Ein Neuling fliegt am weitesten

Österreicher Thomas Diethart gewinnt in Garmisch. Der Deutsche Severin Freund stürzt ab, Andreas Wellinger springt auf Platz fünf

Garmisch-Partenkirchen. Severin Freund saß nach seinem kapitalen Fehlstart ins Olympiajahr längst im Teamcontainer, als der Österreicher Thomas Diethart seinen ersten Sieg bei der Vierschanzentournee feierte. Mit dem Halbzeitaus beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen verspielte Freund vor 21.000 Zuschauern die letzte Chance auf einen deutschen Podiumsplatz in der Gesamtwertung des Traditionswettbewerbs. „Wir haben durchwachsene Tage hinter uns“, sagte Bundestrainer Werner Schuster. „Wir wollten um den Gesamtsieg mitkämpfen, der Zahn ist uns gezogen worden.“

Immerhin sorgten Andreas Wellinger als bester DSV-Adler auf Rang fünf und Richard Freitag als Neunter zumindest für einen kleinen Lichtblick. „Ihnen ist heute ein Befreiungsschlag gelungen. Das ist eine tolle Geschichte. Alle haben die Ärmel hochgekrempelt“, meinte der Chefcoach. Mit dem Ausgang des Wettbewerbes hatten Schuberts Schützlinge wie schon beim Auftakt in Oberstdorf nichts zu tun.

Der 21 Jahre alte Diethart, der erst am 21. Dezember sein Weltcup-Debüt gegeben hatte, flog mit 141 und 140,5 Metern der Konkurrenz um seinen Landsmann Thomas Morgenstern und den Schweizer Auftaktsieger Simon Ammann davon und fährt als Gesamtführender nach Innsbruck. „Ich bin überwältigt“, sagte Diethart.

Bei den Deutschen patzte dagegen ausgerechnet Frontmann Freund und verstärkte mit seinem Halbzeitaus die Misere. „Wir haben derzeit ein Problem: Wir haben keine klare Hierarchie im Team. Die muss sich wieder einstellen“, erklärte Schuster.

Freund, der mit 130 Metern sein K.-o.-Duell gegen den Japaner Taku Takeuchi verlor und nicht einmal unter die besten Lucky Loser kam, stand die Enttäuschung über das Ende aller Tourneechancen ins Gesicht geschrieben. „Ich habe gedacht, dass ich stabiler bin“, bilanzierte der 25 Jahre alte Bayer. „Es hat wieder nicht gereicht. Schade, aber ich bin einfach schlecht gesprungen.“

Die weiteren Tourneestationen will Freund nun dazu nutzen, „wieder in die Spur zurückzufinden“. Schuster nahm seine Nummer eins daher auch in Schutz: „Er trägt das deutsche Skispringen seit einigen Jahren. Aber er ist auch nur ein Mensch und muss damit leben.“

Wie Freund erlebte auch Marinus Kraus einen brutalen Absturz. Der 22-Jährige, der beim Auftakt in Oberstdorf noch als Achter und bester DSV-Springer überraschte, schied auf Rang 35 ebenfalls im ersten Durchgang aus. „Er ist noch jung, da geht es immer mal auf und ab“, kommentierte Schuster das enttäuschende Ergebnis.

Dafür meldete sich Andreas Wellinger eindrucksvoll zurück. Der 18 Jahre alte Nachwuchsspringer flog auf 134 und 134,5 Meter. Zum dritten Platz, den Ammann hinter Morgenstern belegte, fehlten nur 11,3 Punkte. „Ich bin natürlich sehr zufrieden“, sagte Wellinger, „wir sind auf einem richtigen Weg und machen da weiter.“

Hoffnungen weckte auch der Auftritt von Freitag, der 133 und 133,5 Meter weit sprang. „Ich bin froh, dass mir diese Steigerung gelungen ist“, frohlockte der zum Auftakt in Oberstdorf gescheiterte Sachse. Nach einem Mittelfußbruch im Herbst und einer Knochenhautreizung kurz vor der Tournee hofft Freitag nun auf mehr.