Finanzskandal bei der Hamburger Sportjugend: Rücktritte gefordert

Hamburg. Der Hamburger Sportbund (HSB) und separat seine 26 Topsportvereine (mehr als 2500 Mitglieder) wollen in den nächsten zwei Wochen über Konsequenzen beraten, die sich aus dem Kommissionsbericht zum umstrittenen Finanzgebaren der Hamburger Sportjugend (HSJ) ergeben. Das vom HSB-Präsidium beauftragte Gremium unter Vorsitz des Tennisverbandspräsidenten Fritz Frantzioch hatte am 16. April sein 39-seitiges Gutachten vorgelegt. Grund der neunmonatigen Untersuchung: Die Sportjugend hatte seit 1999 widerrechtlich Zuwendungen und Zuschüsse der Stadt und des HSB in „interne Darlehen“ an ihre Sportschule Schönhagen (Ostsee) umgewandelt und aus dem Teilrückfluss der Gelder bis 2012 Eigenmittel von insgesamt 1,06 Millionen Euro gebildet.

Durch diese Buchungspraxis habe die HSJ die Verluste ihres Teilhaushaltes Schönhagen verschleiert, schreibt die Frantzioch-Kommission: „Wir stellen fest, dass Buchungsanweisungen des Finanzreferenten der HSJ (Arne Klindt, die Red.) ohne Mitwirkung des Geschäftsführers der HSJ in die Finanzbuchhaltung gelangen konnten. Diese Möglichkeit des Eingreifens sollte grundsätzlich unterbunden werden.“

Weiter heißt es: „Wir haben nach der gemeinsamen Sitzung mit dem HSJ-Vorstand, dem HSB-Präsidium, den Geschäftsführern der HSJ und des HSB am 26. März 2014 den Eindruck gewonnen, dass nur der Finanzreferent der HSJ das Buchungsgebilde um die ‚internen Darlehen‘ verstanden und organisiert hat. Dem Finanzreferenten ist es gelungen, den Teilhaushalt Schönhagen trotz jahrelanger Verluste durch ‚Luftbuchungen‘ (Verwendung von Geldbeträgen aus anderen Teilhaushalten) profitabel erscheinen zu lassen.“

Die siebenköpfige Kommission vermutet hinter Klindts Vorgehen eine Buchungssystematik, „die auf geplantes Verhalten schließen lässt“. Das Resümee: „Aufgrund unserer Feststellungen ist der Tatbestand der bewussten Verfälschung der Jahresrechnungen erfüllt.“ Rückforderungen der Stadt sind jetzt möglich. Vertreter der Topsportvereine fordern den Rücktritt von Klindt und des langjährigen HSB-Schatzmeisters Peter Gründel, der auch die Finanzen der HSJ mit verantwortet.

Auch die undurchsichtigen Beziehungen der HSJ zum Verein Voll in Bewegung (elf Mitglieder; Vorsitzender Hartmut Grünheide, Finanzreferent Klindt) kritisierte die Kommission, besonders die Zwangsmitgliedschaft der HSJ-Führung. Voll in Bewegung hatte zuletzt erhebliche Vermögenswerte bilanziert, nach Abendblatt-Informationen rund 2,8 Millionen Euro in Wertpapieren und Bankguthaben.