Der Traum von der großen Golf-Karriere

Die Hamburger Esther Henseleit und Christopher Carstensen wollen Profis werden.

Hamburg. Esther Henseleit lacht. Viel und gerne. Auch nach der Proberunde am Mittwoch auf dem Golfplatz in Falkenstein. Bei ihr läuft es einfach. Da kommt die gute Stimmung von ganz allein. „Ja, ich treffe den Ball ganz gut“, sagt die 15-Jährige vom Hamburger Golf Club, „wenn das am Wochenende auch so klappt, dann traue ich mir schon einen vorderen Platz zu.“

Die Gymnasiastin schlägt mit der deutschen Nationalmannschaft von Donnerstag bis Sonnabend beim European Young Masters ab, der inoffiziellen Europameisterschaft der unter 16-Jährigen. Sie wird mit dem Handicap plus 2,4 geführt, schlägt den Ball vom Abschlag aus 230 Meter weit und ist eines der größten deutschen Golftalente überhaupt. „Man weiß nicht, was kommt, erst einmal das Abitur machen“, sagt sie, „aber ich denke schon daran, später mal als Profi zu spielen.“

Das hat sie mit Christopher Carstensen gemeinsam. Der 21-Jährige aus Hummelsbüttel ist mit einem Handicap von plus 3,5 der nominal beste Hamburger bei den 77. Internationalen Amateurmeisterschaften von Deutschland, die von Donnerstag bis Sonntag im Golf-Club Hamburg Wendlohe ausgetragen werden. Es ist das zweite bedeutende Turnier in der Hansestadt an diesem Wochenende. 120 Spieler aus 13 Nationen sind dort am Start, alle Teilnehmer treten mit einem Plus-Handicap an. Das Turnier ist damit eine der wertvollsten Veranstaltungen für Golf-Amateure überhaupt. „Für mich ist das Turnier das Highlight des Jahres“, sagt Carstensen.

Er hatte das erste Mal mit fünf oder sechs Jahren einen Golfschläger in der Hand, sein Vater nahm ihn mit auf den Golfplatz Treudelberg. Bei Esther Henseleit war es die Mutter. 2008, da war sie neun. Das überragende Talent zeigte sich aber schnell. Seit ihrem zwölften Lebensjahr bestreitet sie regelmäßig Turniere, betreibt den Sport „professionell“ mit sechsmal Training die Woche und Turnieren am Wochenende. „Für ihr Alter ist Esther sehr weit, sehr reif, sie arbeitet hart und konzentriert und hat sich in den letzten zwei Jahren unglaublich entwickelt“, sagt Juniorinnen-Bundestrainer Sebastian Rühl, „aber das Wichtigste ist, dass sie immer Spaß beim Sport hat.“

Früher hat Esther auch ganz gut Tennis gespielt. Aber irgendwann musste sie sich halt entscheiden. Auch das hat sie mit Christopher Carstensen gemeinsam, der neben Golf auch Tennis und Hockey im UHC spielte. Die Konzentration brachte dann auch bald Erfolge. Esther wurde 2012 Deutsche Meisterin in der AK14, Hamburger Jugendmeisterin 2012 und 2013, Norddeutsche Meisterin 2014. In der deutschen Jugendrangliste der unter 18-Jährigen steht sie bereits auf Platz fünf. Mit Abstand ist sie dort die Jüngste.

Ihre sportliche Entwicklung hat sie schließlich auch zum Hamburger Golf-Club gebracht, für den sie seit einem Jahr in der Bundesligamannschaft spielt, weil es in in der Gegend um ihre Heimatstadt Varel keinen entsprechend starken Verein gab. „Ich fühle mich in Falkenstein unglaublich wohl, die Leute sind sehr nett, es ist wirklich schon ein Heimatclub geworden“, sagt sie. Um so schöner wäre es natürlich, am Wochenende mit ihren Mitspielern erfolgreich abzuschneiden. „Eine Top-fünf-Platzierung ist für uns möglich", meint Junioren-Bundestrainer Ulrich Eckhardt.

Das ist das sehr kurzfristige Ziel, langfristig blickt Esther Henseleit sogar schon über das Abitur hinaus. „Auf ein amerikanisches College gehen und dort Golf spielen“, das ist ihr mittelfristiges Ziel. Es ist der wohl logische Zwischenschritt in eine Profikarriere, es ist der Schritt, den der sechs Jahre ältere Christopher Carstensen bereits gemacht hat. Seit vergangenem Sommer studiert der Hamburger an der Southeastern Louisiana University in Hammond. Tiefer Süden, Bayous, Crawfish, Jambalaya – und Golf. Carstensen hat ein Angebot für ein Stipendium erhalten und spielt nun im Golfteam der Hochschule.

Er studiert International Business, übt aber jeden Tag fünf bis sechs Stunden auf dem Golfplatz. „Kurzes Spiel und Drives sind gut“, sagt er, „die Eisen muss ich noch näher an die Fahne hauen.“ Daran arbeitet er nun akribisch und intensiv. „Ich habe bis zum Bachelor-Abschluss noch drei Jahre vor mir, dann werde ich ein Fazit ziehen, wie es mit dem Golf gegangen ist, und werde versuchen, Profi zu werden.“ Obwohl er natürlich weiß, was für ein hartes Brot das ist, insbesondere, sich aus den unteren Profiligen durchzuspielen: „Deshalb ist der Abschluss wichtig.“

Auch Carstensen ist in der Bundesliga weiterhin für den Hamburger Golf-Club aktiv. Die Termine passen gut zu den Semesterferien in den USA zwischen Mai und August. Deshalb kann er jetzt auch auf der Wendlohe starten. Dem deutschen Nationalteam gehört Carstensen allerdings nicht an, US-Studenten werden dort nicht so gerne aufgenommen, sie können schließlich nicht regelmäßig an Lehrgängen teilnehmen. Diesen Preis aber würde Esther Henseleit auch zahlen, in einigen Jahren, wenn sich ihr Traum von Golf in den USA tatsächlich ebenso erfüllt wie bei Christopher Carstensen.