Eric Frenzel gewinnt, wie er will

Durchwachsene Bilanz der deutschen Wintersportler. Kombinierer und Biathleten überzeugen

Bann gebrochen. Erik Lesser eroberte für die deutschen Biathleten als Zweiter des Verfolgungsrennens im französischen Annecy den ersten Einzelpodestplatz des Olympiawinters. Nach dem besten Ergebnis seiner Karriere formte der 25 Jahre alte Thüringer im Ziel mit seinen Händen ein Herz und schickte so einen Gruß in die Heimat. „Am letzten Anstieg bin ich ganz schön eingegangen“, sagte er nach seinem fehlerfreien und kraftraubenden Rennen. Die Frauen hatten zu Beginn des Wochenendes mit dem Staffelsieg in den Hochsavoyen unterstrichen, dass der Formaufbau in Richtung Sotschi stimmt. Nur für Miriam Gössner, die sich bei einem schweren Radunfall im Mai vier Rückenwirbel gebrochen hatte, wird die Zeit knapp. Die 23-Jährige ließ Annecy wegen zu großer Schmerzen aus. Nach ihrer schnellen Rückkehr in den Weltcupzirkus musste sie zuletzt Negativerlebnisse hinnehmen. Vor den Winterspielen hat sie nur noch in Oberhof, Ruhpolding und Antholz Gelegenheit, die Norm zu schaffen.

Abonnement auf Platz eins. Kombinierer Eric Frenzel gewinnt derzeit, wie er will. Der Weltmeister setzte sich auch beim Weltcup der nordischen Kombinierer in Ramsau am Dachstein souverän durch. Bundestrainer Hermann Weinbuch stellte fest: „Eric zermürbt seine Gegner und zwingt sie zu immer mehr Fehlern.“ Auf einer Schanze, die ihm bis zu diesem Wochenende überhaupt nicht lag, zeigte der 25 Jahre alte Oberwiesenthaler einen starken Sprung nach dem anderen. Als Dritter nach dem Springen konnte er es sich leisten, den Langlauf ruhig angehen zu lassen, um dann in der letzten Runde mit einem beherzten Sprint das Feld zu sprengen. Frenzels wichtigste Aufgabe heißt jetzt: „Wir müssen die Form halten.“ In seinem Schatten haben auch Tino Edelmann (wegen eines Infekts nicht im Langlauf gestartet), Fabian Rießle (Sechster), Manuel Faißt (14.) und Tobias Haug (15.) ihre Formkurve nach oben korrigiert.

Nur ein Lichtblick. Erst zum vierten Mal nach seinem überstandenen Kreuzbandriss startete Stefan Luitz im alpinen Weltcup – und schon gelang ihm in Val d’Isère der Sprung aufs Treppchen. „Das ist der Wahnsinn“, freute sich der 21-Jährige aus Bolsterlang nach dem dritten Platz hinter dem Österreicher Marcel Hirscher und dem Franzosen Thomas Fanara. Ingesamt wollte Wolfgang Maier, Alpindirektor des Deutschen Skiverbandes, als Note für das Wochenende „höchstens eine Drei“ vergeben. Felix Neureuther beendete den Slalom nach einem Trainingssturz als Zehnter, Maria Höfl-Riesch (beide Partenkirchen) musste in St. Moritz mit den Plätzen acht (Super-G) und elf (Riesenslalom) vorlieb nehmen.

Gute Besserung. Der schwere Sturz des dreimaligen österreichischen Olympiasiegers Thomas Morgenstern beim Skisprung-Weltcup in Titisee-Neustadt ist glimpflicher ausgegangen als befürchtet. „Ich kann mich nur noch erinnern, wie Klitschko zu einem Schlag ausgeholt hat. Danach sind alle Lichter ausgegangen“, sagte Morgenstern im Krankenhaus in Villingen-Schwenningen. Er hatte lediglich Prellungen und Blutergüsse am gesamten Körper sowie einen Fingerbruch erlitten. Morgenstern hatte das erste Springen gewonnen, der Pole Kamil Stoch das zweite. Severin Freund aus Rastbüchl hielt als Fünfter und Achter in der Spitze mit.

Rekord auf dem Eis. Mit der neuen Bestmarke von acht Titeln verabschiedeten sich die viermaligen Paarlauf-Weltmeister Aljona Savchenko und Robin Szolkowy von ihren letzten deutschen Meisterschaften. Weil der 34 Jahre alte Szolkowy in Berlin sowohl im Kurzprogramm als auch in der Ballettkür zur Nussknacker-Suite bei den dreifachen Toeloops patzte, zürnte Trainer Ingo Steuer über die Chemnitzer: „So wird das kein Olympia-Gold.“ Die anderen Titel holten Peter Liebers (Berlin), Nathalie Weinzierl (Mannheim) und die Eistänzer Nelli Zhiganshina/Alexander Gazsi aus Oberstdorf.