Nachspiel

Kein Geiz mit Medaillen

Eine Glosse von Christian-A. Thiel

Die Schotten sind nicht, wie manche denken, nur ein wettergegerbtes Volk von Schafzüchtern, Whiskytrinkern und Freiheitskämpfern. Das Bergvolk aus dem Norden der britischen Insel hat Berühmtheiten hervorgebracht wie Arthur Conan Doyle, Sean Connery und Annie Lennox. Dazu Olympiasieger wie Andy Murray, Alan Wells und Chris Hoy – der erfolgreichste britische Sportler überhaupt.

Womit wir beim Thema sind. Denn Schottland, derzeit noch Teil des Vereinigten Königreichs, ist eine große Sportnation: Formel-1-Weltmeister wie Jim Clark und Jackie Stewart, Golfprofis wie Sandy Lyle und Colin Montgomerie, Fußballer wie Kenny Dalglish und Denis Law siegten im Zeichen des weißen Andreaskreuzes. 2014 wollen sich die Schotten mittels Volksabstimmung aus den Fesseln des britischen Union Jack lösen. Shona Robison, Sportministerin der autonomen schottischen Verwaltung, verriet jetzt den wahren Grund: Schottland will ein eigenes Olympiateam, wenn möglich schon 2016 in Rio. Im Fußball klappt das ja schon.

Verlockende Aussichten! Wie wär’s zum Beispiel mit einer unabhängigen bayerischen Mannschaft, bestimmt ein Traum von Horst (I.) Seehofer? Und wenn sich Hamburg irgendwann nicht mehr ordentlich im deutschen Sport repräsentiert fühlt, könnte auch die Hansestadt ein eigenes Olympiateam stellen. Eine medaillenverdächtige Hockeymannschaft hätte die Freie und Olympiastadt allemal. Willkommen in der Kleinstaaterei! Goethe zählte seinerzeit 36 deutsche Staaten – und fand’s gut. Thomas Bach, der Herr der Ringe, zählt derzeit 204 olympische Mitgliedsländer. Da geht noch was!