Ein Hamburger will Kick- und Thaiboxen salonfähig machen

Der Hamburger Ralf Stege hat sich vom Topkämpfer zu einem gefragten Manager entwickelt

Hamburg. Ralf Stege hat kürzlich festgestellt, dass er in Dekaden lebt. Von Anfang der 1990er-Jahre bis 2002 war er der „Krieger mit dem Narbengesicht“, ein international anerkannter Thaiboxer, der 1995 sogar acht Monate im Herkunftsland seines Sports lebte und kämpfte. Nach dem Ende der Karriere baute der Hamburger seine Kampfsportschule Siamstore an der Horner Landstraße auf, machte sich als Trainer einen Namen und stieg 2005 mit dem ersten Event seiner Veranstaltungsreihe „Day of Destruction“ (DoD) ins Promotergeschäft ein.

An diesem Sonnabend (20 Uhr, Sporthalle Wandsbek) feiert der 45-Jährige mit der achten DoD-Ausgabe nun zehnjähriges Promoterjubiläum. Unter dem Motto „Europa gegen China“ treten einige der besten K1-Kämpfer des Kontinents, darunter auch der Hamburger Polizeibeamte Dima Weimer, gegen Asiens Elite an. Stege hat allerdings längst die dritte Dekade seines Schaffens eingeläutet. Er ist nicht mehr nur Trainer und Promoter, sondern nun auch Manager, und als solcher so erfolgreich, dass ihm mittlerweile 14 Kämpfer aus sechs verschiedenen Kampfsportschulen vertrauen. Für eine kleine Provision organisiert und vermittelt Stege ihnen lukrative Auftritte, wobei das Wort lukrativ in den Disziplinen K1 und Muaythai eher auf den sportlichen als den finanziellen Wert zu beziehen ist.

Den Durchbruch schaffte er 2011, als eine Abordnung des chinesischen Großveranstalters Wu Lin Feng einen seiner Kampfabende auf Fehmarn besuchte. Die Herren aus Asien waren begeistert, ein Jahr später schickten sie erstmals ein Team zum Ländervergleich China gegen Deutschland nach Hamburg. „Für mich war das der Türöffner ins internationale Geschäft, dadurch habe ich tolle Kontakte bekommen, aber auch einen solventen Partner“, sagt Stege. Die Chinesen helfen auch an diesem Sonnabend, damit Stege die 100.000 Euro, die die Veranstaltung in Wandsbek kostet, decken kann. Eintrittsgelder und Sponsoring summieren sich nur auf rund 70.000 Euro.

Es ist die Leidenschaft für seinen Sport und seine Sportler, die ihn immer wieder ins Risiko gehen lässt – und die Hoffnung, dass sich seine Vision zum Ende der Dekade erfüllt haben wird. „Ich bin mir sicher, dass wir in ein paar Jahren einen Fernsehpartner haben werden. Wir bieten Qualität und ein sauberes Umfeld“, sagt er. Steges Verdienst ist, dass er seinen Sport salonfähig gemacht hat. Wo vor zehn Jahren 80 Prozent der Zuschauer aus dem Kiezmilieu kamen, sind es heute zum gleichen Prozentsatz Firmenkunden aus allen Branchen, die am Ring sitzen. „Ich habe niemanden bewusst rausgedrängt, aber ich bin froh, dass sich bei uns mittlerweile alle wohlfühlen“, sagt er.