17 Tage Sotschi

Was bleibt von den XXII. Olympischen Winterspielen? Bei allen politisch aufgeladenen Nebengeräuschen gehörten die Wettkämpfe dann doch den Sportlern – mit viel Jubel, Tragödien, Emotionen und neuen Helden

Natürlich sagte Thomas Bach, der Herr der Ringe, am Ende des größten Wintersportfestes der Welt den Satz, den sein Gastgeber Wladimir Putin unbedingt hören wollte: „Es waren ausgezeichnete Spiele“. Russland wollte diese Olympischen Spiele – und Russland hat geliefert.

Die 17 Tage von Sotschi sollten der Welt klarmachen, dass Russland Großveranstaltungen wie diese stemmen kann. Die Organisation war nahezu perfekt, an den Sportanlagen war nichts zu beanstanden, das Wetter beeinträchtigte die Wettkämpfe trotz des subtropischen Frühlings kaum, die Zuschauer blieben überwiegend fair und begeisterungsfähig. Und alle Beteiligten durften sich sicher fühlen.

Gewiss waren diese Winterspiele ein Event von Putins Gnaden, mit all den aus westlicher Sicht abstoßenden Widerwärtigkeiten. Verfolgte und ausgegrenzte Minderheiten, Aktivisten und Umweltschützer wurden im Interesse des großen Ganzen zu olympischen Kollateralschäden. Besonders unangenehm stieß dabei auf, dass das Internationale Olympische Komitee willfährig bemüht war, nur ja keinen Schatten auf die Spiele fallen zu lassen, die dramatischen Ereignisse in Kiew möglichst nicht zu erwähnen und am Ende nicht einmal Sportlern die Geste eines Trauerflors zu gestatten.

Und doch: die Hauptdarsteller der Tage von Sotschi hießen weder Wladimir Putin noch Thomas Bach. Allen politisch aufgeladenen Nebengeräuschen zum Trotz waren es die Athleten.

Wie die deutschen Rodler Felix Loch, Natalie Geisenberger, Tobias Wendl und Tobias Arlt, die mit der Konkurrenz Schlitten fuhren und alle vier Goldmedaillen im Eiskanal einsammelten. Oder die niederländischen Eisschnellläufer um Ireen Wüst und Sven Kramer, die einen Traum in Orange zelebrierten und 23 von 36 Medaillen gewannen, davon vier Dreifachsiege – die holländischen Eisflitzer allein lagen im Medaillenspiegel vor den Deutschen, die dafür acht Disziplinen benötigten. Oder die Norweger Ole Einar Björndalen, 40, und Marit Björgen, 33, die in Sotschi zu den erfolgreichsten Winterolympioniken aller Zeiten wurden.

Neben den olympischen Glanzlichtern gab es auch viel Schatten wie den Dopingfall Evi Sachenbacher-Stehle (Seite 22). Oder die schweren Stürze bei den halsbrecherischen Trendsportarten der Freestyler, die mit ihren Luftnummern die spektakulärsten Bilder lieferten. Und schließlich jene deutschen Skisportler, die sich im Schlussspurt gegenseitig über den Haufen fuhren. Am Ende war es das schlechteste Ergebnis seit der Wiedervereinigung.

Auch fünf Hamburger durften an Sotschi 2014 teilhaben. Das Curling-Team um John Jahr belegte den letzten Platz und grämte sich nicht. Dabeisein war für sie alles.