Nachspiel

Olympiastadion von Atlanta: Abschied von einem Stadion

Ein Klagelied von Carsten Harms

Zehnkampf-Held Frank Busemann feierte hier mit nur 21 Jahren seinen größten Triumph. Michael Johnson stellte hier seinen 200-Meter-Weltrekord auf, der 15 Jahre lang hielt, und Carl Lewis gewann hier die letzte seiner neun olympischen Goldmedaillen. Das Olympiastadion von Atlanta für die Sommerspiele 1996 war sicher nicht die architektonisch schönste Arena der Geschichte, und doch galt das Centennial Olympic Stadium als vorbildlich in Sachen Nachhaltigkeit. Schon vor dem ersten Spatenstich stand fest, dass das Stadion nach kleineren Umbauten schon von 1997 an die neue Heimspielstätte des berühmten Baseballteams der Atlanta Braves werden sollte.

Entsprechend erhielt das Stadion von Anfang an hinter der Ziellinie der Laufbahn die markante Ecke, in der später die Homeplate für die Baseballer platziert wurde. Die Arena hieß fortan Turner Field, schließlich hatte Medienunternehmer Ted Turner als damaliger Besitzer der Braves 170 der insgesamt 207 Millionen US-Dollar Baukosten gezahlt. Ein tolles Modell, wenn man an die aktuell diskutierten finanziellen Risiken durch Großveranstaltungen denkt.

Doch jetzt bleibt von der Herrlichkeit nicht mehr viel übrig. Die Atlanta Braves planen den Neubau eines Stadions im Norden der Stadt, es soll zwar nur noch 41.000 statt bisher 50.000 Zuschauerplätze, aber dafür viel mehr Parkplätze drum herum haben. Die Eröffnung ist für 2017 vorgesehen. Dann wird das Olympiastadion von 1996 einfach abgerissen – nach nur 20 Jahren. Eine traurige Nachricht, für Sportnostalgiker und die Verfechter der Nachhaltigkeit.

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