Nur 52 Minuten dauerte das Achtelfinale von Angelique Kerber, dann war das French-Open-Aus perfekt. Die deutsche Nummer eins fand nie in die Partie gegen Kanadas neuen Damen-Tennis-Star.

Paris. Ratlos, chancenlos: Mit der höchsten Pleite seit mehr als 15 Monaten hat sich Angelique Kerber auf enttäuschende Weise von den French Open verabschiedet. In nur 52 Minuten verspielte die beste deutsche Tennisspielerin beim 1:6, 2:6 gegen die Kanadierin Eugenie Bouchard am Sonntag den zweiten Viertelfinal-Einzug in Paris und schied wie im Vorjahr im Achtelfinale aus. „Das war ein schwarzer Tag für mich heute. Es ging gar nichts. Ich weiß nicht, warum“, konstatierte die Weltranglisten-Neunte aus Kiel anschließend.

Als letzte der gestarteten acht deutschen Damen ist damit noch Andrea Petkovic dabei. Die Darmstädterin trifft an diesem Montag im Achtelfinale auf die niederländische Qualifikantin Kiki Bertens und strebt ihre zweite Viertelfinal-Teilnahme in Paris nach 2011 an.

Das zweite Viertelfinale nach 2012 war für Kerber von Anfang an nie in Reichweite. Die 26-Jährige kam nicht in die Partie gegen die Nummer 16 der Welt und geriet beim zu schwachen eigenen Aufschlag oft sofort unter Druck. Nach 16 Minuten stand es bereits 0:5, erst dann gelang Kerber der erste Spielgewinn. Nach nur 22 Minuten war der erste Satz auf dem Court Philippe Chatrier weg, wo sich Petkovic am Sonnabendabend trotz eines Magen-Darm-Virus gegen die Französin Kristina Mladenovic durchgesetzt hatte.

„Ich wollte schon aggressiv spielen, aber irgendwie war alles weg. Ich habe den Ball nicht gefühlt. Ich habe meinen Rhythmus nicht gefunden, ich war überhaupt nicht auf dem Platz“, räumte Kerber nach der Pleite am späten Vormittag ein. Nach dem Break zum 1:2 im zweiten Satz schaute sie hilfesuchend Richtung Box mit Trainer Benjamin Ebrahimzadeh und Bundestrainerin Barbara Rittner und hob den Arm, als wollte sie sagen: Was soll ich machen?

Die Möglichkeit, vielleicht noch einmal in die Partie zurückzukommen, vergab die deutsche Nummer eins unmittelbar danach. Gegen die wesentlich druckvoller agierende 20-Jährige aus Montréal konnte Kerber ihren einzigen Breakball nicht nutzen. Die Turniersiegerin von Nürnberg zog danach auf 5:1 davon und revanchierte sich kurz darauf für die knappe Niederlage bei den letztjährigen US Open. Kerber machte dagegen nur drei Spiele, das war ihr in einer kompletten Partie zuletzt im Februar 2013 in Doha gegen Mona Barthel passiert.

Kohlschreiber mit Pech gegen Murray

Nach einem Marathonmatch über zwei Tage hat Philipp Kohlschreiber (Augsburg/Nr. 28) seinen dritten Achtelfinal-Einzug bei den French Open trotz harter Gegenwehr knapp verpasst. Der Weltranglisten-24. musste sich in der dritten Runde Wimbledonsieger Andy Murray (Großbritannien/Nr. 7) in 4:07 Stunden mit 6:3, 3:6, 3:6, 6:4, 10:12 geschlagen geben.

Die Partie war am Sonnabendabend nach 3:17 Stunden wegen Dunkelheit beim Stand von 7:7 im entscheidenden Durchgang abgebrochen worden. Der 30-jährige Kohlschreiber lag zu Beginn des fünften Satzes bereits mit einem Break zurück (0:2), kämpfte sich aber wieder in das Match.

Bei der Fortsetzung am Sonntagmittag auf dem zweitgrößten Court Suzanne Lenglen gelang Murray bei einer 11:10-Führung das entscheidende Break zum Matchgewinn, nachdem Kohlschreiber nur wenige Minuten zuvor einen Breakball vergeben hatte.

London-Olympiasieger Murray verwandelte gegen Düsseldorf-Gewinner Kohlschreiber seinen zweiten Matchball. Beim bedeutendsten Sandplatz-Turnier der Welt hatte der ehemalige Davis-Cup-Spieler 2009 und 2013 in der Runde der letzten 16 gestanden.