Hamburger Großvereine wollen HSB-Präsident Ploß stürzen

Hamburg. Noch sind es vier Monate bis zur Wahl des neuen HSB-Präsidenten auf der Mitgliederversammlung am 28. Juni, doch der Kampf um die Führung des Hamburger Sportbundes (570.000 Mitgliedschaften in 797 Clubs) ist entbrannt. Die 26 sogenannten Topsportvereine, sie vertreten rund 300.000 Mitglieder, wollen die Wiederwahl des Amtsinhabers Günter Ploß, 66, verhindern. Ihr Wunschkandidat ist der für Sportinfrastruktur zuständige HSB-Vizepräsident Dr. Jürgen Mantell, 70. Der ehemalige Bezirksamtsleiter von Eimsbüttel (1996–2010) steht zwar zur Verfügung, er werde jedoch nicht in einer Kampfabstimmung gegen Ploß antreten, sagte Mantell dem Abendblatt: „Da stehe ich bei ihm im Wort. Und daran wird sich auch nichts mehr ändern.“

Vor drei Wochen hatten sich alle sieben Mitglieder des HSB-Präsidiums entschlossen, sich am 28. Juni erneut zur Wahl zu stellen – zum Entsetzen der Topsportvereine. „Wir trauen Ploß nicht mehr zu, die notwendigen Reformen im Sportbund auf den Weg zu bringen, neue Konzepte und höhere politische Schlagkraft zu entwickeln und die Interessen des organisierten Sports gegenüber dem Senat mit Nachdruck zu vertreten. Ein Präsident Mantell wäre dazu weit eher in der Lage“, sagt Basketball-Bundesliga-Schiedsrichter Boris Schmidt, Sprecher der Topsportvereine und Vorsitzender der TSG Bergedorf.

Die Top 26 fordern unter anderem mehr Transparenz bei den HSB-Finanzen, größeren Entscheidungsspielraum der hauptamtlichen Mitarbeiter, den Rückzug des Präsidiums in die Rolle eines Aufsichtsrates. Schmidt: „Der HSB sollte sich weniger mit sich selbst beschäftigen, seine Ressourcen stärker zum Nutzen aller Clubs einsetzen.“

Die großen Vereine befürchten zudem, dass der HSB in den jetzt anstehenden Verhandlungen mit der Stadt über einen neuen Sportfördervertrag für die Jahre 2015/2016 nicht die zusätzlichen finanziellen Mittel herausholt, die dringend benötigt werden: für die Arbeit der Fachverbände, für die Bezuschussung der Übungsleiter und die Sanierung vereinseigener Anlagen.

Ploß, Präsident seit 2005, kennt die Kritik. Er wehrt sich gegen die Vorwürfe: „Ich habe nicht die Interessen der 26 Großvereine zu vertreten, sondern die aller 797. Wir haben in den vergangenen Jahren substanzielle Verbesserungen für den gesamten Sport erzielt. Davon haben auch die Top 26 profitiert.“ Schmidt sieht das anders und wird in den nächsten Wochen mit seinen Mitstreitern weitere Verbündete suchen. Ziel ist es, Ploß zum freiwilligen Rückzug zu bewegen, damit der Weg für Mantell frei wird. „Ploß hat sich in der Vergangenheit um den HSB verdient gemacht, aber er ist nicht der Richtige für die Zukunft“, sagt Schmidt.