Céline Wilde ist gern eine von vielen

Hockeyspielerin will mit den UHC-Damen den Meistertitel verteidigen – und zurück ins Nationalteam

Hamburg. Das Schöne am Sport ist ja, dass er Überraschungen bietet. Dass man mit einer gewissen Erwartung in ein Spiel gehen kann, und plötzlich ist alles ganz anders. So ging es am vergangenen Sonnabend auch Céline Wilde, als sie mit den Bundesliga-Hockeydamen des Uhlenhorster HC zum Viertelfinale um die deutsche Hallenmeisterschaft gegen den Münchner SC antreten durfte. „Alle hatten gedacht, dass das ein sehr enges Spiel werden würde. Und dann gewinnen wir 9:2. Damit hätte ich wirklich nie gerechnet“, sagt die 24-Jährige.

Als Titelverteidiger gehörten die „Uhlen“ natürlich schon vor der Hallensaison zu den Meisterkandidaten, aber wer die Hauptrunde als unbesiegter Nordchampion abschließt und sein Viertelfinale derart souverän gewinnt, der kann sich nicht dagegen wehren, die Favoritenrolle aufgebürdet zu bekommen. Auch wenn der Düsseldorfer HC, an diesem Sonnabend Gegner im Halbfinale der Endrunde in Berlin, sein Viertelfinale gegen Leipzig sogar 9:1 gewann, wäre alles andere als die erfolgreiche Titelverteidigung eine Enttäuschung. Daraus entsteht Druck, der in der vergangenen Saison nicht da war, weil der UHC erst am letzten Spieltag ins Viertelfinale rutschte und dann bis zum Titel durchmarschierte. „Da haben wir uns in einen Rausch gespielt“, sagt Céline Wilde, „in diesem Jahr haben wir von Beginn an eine Spielfreude entwickelt, die mich überrascht hat.“

Dabei kann gerade sie einschätzen, wie stark die UHC-Damen sind, immerhin war genau diese Qualität im Kader des Teams von Cheftrainer Claas Henkel der Hauptgrund dafür, dass sie im Sommer 2013 ihren Heimatverein Klipper THC verlassen hatte. Ständig auf hohem Niveau gefordert zu werden, in jedem Training, das war Céline Wildes Wunsch gewesen, um den nächsten Schritt in ihrer Entwicklung zu gehen. Bei Klipper war das Spiel auf sie ausgerichtet, die technisch versierte Allrounderin holte sich oft den Ball in der Abwehr, eilte durchs Mittelfeld und schloss vorn den Angriff selber ab.

Beim UHC ist sie eine von vielen, die exponierte Stellung hat sie aber gern eingetauscht gegen die Möglichkeit, um Titel zu spielen. „Ich habe das auch nie so empfunden, dass ich bei Klipper so herausragend war“, sagt sie. Wichtig ist ihr, dass ihre Leistung anerkannt wird, und das war gerade in den vergangenen Wochen der Fall. Weil sie in ihrer neuen Rolle als Abwehrspielerin mit Übersicht und Spielwitz glänzt, zudem auch als Eckenschützin gefürchtet ist, wurde sie von Bundestrainer Jamilon Mülders für die Hallen-WM nominiert, die in der kommenden Woche in Leipzig ansteht. Für die Tochter einer Französin und eines Deutschen ist es nicht nur das erste internationale Hallenturnier, sondern auch die erste Berufung in die deutsche Auswahl seit Olympia 2012.

Nach den Spielen von London hatte Wilde, die damals noch als Stürmerin agierte, eine Nationalmannschaftspause eingelegt, um ihr Jurastudium voranzutreiben, das sie in diesem Sommer mit dem ersten Staatsexamen abzuschließen hofft. Als nun die Anfrage für Leipzig kam, waren Freude und Lust gleichermaßen groß. „Ich spiele sehr gern in der Halle, und eine Heim-WM ist immer etwas Besonderes“, sagt sie, „trotzdem sehe ich das nicht als ein Comeback, dafür sind Halle und Feld im Hockey einfach zu unterschiedlich.“

Dennoch weiß Céline Wilde, dass sie mit starken Auftritten in Berlin und Leipzig nachhaltig für sich werben kann, was wichtig wäre im Hinblick auf ihren Traum: Die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro hat sie noch nicht abgehakt. „Im Sommer werde ich mit dem Bundestrainer sprechen, dann schauen wir, wie meine Chancen sind“, sagt sie. Zwar sei ihre athletische Verfassung noch nicht auf Topniveau, aber ihre Vielseitigkeit könne sich als Vorteil herausstellen. Sollte sie das Ticket nach Brasilien lösen, wäre das jedenfalls keine Überraschung.

Das Programm der deutschen Hallenhockey-Meisterschaften in der Max-Schmeling-Halle in Berlin: Sonnabend: Halbfinale Damen: Uhlenhorster HC – Düsseldorfer HC (12 Uhr), Harvestehuder THC – Uhlenhorst Mülheim (14.15 Uhr). Herren: Harvestehuder THC – Mülheim (16.30 Uhr), Club an der Alster – Rot-Weiß Köln (18.45 Uhr). Sonntag: Finale Damen 11 Uhr, Finale Herren 14.30 Uhr. Alle Spiele live im Internet bei sportdeutschland.tv .