„Besser ist die Stimmung nur bei Olympia“

Die WM-Dritte Anne Haug gerät beim Hamburg-Triathlon ins Schwärmen

Hamburg. Benjamin Lenk muss Geduld haben, wieder einmal. Eigentlich wollte seine Freundin Anne Haug am Montag endlich wieder zu ihm nach München kommen und eine der seltenen Wochen in der gemeinsamen Wohnung verbringen. Stattdessen reiste sie nach Saarbrücken. Am dortigen Olympiastützpunkt sei die medizinische Betreuung optimal, und die WM-Dritte will unbedingt wissen, was mit ihrer Hüfte ist, nachdem sie am Sonnabend beim London-Triathlon böse vom Rad gefallen war. Sie war trotzdem weitergefahren und schließlich als 49. ins Ziel gekommen. Aufzugeben wäre für Haug nicht infrage gekommen: „Man fährt ja nicht nach London, um eine halbe Stunde Sport zu machen.“

Auch auf die Zwischenlandung in Hamburg wollte sie nicht verzichten. Als Botschafterin des Schulprojekts Tri-Aktiv trat Haug, 31, in einer Klasse in Oldenfelde auf. Sie sagt: „Mir ist es wichtig, den Kindern den Spaß am Sport zu vermitteln.“ Darum nehme man die Entbehrungen ja in Kauf: die vier Trainingseinheiten am Tag; die langen Reisen, jedes Jahr zweimal um die Welt; das Leben aus dem Koffer; die wochenlangen Trainingslager in den Bergen; die geringe Entlohnung; und die Schmerzen. „Man lebt für ein, zwei Momente, in denen man oben steht.“

Der ITU World Triathlon Hamburg 2013 war so einer. Haug siegte auf der Sprintdistanz und gewann tags darauf auch noch den WM-Titel mit der deutschen Mixed-Team-Staffel. „Ein unvergessliches Wochenende“ sei es gewesen, aber nicht nur deshalb freue sie sich so auf die Neuauflage am 12./13. Juli. Es sei die besondere Stimmung, die mit keinem anderen Standort der WM-Serie zu vergleichen sei. „Besser als Hamburg ist die Stimmung nur noch bei Olympia.“ Das sagt nicht nur sie, das sähen auch all ihre Kollegen so.

Nach dem Wechsel von Olympiasieger Jan Frodeno auf die Ironman-Distanz ist Anne Haug der bekannteste Name im Nationalteam. Dabei sieht sie sich selbst noch als Anfängerin. Profi ist Haug erst seit sechs Jahren, was nicht heißt, dass sie von ihrem Sport hätte leben können, im Gegenteil: Sie und ihre Familie in Bayreuth haben lange Zeit draufgezahlt. Inzwischen gehört sie der Sportfördergruppe der Bundeswehr an. Das lässt ihr den Freiraum, ihr Leben auf das große Ziel auszurichten, die Spiele 2016 in Rio. Bis dahin will sie vor allem an ihrer Problemdisziplin, dem Schwimmen, arbeiten. Angesichts der Schmerzen in der Hüfte seien Radfahren und Laufen derzeit ohnehin kaum möglich. Ihr Freund hat versprochen, sie in Saarbrücken zu besuchen.