Gegen Algerien mit zwei Flaggen vor dem Fernseher

Sonntag startet HSV-Läufer Mourad Bekakcha beim Hella-Hamburg-Halbmarathon

Hamburg. Am späten Donnerstagabend hat sich Mourad Bekakcha eine kleine Trainingspause gegönnt. Besser gesagt: Er hat seine Einheit diesmal ein wenig früher absolviert. Damit er das Spiel zwischen Algerien und Russland bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Ruhe gucken konnte. Bekakcha ist Hamburgs bester Langstreckenläufer. Am Sonntag tritt er beim 20. Hella-Hamburg-Halbmarathon an. Und auch wenn sein Trainingsplan streng geregelt ist, wollte er das wichtige Spiel seines Heimatlandes nicht verpassen.

„Das ist eine historische Leistung“, sagte Bekakcha nach dem 1:1 Algeriens gegen Russland, mit dem sich die Nordafrikaner für das Achtelfinale qualifizierten. Dort trifft Algerien am Montag um 22 Uhr auf Deutschland. Bekakcha wird dann mit zwei Flaggen vor dem Fernseher sitzen. „Ich fühle mich sowohl als Deutscher als auch als Algerier“, sagt der 35-Jährige, der im Jahr 2001 nach Deutschland auswanderte und seit 2009 für den HSV läuft.

Bevor Bekakcha sich aber ganz der Fußball-WM auf dem Sofa widmen kann, liegen noch 21,0975 harte Kilometer vor ihm. Am Sonntag startet er um 10 Uhr auf der Reeperbahn bei der Jubiläumsauflage des Halbmarathons. Für Bekakcha ist es ein Heimspiel. Dennoch wird er die meiste Zeit der Strecke allein verbringen, in der neutralen Zone zwischen den besten Männern und den besten Frauen. Mit der Spitzengruppe um den Topfavoriten Peter Some aus Kenia kann Bekakcha nicht mithalten.

Für ihn geht es darum, seine Bestzeit von 1:08:36 Stunden zu bestätigen, die er 2012 beim Berliner Halbmarathon aufstellte. Dafür hat Bekakcha auf den ersten 13 Kilometern einen Tempomacher dabei, danach ist er auf sich allein gestellt. „Ich hoffe, dass ich hier eine ähnliche Zeit laufen kann“, sagt Bekakcha, der vor wenigen Wochen den Haspa-Marathon in der Hansestadt gelaufen ist und mit einer Zeit von 2:28:59 Stunden den Titel des Hamburger Meisters gewann.

Dabei ist Bekakcha als Läufer so etwas wie ein Spätstarter. Nachdem er 2001 wegen politischer Unruhen in Algerien sein Studium abbrach und seiner Liebe nach Hamburg folgte, ging er zunächst dem Radsport nach. Erst 2007 stieg er vom Sattel in die Laufschuhe. Nun macht er sich sogar Hoffnungen, bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio für sein Heimatland Algerien im Marathon zu starten. Bekakcha, der bei der Deutschen Post in Hamburg arbeitet, besitzt sowohl die deutsche als auch die algerische Staatsbürgerschaft.

In seinem Heimatland spielte Mourad Bekakcha sein Leben lang Fußball. Wegen seiner Schnelligkeit meist als Außenstürmer. Für die Nationalmannschaft hat es nicht gereicht. Aber wenn er mit dem Laufen so weitermacht, könnte er in zwei Jahren da starten, wo jetzt die Nationalmannschaft Algeriens für Furore sorgt: in Brasilien.