Falken im siebten Himmel

Mehr als 800 Millionen Fernsehzuschauer sehen Triumph der Seattle Seahawks im Super Bowl. Manning dementiert Rücktrittsgerüchte

East Rutherford/Hamburg . Der 48. Super Bowl zwischen den Seattle Seahawks und Denver Broncos dürfte als Langweiler in die Football-Geschichtsbücher eingehen. 43:8 – die für ihre starke Verteidigung bekannten Seahawks dominierten den zweifachen Champion aus Denver um ihren glücklosen Star-Quarterback Peyton Manning nach Belieben und sicherten sich damit zum ersten Mal die Meisterschaft der US-Profiliga NFL.

Langeweile hin oder her: Diesmal sahen weltweit mehr als 800 Millionen Fernsehzuschauer und 82.500 Fans im Stadion von East Rutherford in der Nähe von New York City den höchsten Endspielsieg seit 21 Jahren. Das gigantische Sportevent wurde in gewohnter Manier von jeder Menge amerikanischem Pathos und einer imposanten Halbzeitshow von Bruno Mars und den Red Hot Chilli Peppers begleitet.

Die Amerikaner sollen dabei Millionen Kilogramm Hühnerflügel, Chips und Popkorn vor den Bildschirmen verspeist und damit der Nahrungsmittelindustrie am Sonntag einen Umsatz von 50 Millionen Dollar beschert haben.

Außerdem meldeten sich viele Amerikaner am Montag bei ihren Arbeitgebern krank. Dieser gern als „Superbowlitis“ bezeichnete Zustand erreicht in keinem anderen Land derartige Ausmaße. Allerdings nahmen auch einige Football-Fans in Deutschland eine schlaflose Nacht in Kauf. Ähnlich wie im vergangenen Jahr verfolgten bis zu 1,43 Millionen Wachgebliebene Seattles Triumph bei Sat.1 im Free-TV.

In Deutschland war es kurz vor vier Uhr, als aufseiten der Seahawks Jubel ausbrach. Quarterback Russell Wilson verpasste Trainer Pete Carroll die traditionelle Getränkedusche. „Wir haben genau so gespielt, wie wir es vorhatten. Die Spieler hatten keine Sekunde daran gezweifelt, dass sie diese Leistung abrufen können“, lobte Carroll. Abwehr-Star Richard Sherman polterte gewohnt großmäulig: „Ich hoffe, wir haben heute ein paar Namen aus den Geschichtsbüchern radiert.“

In Seattle stürmten Zehntausende Menschen trotz Minustemperaturen auf die Straßen und feierten euphorisch den ersten Titelgewinn ihrer Lieblinge. „Hawk Heaven – Falken im siebten Himmel", titelte die „Seattle Times".

Für die Broncos war es die fünfte Niederlage im siebten Endspiel – kein NFL-Team verlor mehr Super Bowls Die „Denver Post“ holte zum Rundumschlag aus: „Die Broncos litten unter entsetzlichem Lampenfieber, das in Panik ausartete, zu einem Desaster führte und in einer Demütigung endete.“

Spielmacher Manning suchte vergeblich eine Erklärung für die dritthöchste Pleite der Super-Bowl-Geschichte: „Wir haben gegen ein großartiges Team gespielt. Und um zu gewinnen, hätten wir richtig gut sein müssen – aber das ist uns nicht mal ansatzweise gelungen.“ Manning selbst blieb es versagt, als erster Quarterback zwei NFL-Teams zum Titel zu führen. Zwar wurde er zum besten Spieler der Liga gewählt, bester Finalspieler wurde aber Seattles Linebacker Malcolm Smith.

Vor der Partie hatte es Gerüchte gegeben, Manning könnte seine Karriere beenden. Die Spekulationen dementierte er aber: „Ich will weitermachen. Diese Niederlage ändert nichts daran. Im Gegenteil, wir werden sie als Motivation nutzen.“