Volleyball

Vom Titel spricht beim VT Aurubis niemand mehr

Die Volleyball-Frauen des VT Aurubis starten an diesem Mittwoch gegen Vilsbiburg in die Bundesliga. Das erste Heimspiel ist am Sonnabend gegen den VC Wiesbaden.

Hamburg. Horst Lüders ist zufrieden. Das ist selten der Fall, und noch seltener zeigt der Präsident des Volleyballteams Aurubis diese Zufriedenheit. Der 69-Jährige blickt der neuen Bundesligasaison mit überraschend großem Optimismus entgegen: „Unsere neu formierte Mannschaft macht einen geschlossenen, harmonischen, leistungswilligen Eindruck. Sie spielt intelligenten Volleyball. Das lässt mich hoffen.“

Erster Gegner am Mittwoch ist der letzte der vergangenen Serie, die Roten Raben Vilsbiburg. An denen waren die Hamburgerinnen im April im Play-off-Viertelfinale gescheitert. Die Niederbayern gewannen zwei der drei Spiele, die beiden Heimspiele jeweils mit 3:0 Sätzen. Aurubis-Trainer Helmut von Soosten, 49, setzt dennoch auf seine Frauen: „Wir sind besser eingespielt, also können wir auch gewinnen.“ Im letzten Test besiegte Aurubis am Sonnabend den deutschen Meister und Pokalsieger Schweriner SC mit 4:1 Sätzen. Zum ersten Heimspiel schlägt die Mannschaft am Sonnabend (18 Uhr) in der CU-Arena in Neugraben gegen den VC Wiesbaden auf.

„Wir haben in Schwerin das erste Mal in der Saisonvorbereitung gezeigt, was wir leisten können“, sagt von Soosten. „Gelingt es uns, dieses Niveau einigermaßen zu halten, werden wir unsere Ziele erreichen.“ Die sind bescheiden geworden. Der siebte Platz der vorigen Spielzeit soll wiederholt werden. Bei optimalem Saisonlauf, meint der Trainer, sei auch Rang fünf oder sechs möglich; denn die Bundesliga sei schwächer geworden, weil weitere Spitzenspielerinnen ins Ausland abgewandert sind.

Vorbei sind die Zeiten, als Hauptsponsor und Namensgeber Aurubis, Europas größte Kupferhütte, die Messlatte höher legte. Den einst angestrebten Gewinn der deutschen Meisterschaft hat das Unternehmen eingeschmolzen und seine vor zwei Jahren angekündigten Budgetkürzungen um rund 30 Prozent für die nächsten drei Jahre wahr gemacht. Der Etat sank auf geschätzte 650.000 Euro, da trotz intensiver Suche nach anderen Geldgebern der Einnahmeausfall nicht annähernd kompensiert werden konnte. Der zweite Platz der deutschen Volleyballerinnen bei der jüngsten Heim-EM befeuerte das Interesse an der Sportart nicht nachhaltig. „Wir sind damit an der Untergrenze, mit der sich eine wettbewerbsfähige Bundesligamannschaft finanzieren lässt“, sagt von Soosten. Im Gegensatz zur Konkurrenz müssen beim VT Aurubis mit dem Geld auch der sportliche Unterbau, die Nachwuchsarbeit und die Geschäftsstelle bezahlt werden.

Ohne die einstigen Spitzengehälter blieben nur drei Spielerinnen: Mannschaftsführerin Imke Wedekind, 29, Eva Michalski, 23, und die US-Amerikanerin Sarah Ammerman, 26. Sieben neue kamen dazu, zwei Talente wurden aus der zweiten Mannschaft befördert: Nina Braack, 20, und Moana Behrens, 18. Auf der Suche nach Verstärkungen fahndete von Soosten nach teamfähigen Frauen wie der finnischen Diagonalangreiferin Riikka Tiilikainen, 23, die Aurubis „eine großartige sportliche Herausforderung“ nennt. Ähnlich denkt Sarah Wolnizki, 27, die Zuspielerin vom Zweitligaclub DSHS Köln: „Ich will mich in Hamburg weiterentwickeln.“

Aussagen wie diese lassen den Trainer an das Gute im Team glauben: „Niemand kommt mehr zu uns zum Abkassieren. Wir haben begabte und hungrige Spielerinnen, die zum Teil Erfahrungen in der Ersten Liga gesammelt haben und nach ihrem Studium oder anderen Aktivitäten noch einmal angreifen wollen.“ Bis auf Braack (Studentin) und Behrens (Schülerin) sind alle Profis. Der Trainer hofft, dass beim VT Aurubis endlich Kontinuität einkehrt.

Star des Clubs sind nun die Strukturen. Die Verzahnung zwischen den ersten beiden Mannschaften, der Nachwuchsarbeit, der Kooperation mit Schulen im Süderelberaum und dem Hamburger Volleyballverband beginnt zu greifen. Mit Dirk Sauermann, 38, wurde ein hauptamtlicher Trainer für das Zweitligateam, die Talentsichtung und -förderung eingestellt. „Als Hauptsponsor hatten wir stets hohe Ziele gesetzt, die trotz größerer Budgets nicht erreicht wurden. Wir wollen deshalb künftig einen anderen Weg gehen und das Team aus dem eigenen Nachwuchs sowie anderen talentierten Spielerinnen neu formieren und wachsen lassen“, sagt Michael Landau. Das pensionierte Vorstandsmitglied der Aurubis AG bleibt Verbindungsmann zwischen Firma und Verein. Bis 2020 hält das Unternehmen die Option auf die Namensgebung. Spätestens dann soll es noch einmal um den Titel gehen.

Der Kader des VT Aurubis: Die Alten: Imke Wedekind (29 Jahre; 1,96 m), Eva Michalski (23; 1,93 m), Sarah Ammerman (USA; 25; 1,84 m). Die Neuen: Jennifer Pettke (24; 1,86 m, zuletzt Bayer Leverkusen), Anika Brinkmann (27; 1,78 m; VfL Oythe), Flore Gravesteijn (Niederlande; 26; 1,88 m; VDK Gent); Riikka Tiilikainen (Finnland; 22; 1,87 m, Club Hämeenlinna), Alyssa Valentine (USA; 23; 1,78 m, University Colorado-Boulder), Sarah Wolnizki (26; 1,80 m; DSHS Köln), Izabela Sliwa (Polen; 22; 1,69 m, Police Chemiker). Die Jungen: Nina Braack (20, 1,84 m; VTA II), Moana Behrens (18; 1,73 m; VTA II).