„Schrödi braucht einen Tritt in den Hintern“

Anne Schröder und Eileen Hoffmann, jüngste und älteste Hamburger Starterinnen bei der Hockey-WM, über die Faszination von Welttitelkämpfen

Hamburg. Wenn sich die deutschen Hockeydamen an diesem Dienstag in Den Haag treffen, um die letzte Phase der Vorbereitung auf die am Sonnabend beginnende Feld-Weltmeisterschaft in den Niederlanden einzuläuten, werden im 18er-Kader von Bundestrainer Jamilon Mülders die Hälfte der Spielerinnen aus Hamburg oder Hamburger Clubs stammen. Grund genug, um die älteste und die jüngste Teilnehmerin aus unserer Stadt, Eileen Hoffmann (29, Uhlenhorster HC) und Anne Schröder (19, Club an der Alster), für ein Gespräch über die Faszination WM zusammenzubringen.

Hamburger Abendblatt:

Frau Hoffmann, Sie haben die Olympischen Spiele 2008 in Peking erlebt und die WM 2010 in Argentinien. Erklären Sie einem WM-Neuling wie Anne doch einmal, warum eine WM so besonders ist.

Eileen Hoffmann:

Natürlich hat jedes große Turnier einen eigenen Charakter, deshalb glaube ich nicht, dass man das verallgemeinern kann. Ich denke, dass diese WM in den Niederlanden von der Atmosphäre unvergleichlich sein wird. Wir spielen in einem Land, in dem Hockey einen hohen Stellenwert hat. Wir spielen erst zum zweiten Mal nach 1998 gemeinsam mit den Herren. Es werden ganz viele Fans aus Deutschland dabei sein, in das große der beiden Stadien passen 15.000 Zuschauer. Und unsere Spiele sind live im Fernsehen zu verfolgen. Deshalb freue ich mich ganz besonders auf das gesamte Drumherum.

Frau Schröder, wenn Sie all das hören: Wie kann man da als 19-Jährige ruhig bleiben?

Anne Schröder:

Ich muss gar nicht ruhig bleiben, Aufregung ist doch ganz normal. Als ich vom Bundestrainer nominiert wurde, war das eine riesige Überraschung für mich, ich war völlig überfordert mit meinen Gefühlen, die Erleichterung und die Freude waren so groß, dass ich einige Zeit brauchte, um zu realisieren, dass ich dabei sein darf. Aber jetzt mache ich mir keinen Stress.

Von welchem Moment an stellt sich das Kribbeln der Vorfreude ein?

Schröder:

Bei mir war das nach Ostern, als es bei mir angekommen ist, dass ich wirklich mitfahren darf. Aber ich mache mir nicht seitdem jeden Tag Gedanken darüber. Das wird sicherlich in den nächsten Tagen mehr werden.

Hoffmann:

Ich weiß noch, dass ich vor der WM 2010 wochenlang riesige Vorfreude hatte, weil Argentinien das Mutterland des Damenhockeys ist. Diesmal hatte ich keine Zeit für Vorfreude, weil wir mit dem Club so viele Höhepunkte hatten. Klar ist aber, dass wir alle schon jetzt riesig auf den Moment hinfiebern, wenn wir am Sonntag zum WM-Auftaktspiel gegen China auf den Platz dürfen. Dann geht es endlich los!

Sie haben beide vor Ihrer ersten WM-Teilnahme eine Junioren-WM gespielt. Frau Hoffmann, was bringt einem das an Erfahrung?

Hoffmann:

Das ist natürlich überhaupt nicht vergleichbar, weil man bei einer Junioren-WM mit viel weniger Erfolgsdruck antritt. Da spielt man frei auf und macht sich keinen Kopf. Aber es ist eine gute Vorstufe für die richtige WM.

Schröder:

Ich habe im vergangenen Jahr bei der Heim-WM erlebt, wie schwer es ist, den Druck auszuhalten, beim Heimturnier Erfolg haben zu müssen. Und bei uns war es nur die U21-WM. Ich hoffe mal, dass es den Holländerinnen jetzt ähnlich geht.

Frau Schröder, worauf freuen Sie sich am meisten, und wovor haben Sie den größten Respekt, wenn Sie an Ihre erste WM-Teilnahme denken?

Schröder:

Ich freue mich am meisten darauf, endlich das miterleben zu dürfen, was ich bislang nur aus dem Livestream im Internet kenne. Ich bin total gespannt, wie es sein wird, eine WM zu spielen, wie wir mithalten werden mit den Besten der Welt. Die größte Sorge habe ich davor, dass es mir nicht gelingt, meine Leistung abzurufen. Ich will unbedingt beweisen, dass ich zu Recht nominiert wurde.

Hoffmann:

Das ist doch ganz normal, dass man diese Gefühle hat. Dennoch muss man versuchen, sich eine gewisse Lockerheit zu bewahren. Mir hat es immer geholfen, dass ich erfahrene Spielerinnen wie eine Natascha Keller neben mir hatte, die mich aufgebaut haben.

Wie können Sie als erfahrene Torjägerin jetzt einem Neuling wie Anne helfen?

Hoffmann:

Schrödi braucht eher einen Tritt in den Hintern als verständnisvolle Worte. Sie darf keinen Respekt haben, sondern muss ihr Spiel so spielen wie in der Bundesliga. Sie hat krasse Stärken im Offensivspiel, und die muss sie einbringen. Frech nach vorn spielen, nicht nachdenken, dann wird sie uns sehr helfen. Für mich ist es keine Überraschung, dass sie dabei ist.

Schröder:

Ich finde es total wichtig, dass die Älteren wie Eileen oder auch Tina Bachmann zu mir kommen und mich fragen, wie sie mir helfen können. Es gibt mir Sicherheit zu spüren, dass ich nicht immer selbst fragen muss, sondern dass die mir wirklich helfen wollen. Das ist echt cool. Von Gleichaltrigen würde ich mir sicherlich nicht so viel sagen lassen.

Wie nehmen Sie die Stimmung in der Mannschaft wahr?

Schröder:

Wir haben eine ganz bunte Mischung aus verschiedenen Charakteren, ganz viele Spielerinnen sind total ehrgeizig und auf unbedingten Erfolg fokussiert. Dennoch wirkt das Team harmonisch und entspannt, was vor allem daran liegt, dass wir so viele erfahrene Spielerinnen haben.

Hoffmann:

Die Mischung aus Jung und Alt ist tatsächlich sehr gelungen. Vor allem aber ist wichtig, dass wir viele starke Charaktere haben, die sich trotzdem ergänzen und nicht behindern. Es gibt keine Grüppchenbildung, wir sind sehr homogen. Und gut ist auch, dass wir schon in Den Haag waren, uns alles angeschaut haben. So wissen wir genau, was uns erwartet.

Dann dürfte dem Ziel, das Halbfinale zu erreichen, ja nichts im Weg stehen. Was ist Ihr Tipp, wer wird im Finale stehen?

Schröder:

Für uns ist klar, dass wir alle jedes Spiel gewinnen wollen. Aber ich fühle mich nicht in der Lage, einen Tipp abzugeben, dafür kenne ich die Gegner nicht gut genug.

Hoffmann:

Wir haben uns bewusst keine Zielvereinbarung gegeben. Wir wollen frei aufspielen und unser Spiel durchziehen. In der Gruppe mit Argentinien, England, China, den USA und Südafrika müssen wir uns erst einmal behaupten, um mindestens Zweiter zu werden. Ich glaube aber, dass wir es schaffen: im Halbfinale Holland schlagen und dann im Finale gegen Australien spielen.