Hamburg

„Wir haben noch nichts erreicht“

HSV-Sportchef Peter Knäbel spricht über seine Leiden im Bundesliga-Abstiegskampf

Hamburg. In seiner ersten Saison als HSV-Sportchef erlebt Peter Knäbel, 48, alle emotionalen Höhen und Tiefen.

Hamburger Abendblatt: Darf man Sie zur Relegation beglückwünschen?

Peter Knäbel: Auf jeden Fall. Wenn einer mal 70 Jahre alt ist, im Schaukelstuhl sitzt und es ihm gerade nicht gut geht, dann wird er diesen Tag hervorkramen. Wir sind in erster Linie dankbar und froh. Schon das Fanspalier für den Bus war großartig, das Bekenntnis der Hamburger ist phänomenal. Damit müssen wir auch sehr vorsichtig und wertschätzend umgehen. Was wir uns erarbeitet haben, ist eine Extrarunde, die sicher kein Selbstläufer sein wird.

Wie schwer war das Zuschauen für Sie?

Knäbel: Gut 60 Minuten war ich zu 100 Prozent bei unserem Spiel. Wenn man die Bilder auf den anderen Plätzen nicht sieht, leidet man nicht so mit. Am schlimmsten war es am Schluss, als wir mitbekamen, dass es nur noch 2:1 in Hannover steht, noch zwei Minuten zu spielen sind und man das Schicksal nicht mehr in den eigenen Händen hält.

Was man in Stuttgart verspielt hatte.

Knäbel: Die selbstbestimmte Rettung aus der Hand gegeben zu haben hat uns unglaublich getroffen, ein extrem unangenehmes Gefühl. Jetzt haben wir es uns wiedergeholt, mehr noch nicht. Erreicht haben wir noch gar nichts.

Ausgerechnet Ivica Olic brachte den HSV auf die Siegerstraße:

Knäbel: Das ist genau das, wovon er geträumt hat. Ivica hatte es nicht so einfach nach seiner Rückkehr. Aber er hat sich dieses Erfolgserlebnis auf seine unnachahmliche Art erarbeitet. Dieses Rackern, das ist der Grund, warum wir überzeugt waren, dass er trotz seines Alters noch eine positive Wirkung auf das Team haben kann. Ich hoffe, er kann die Anstrengung des Spiels schnell aus den Kleidern schütteln und die positiven Emotionen konservieren.

Wie hat es die Mannschaft geschafft, trotz des Drucks Leistung zu bringen?

Knäbel: Die erste Halbzeit war ehrlich gesagt nicht wirklich die feinste Fußballkost. Wir haben versucht, unsere Struktur zu finden, kamen kaum einmal zu Torchancen. In der Pause hat der Trainer die Mannschaft beschworen, bei dem vereinbarten Plan zu bleiben, und sie bestärkt, nicht nervös zu werden, weiter zu bohren. Das war am Ende ein Sieg des Fleißes, der Geduld gegen Schalke 04.

Stichwort Labbadia. Wie haben Sie ihn in den vergangenen Tagen erlebt?

Knäbel: Ich rede lieber vom Trainerteam, dazu gehört auch Eddy Sözer. Sie machen sich viele Gedanken, lassen sich nicht ablenken. Sehr fokussiert fleißig und geschlossen ist dieses Trainerteam, mit Bruno an der Spitze.

Der Geist von Malente sollte vor Schalke helfen – und auch jetzt.

Knäbel: Malente war für uns ein wichtiger Baustein und hat geholfen, das Spielverständnis zu verbessern, gerade bei einem Marcelo Diaz, der quasi einen Kaltstart hinlegen musste. Mein Eindruck war aber auch, dass wir durch viele Gespräche privat näher zusammengerückt sind. (lx/ks)