Die Party der Beachvolleyballer soll weitergehen

Die deutschen Meisterschaften warten mit alten Ritualen und neuem TV-Vertrag auf

Hamburg. Mit dem Glückwunsch seines Bruders zum Einjährigen, der am Freitag auf seinem Handy einging, wusste Jonas Reckermann zunächst nichts anzufangen: „Ich dachte, was will der denn jetzt?“ Erst nach einigem Nachdenken fiel Reckermann der Anlass wieder ein: Es war der Jahrestag seines Beachvolleyball-Olympiasiegs.

Es ist ja auch zu viel passiert seither. Reckermann, 34, hat im Januar mit dem Leistungssport aufgehört, weil sein Rücken den Belastungen nicht mehr standhielt. Jetzt verfolgt er das Geschehen aus der Distanz eines Fernsehexperten für den Sender Sky, der – auch das ist neu – unter dem Eindruck des Olympiasiegs die Rechte an der deutschen Turnierserie erwarb. Und dass er nun aus Anlass der deutschen Meisterschaften in Timmendorfer Strand (30. August bis 1. September) von Medienvertretern in einem Hamburger Beachclub umlagert wird, das wäre ohne den Triumph von London wohl auch nicht denkbar gewesen.

Dabei müssten die Beachvolleyballer gar nicht Helden vergangener Tage hervorholen, um sich ins Gespräch zu bringen. Die sportliche Gegenwart ist eindrucksvoll genug, besonders bei den Frauen: Karla Borger und Britta Büthe aus Stuttgart unterlagen bei der Weltmeisterschaft im Juli erst im Finale. Bei der Europameisterschaft Anfang August gewann Laura Ludwig vom HSV mit ihrer neuen Partnerin Kira Walkenhorst auf Anhieb die Bronzemedaille. Am Sonntag dann verpassten Katrin Holtwick/Ilka Semmler (Essen) die große Chance, einen ihrer fünf Matchbälle zum ersten Grand-Slam-Erfolg eines deutschen Frauenteams zu nutzen.

„Aber erst der Olympiasieg hat den Sport insgesamt auf ein neues Level gehoben“, sagt Frank Mackerodt. Der 50-Jährige gehörte nach seiner glanzvollen Hallenkarriere beim HSV zu den Pionieren der Szene. 1993 stand er in Timmendorfer Strand als Aktiver im Finale. Im gleichen Jahr übernahm er mit seiner Agentur die Vermarktung der nationalen Serie. Dass Mackerodt nun nach zehn Jahren Abstinenz wieder drin ist im Geschäft, auch das hat viel mit dem Goldcoup von Reckermann und Julius Brink zu tun: „Der Olympiasieg hat Sky motiviert – und Sky mich.“

Einige Ideen, die sich über zehn Jahre bewährt hätten, will Mackerodt als Veranstalter der Meisterschaften nun wieder aufwärmen. Dazu gehört die sonnabendliche Centre-Court-Party, aber auch, dass nur noch zehn statt wie bisher 50 Prozent der rund 6500 Zuschauerplätze verkauft werden. Ansonsten ist der Eintritt frei. „Wer früh kommt, wird einen Platz bekommen“, sagt Mackerodt. Eine volle Tribüne sei wichtiger als etwaige Ticketeinnahmen.

Fürs Fernsehbild gilt das allemal. Je fünfeinhalb Stunden will Sky von den beiden Finaltagen live berichten – eine derart lange Strecke bewältigen bei dem Bezahlsender nicht einmal Formel-1- und Fußballübertragungen. Die ersten drei Supercups der deutschen Serie hätten „die Erwartungen erfüllt“, berichtet Redaktionsmitglied Rainer Krüger. Intern sei sogar eine Beachvolleyball-Euphorie festzustellen. Das Feld, das Sky eigens am Sendezentrum errichten ließ, sei ein beliebter Treffpunkt der Fernsehleute geworden: „Da spielen sogar Vorstände mit.“