Spielmacher mit Streichholzbeinen

Bazoumana Koné will über die Hamburg Towers in die NBA. Trainer Attarbashi ist eine Vaterfigur. Sonntag Spiel gegen Baunach

Hamburg. Zwischen Bazoumana Koné, 20, und seinem besten Kumpel Dennis Schröder, 21, glühten in dieser Woche Facetime und WhatsApp. Schröders neue Karrierebestleistungen für die Atlanta Hawks in der nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA mussten ja bequatscht werden. „Als Zwölfjährige sind wir Freunde geworden, Dennis hat für die Niedersachsen-Auswahl gespielt und ich für Hamburg. Wir ticken total gleich, mit denselben Interessen und Zielen“, sagt Koné, der gebürtige Langenhorner, der in Alsterdorf aufwuchs und den alle nur „Bazou“ rufen. Wie der Braunschweiger Schröder will der Point Guard (Spielmacher)der Hamburg Towers „auf jeden Fall“ auch irgendwann einmal in die NBA; er trägt die Nummer 23 seines Idols Michael Jordan auf dem Trikot.

Aber ein Traum nach dem anderen: Vorerst fühlt sich sein Engagement bei den Towers manchmal noch unglaublich an: Berufsbasketballer in seiner Heimatstadt. Als Achtjähriger bei Alstertal-Langenhorn hatte er seine ersten Basketbälle gedribbelt und war dem heutigen „Türme“-Chefcoach Hamed Attarbashi zum ersten Mal begegnet.

Am Sonntag um 17 Uhr wird sich Koné wie ein Posterstar seines Kinderzimmers fühlen – wenn die Wilhelmsburger Inselparkhalle zum vierten Zweitliga-Heimspiel gegen ProA-Aufsteiger Baunach offiziell eröffnet wird, wenn er in die mit 3000 Fans wohl wieder ausverkauften Arena einläuft, bejubelt wird, und seine Mutter Mariam stolz auf der Tribüne sitzt. Die Franko-Ivorerin zog ihn alleine groß. Bei ihr wohnt er auch noch.

Ein anderer persönlich ganz wichtiger Mensch für ihn steht an der Seitenlinie: Trainer Attarbashi, 38. „Hamed ist eine Vaterfigur für mich, er passt ein bisschen auf mich auf und behandelt mich auch härter als die anderen.“ Unter seinem Mentor spielte er auch beim Bramfelder SV und bei den Eisbären Bremerhaven, wo er in der Vorsaison schon Erstliga-Minuten sammelte. Attarbashi baute dort das Jugendinternat auf, Koné meisterte in Bremerhaven seinen Realschulabschluss, Nachhilfe gab ihm Attarbashis Frau.

Der Coach sagt über den fast 21-Jährigen: „Ich habe ‚Bazou‘ reifen sehen vom Jugendlichen zu einem jungen Mann.“ Er erklärt auch, dass Koné das Towers-Projekt mit dem Slogan „More than Basketball“ quasi verkörpere. Spielerisch lobt er ihn als Allrounder, der „sehr, sehr gut verteidigt“ und „sehr schnell“ sei, mit seinen Beinen genauso wie mit seinen „langen Armen“. Mitspieler Will Barnes meinte mal: „Bazou ist für jeden Aufbauspieler eine Pest.“ Attarbashi hebt hervor, dass er Koné (27:36 Minuten/8,1 Punkte im Schnitt) schon viel Verantwortung übertrage. Zulegen müsse er noch bei der Muskelmasse, sagt er über den 1,90-Meter-Mann mit den Streichholzbeinen, dessen Gewicht oft mit 68 Kilogramm angegeben ist. „Das stimmt nicht mehr, jetzt wiege ich 78“, sagt Koné . Er selbst hadert mit seiner „überhaupt nicht guten“ Wurfquote von knapp 30 Prozent.

Charakterisieren würde sich Koné, der schüchtern erzählt, dass er noch keine Freundin hat, als „ehrgeizig, ruhig und verrückt“. Verrückt fänden andere seinen NBA-Traum. Ob er Dirk Nowitzki schon begegnet sei? „Zweimal“, sagt er lächelnd. „Ich habe mir Autogramme von ihm geholt.“

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