Kitesurfer verbringen Flautentage mit Kickern oder im Whirlpool

St. Peter-Ording . Mangels Wind haben die Kitesurf-Könige, die Freestyler, in dieser Weltcupwoche in St. Peter-Ording bisher nur geurlaubt. „Die sind mehr im Internet herumgesurft“, erklärt Veranstaltungssprecher Sven Kaatz. Der Kiter an sich kennt das, er chillt dann eben in der 300-Quadratmeter-Fahrer-Arena, wahlweise am Kickertisch, im Whirlpool oder mit einem guten Buch. Oder er kreiert spontan, wie die Hamburger Europameisterin Sabrina Lutz am Freitag, einen Stand-up-Paddling-Wettkampf „Schlag die Lutz“ . „Die Leute aus unserer Szene sind entspannt. Da trifft das typische Surferklischee zu“, sagt Linus Erdmann zu der Warterei. Der 17-Jährige ist das Freestyle-Wunderkind aus Altona.

Deutschlands einziger Kitesurf-Weltcup dauert ja auch nur deshalb zehn Tage, weil man stets Flautentage einplanen muss. Bis zum finalen Wochenende sind an „Europas größtem Strand“ (Eigenwerbung) nur die Kiter im Slalom zu offiziellen Wertungen geprescht. Das ist die Hochgeschwindigkeitsdisziplin, die bei den Zuschauern nur zweitbeliebteste, bei der mit Board und Drachen Tonnen und Bojen umfahren werden müssen. Und für die weniger Wind benötigt wird. Gute Siegchancen hat dabei die Kieler Titelverteidigerin Christine Bönniger, die als Zweite nur 0,3 Punkte Rückstand auf die Niederländerin Katja Roose hat. Womöglich ist das aber auch schon das Endergebnis, denn nun muss am Wochenende erst einmal der Freestyle-Wettbewerb durchs Programm geprügelt werden.

Zumindest ist der Wind auf den Punkt endlich da: Bis zu sieben Windstärken werden am Sonnabend (ab 9.30 Uhr) und Sonntag erwartet – perfekte Bedingungen für die tollkühnen Luftakrobaten. Es dürfte wieder rappelvoll werden auf dem 20.000 Quadratmeter großen Ordinger Eventgelände, diesem „geilen Strand“, wie Youngster Erdmann sagt. Die Veranstalter gehen davon aus, dass mit 200.000 Besuchern bei der neunten Auflage ein neuer Rekord aufgestellt wird. Auch, weil der Norden einen Traumsommer erlebt.

Der mit einer Wildcard ausgestattete Elftklässler Linus Erdmann will „ein paar Heats“ gewinnen, so nennt man die Durchgänge. „Und am liebsten in die Top Ten fliegen!“ In Richtung Top Five schielen der deutsche Abo-Meister Mario Rodwald aus Rendsburg und Sabrina Lutz aus Hamburg-Ohlstedt. Favoriten im Kampf um die 47.000 Euro Preisgeld sind der belgische Weltranglistenerste Christophe Tack und die katalanische Volksheldin Gisela Pulido. Am Freitagabend stimmten sich alle gemeinsam bei einem Beach-Konzert der Disco Boys auf den Showdown ein.