenerste begann sie auf dem Court Suzanne Lenglen, dem zweitgrößten Platz der Anlage, keineswegs nervös und setzte die fehlerhaft agierende Williams unter Druck.

"Sie hat sich unheimlich teuer verkauft", sagte Bundestrainerin Barbara Rittner, "diese Erfahrung ist unbezahlbar für ihre weitere Entwicklung". Friedsam hatte nach dem Satzgewinn auch in den Durchgängen zwei und drei ihre Chancen. Im zweiten Satz vergab sie Spielbälle zum 4:4, im entscheidenden Satz ließ sie sich lange nicht abschütteln. Ganz zum Ärger der Top-Favoritin, die ihren Frust immer wieder hinausschrie.

Nach Friedsams Aus stehen fünf deutsche Spielerinnen in der dritten Runde der French Open. Das hat es seit 21 Jahren nicht mehr gegeben. "Eine unglaublich tolle Leistung, die unterstreicht, wie gut diese zwei Generationen spielen können", sagte Rittner: "Und wenn man sich die Auslosung anschaut, kann es für einige auch weiter gehen."

Petkovic mit flottem Spruch über Lisicki

15.30 Uhr: Ihr Spiel war wegen Oberschenkelproblemen am Ende ein wenig lahm, Andrea Petkovics Sprüche bleiben dagegen äußerst flott. „Ich werde keinen Schritt machen. Wenn ihr Sabine laufen sehen wollt, dann kommt auf Platz acht", sagte die Darmstädterin über das Doppel mit Sabine Lisicki, das sie nach ihrem Arbeitssieg im Einzel in Paris noch bestreiten wollte.

Kohlschreiber patzt nach Unterbrechung

13.57 Uhr: Philipp Kohlschreiber ist die Unterbrechung nicht bekommen: Der deutsche Davis-Cup-Spieler hat die Fortsetzung seines Zweitrundenmatches gegen Pablo Andujar verloren. Der an Position 22 gesetzte Augsburger vergab gegen den Spanier einen 4:2-Vorsprung im entscheidenden fünften Satz, bei diesem Stand war die Partie am Mittwochabend wegen Dunkelheit unterbrochen worden.

Kohlschreiber gab nach der Wiederaufnahme am Donnerstagmittag vier Spiele in Folge ab und verlor letztlich das Match nach insgesamt 3:31 Stunden Spielzeit 1:6, 6:7 (5:7), 6:3, 6:3, und 4:6.

Damit ist kein deutscher Tennisprofi mehr im Herreneinzel von Roland Garros vertreten. Benjamin Becker sagte sein Drittrundenmatch gegen den Japaner Kei Nishikori wegen einer Muskelverletzung an der rechten Schulter ab (siehe Meldung von 13.29 Uhr).

Auch Petkovic zieht trotz Handicaps weiter

13.41 Uhr: Der Triumphzug der Damen hält an: Andrea Petkovic hat als fünfte deutsche Tennisspielerin die dritte Runde erreicht. Die deutsche Nummer eins rang trotz starker Probleme am verletzten rechten Oberschenkel die Spanierin Lourdes Dominguez Lino mit 4:6, 6:4, 6:4 nieder. Nach 2:20 Stunden verwandelte Petkovic ihren zweiten Matchball. Im Kampf um den Einzug ins Achtelfinale trifft die 27-Jährige auf Witthöft-Bezwingerin Errani.

Petkovic gewann damit auch das dritte Aufeinandertreffen mit der 34 Jahre alten Dominguez Lino. Dabei sah es lange nicht nach einem Erfolg aus: Nach dem Verlust des ersten Satzes ließ sie den Frust an ihrem Schläger aus und kassierte dafür eine Verwarnung. Zu Beginn des zweiten Durchgangs ließ sie die Physiotherapeutin kommen und sich einen Druckverband am lädierten Oberschenkel anlegen.

Benjamin Becker sagt verletzt ab

13.29 Uhr: Routinier Benjamin Becker tritt nicht zu seinem Drittrundenmatch an. Einen Tag vor der Partie gegen den an Position fünf gesetzten Japaner Kei Nishikori sagte Becker seinen Start ab, bereits bei seinen Fünfsatzsiegen in den Runden zuvor hatten den 33-Jährigen aus Orscholz Probleme an der rechten Schulter geplagt.

Becker hatte bis zu diesem Jahr noch nicht ein Match im Stade Roland Garros gewonnen. Überhaupt stand der Wahlamerikaner erst zum dritten Mal in seiner Karriere unter den besten 32 Spielern bei einem Grand Slam. In diesem Jahr warf er den belgischen Qualifikanten Ruben Bemelmans und überraschend den an Position 32 gesetzten Spanier Fernando Verdasco aus dem Turnier.

Nishikori drückte sein Bedauern via Twitter aus: "Es tut mir leid von Benjamins Verletzung zu hören. Ich hoffe, er erholt sich schnell."

Witthöft hielt lange gut mit

13.26 Uhr: Witthöft hielt bei der Niederlage gegen Errani übrigens gut mit, in den entscheidenden Momenten konnte die deutsche Tennis-Nachwuchshoffnung ihre Chancen aber nicht nutzen. Nach 1:54 Stunden verwandelte Errani, French-Open-Finalistin von 2012, ihren ersten Matchball.

Erstmals seit 21 Jahren vier deutsche Damen in Runde drei

13.24 Uhr: Nach der großen Überraschung gegen Wozniacki ist Görges also die vierte deutsche Dame in der Runde der besten 32. Bei einem Sieg am Sonnabend gegen Irina Falconi aus den USA stünde die Weltranglisten-72. Görges beim Sandplatz-Höhepunkt erstmals in ihrer Karriere im Achtelfinale.

"Eine Spielerin wie Caroline bei einem Grand Slam zu schlagen, ist etwas ganz Besonderes", sagte Görges nach dem Match auf dem Court Philippe Chatrier, dem größten Platz der Anlage am Bois de Boulogne: "Dieser Sieg heute bedeutet mir sehr viel."

Görges (26) gelang im achten Duell mit der zwei Jahre jüngeren Wozniacki ihr vierter Sieg, bereits bei ihrem bislang größten Titelgewinn, 2011 in Stuttgart, bezwang sie die ehemalige Weltranglistenerste. Wozniacki ist nach Simona Halep (Rumänien/Nr. 3) und Eugenie Bouchard (Kanada/Nr. 6) die dritte Top-10-Spielerin, die frühzeitig aus dem Turnier flog.

Vier deutsche Tennis-Damen in der dritten Runde von Paris gab es zum letzten Mal vor 21 Jahren, damals unter anderem mit Steffi Graf, Anke Huber und der heutigen Bundestrainerin Barbara Rittner.

Görges weiter, Witthöft gescheitert

13.15 Uhr: Großer Erfolg für Julia Görges: Die 26-jährige Bad Oldesloerin hat in der zweiten Runde Caroline Wozniacki aus dem Turnier geworfen. Görges ließ der dänischen Weltranglistenfünften beim 6:4, 7:6 (7:4) keine Chance. Damit trifft Görges in Runde drei auf Irina Falconi (USA).

Ausgeschieden ist dagegen Carina Witthöft. Die 20 Jahre alte Hamburger Tennis-Hoffnung unterlag der favorisierten Italienerin Sara Errani (Nr. 17) mit 6:3, 4:6, 6:2. (HA/sid)