Hitze stoppt deutsche Tennis-Asse

Bei den Australian Open scheiterten an Tag zwei auch die Hamburger Witthöft, Kamke und Reister

Melbourne. Carsten Arriens hatte sich auf einen heißen Tag vorbereitet. Mit weißem Langarmshirt und Schirmmütze schützte sich der Tennis-Bundestrainer vor der australischen Sonne. Die brannte erbarmungslos auf die Australian Open herab. 42,8 Grad zeigte das Thermometer in Melbourne zwischenzeitlich, als die Hoffnungen auf einen deutschen Erstrundensieg im Daviscup gegen Spanien (31. Januar bis 2. Februar) dahinschmolzen.

Nach dem gebürtigen Hamburger Tommy Haas, 35, der am Montag wegen Schulterproblemen sein Erstrundenmatch gegen Guillermo Garcia-Lopez aus Spanien im zweiten Satz aufgegeben hatte, verletzte sich auch Philipp Kohlschreiber (Augsburg) und konnte zu seinem Duell mit dem Slowenen Aljaz Bedene gar nicht erst antreten. Arriens’ Nummern eins und zwei bangen nun um den Einsatz in der Nationalmannschaft. „Damit hatte ich nicht gerechnet“, sagte der Teamchef etwas konsterniert: „Ich muss die erste Melbourne-Woche abwarten und sehen, wer für Frankfurt in Form ist.“

Sollten Haas und Kohlschreiber, der sich nach einer genaueren Untersuchung Klarheit über seine Oberschenkelverletzung erhofft, ausfallen, ruhen die Hoffnungen gegen Spanien wohl auf Florian Mayer (Bayreuth) und Daniel Brands (Deggendorf). Mayer trifft beim ersten Grand Slam des Jahres in Runde zwei an diesem Mittwoch (Eurosport live seit 1.00 MEZ) auf den Russen Michail Juschni, Brands scheiterte trotz herausragender Leistung in seinem Auftaktmatch nach 4:32 Stunden mit 7:6 (7:4), 4:6, 6:3, 3:6, 14:16 am Top-20-Spieler Gilles Simon aus Frankreich. Dabei vergab der 26-Jährige im fünften Durchgang sieben Matchbälle.

Die weiteren Deutschen drängten sich Arriens für das Duell mit den voraussichtlich ebenfalls ersatzgeschwächten Spaniern, die wohl ohne ihren Weltranglistenersten Rafael Nadal antreten werden, nicht gerade auf. Qualifikant Peter Gojowczyk (München) startete zwar gut, verlor schließlich aber gegen den routinierten Rumänen Victor Hanescu mit 6:7 (5:7), 6:7 (5:7), 3:6. Benjamin Becker (Orscholz) unterlag dem 18 Jahre alten Australier Nick Kyrgios 3:6, 7:6 (7:5), 2:6, 6:7 (2:7). Julian Reister (Reinbek) wiederum gab gegen Thomaz Bellucci (Brasilien) beim Stand von 6:4, 3:6, 6:7 aus seiner Sicht auf. „Nach eineinhalb Sätzen konnte ich nicht mehr, es waren 44 Grad im Schatten, und ich bin einfach noch nicht fit genug“, sagte der 27-Jährige, der sich in der Saisonvorbereitung in Kenia eine hartnäckige Darmerkrankung zugezogen hatte. Und auch der Hamburger Tobias Kamke musste sich Jack Sock (USA) nach gutem Beginn mit 6:7 (5:7), 7:5, 2:6 und 4:6 geschlagen geben.

Einzig Michael Berrer, Psychologiestudent aus Stuttgart, setzte seinen Siegeszug fort und gewann nach der Qualifikation auch die erste Runde gegen Michael Llodra (Frankreich). An den Daviscup habe er gar nicht gedacht, der sei weit weg. „Wenn so viele ausfallen, müssen auch mal Leute wie Kamke oder Reister ran“, sagte der 33-Jährige. „Aber wenn ich hier super spiele und Carsten mich braucht, dann bin ich selbstverständlich bereit. Je älter ich werde, desto fitter fühle ich mich.“

Berrer war der Lichtblick an einem bescheidenen Tag für das deutsche Tennis, an dem auch Andrea Petkovic (Darmstadt) scheiterte. Die ehemalige Weltranglistenneunte (Oktober 2011) verlor gegen die Slowakin Magdalena Rybarikova 2:6, 3:6 und lieferte ihrer Bundestrainerin Barbara Rittner keine Argumente, sie für das Fedcup-Duell in Bratislava (8./9. Februar) zu nominieren. „Ich habe nicht grottenschlecht gespielt, wollte es nur ab und an zu genau machen“, sagte die 26-Jährige, nachdem sie ihre Tränen getrocknet hatte.

Ebenso enttäuschend lief es für die Hamburgerin Carina Witthöft (Club an der Alster). Die 18 Jahre alte Qualifikantin unterlag bei ihrem zweiten Einsatz in einem Grand-Slam-Hauptfeld, nach Wimbledon 2013, mit 1:6, 4:6 gegen Mandy Minella aus Luxemburg, die Nummer 105 der Damen-Weltrangliste. „Im zweiten Satz hatte ich viele Chancen, die ich leider nicht genutzt habe“, sagte sie. „Aber es war dennoch eine tolle Erfahrung.“