Steuerhinterziehung

150 Polizisten sollen Hoeneß-Prozess schützen

Am Montag beginnt vor dem Münchner Landgericht der Prozess gegen Uli Hoeneß. Wird seine Selbstanzeige anerkannt? Im schlimmsten Fall droht dem 62-Jährigen eine Gefängnisstrafe.

München. Ein Spiel des FC Bayern, seines FC Bayern, verpasst Uli Hoeneß normalerweise nicht. Am Sonnabend aber, beim 6:1 (1:1) in Wolfsburg, da fehlte der Patriarch des kommenden deutschen Meisters. Hoeneß, so war zu hören, bereite sich auf diesen Montag vor, den Tag, an dem sein wohl schwerstes Spiel beginnt. Wobei: Ein Strafprozess ist kein Spiel. Die Lage ist ernst, und sie wird sich zuspitzen auf die Frage: Muss der „Angeklagte Ulrich H.“ ins Gefängnis?

Vor dem Münchner Landgericht beginnt am Montag der mit Spannung erwartete Prozess gegen Uli Hoeneß. Der Präsident des FC Bayern muss sich wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe verantworten. Kernfrage des Verfahrens im Justizpalast ist, ob die Richter der Wirtschaftskammer Hoeneß' Selbstanzeige von Anfang 2013 ganz oder wenigstens teilweise anerkennen. Im für ihn schlimmsten Fall droht dem 62-Jährigen eine Gefängnisstrafe. Voraussichtlich am Donnerstag soll das Urteil fallen.

Die Entscheidung, ob das irgendwie Undenkbare eintritt, wird die 5. Strafkammer am Landgericht München II treffen. Vorsitzender Richter ist Rupert Heindl (47), ein Mann, der als harter Hund gilt. Unter ihm wird im „Strafverfahren gegen Ulrich H. wegen Steuerhinterziehung“ zu klären sein: Hat Hoeneß seine Steuerhinterziehung rechtzeitig und korrekt angezeigt, sprich: Ist seine Selbstanzeige wirksam?

Diese Selbstanzeige ist es, um die sich im Sitzungssaal 134 im Justizpalast nahe des Stachus in München wohl zunächst alles drehen wird. Hoeneß hat Steuern hinterzogen, das gibt er mit der Einreichung der Selbstanzeige zu. Er hat die Anzeige abgegeben, weil er davon ausging, dass sie strafbefreiend wirkt. Das kann sie auch, aber: Die Staatsanwaltschaft hält die Selbstanzeige von Hoeneß für unwirksam; sie soll unvollständig sein.

Sollte die Selbstanzeige tatsächlich unwirksam sein, wird gerechnet werden müssen: Was ist verjährt? Wie hoch liegt der Steuerschaden wirklich? Eine Million Euro oder mehr bedeutet laut Bundesgerichtshof: Eine Bewährungsstrafe ist nicht mehr möglich. Also: Gefängnis. Es sei denn, Hoeneß kann mildernde Umstände geltend machen.

Das Gericht rechnet mit einem Ansturm von Journalisten und Schaulustigen. 22 Justizbeamte und 150 Polizisten sollen im Einsatz sein. Die 49 Presseplätze im Gerichtssaal waren innerhalb weniger Sekunden nach Beginn der Anmeldefrist schon vergeben.