Hamburgerin stürmt zur U21-WM

Sabine Knüpfer vom Club an der Alster startet vom 27. Juli bis 4. August bei der Endrunde in Mönchengladbach

Hamburg. Für ihr Studium des Medien- und Kommunikationsmanagements hatte Sabine Knüpfer zuletzt eigentlich gar keine Zeit mehr. Ein schwieriger Spagat, denn das 20 Jahre alte Hockeytalent erfüllt sich zwischen BWL-, Recht- und Matheprüfungen gerade einen der größten Träume seines Lebens. Am 27. Juli wird sie in Mönchengladbach zum ersten Mal das Trikot der deutschen U21-Nationalmannschaft bei einer Weltmeisterschaft tragen. „Ich bin extra früh aufgestanden, ich konnte es gar nicht abwarten“, sagt die Bundesliga-Spielerin, die seit einem Jahr für den Club an der Alster auf Torejagd geht, über den Tag der WM-Nominierung Ende Juni. Als Allererste stand sie bei DHB-Trainer Marc Herbert vor der Tür, um sich die Entscheidung abzuholen. „Ich hab mich tierisch gefreut“, sagt Knüpfer, „zum Glück hat er nicht lange drum herum geredet, sondern direkt gesagt: ‚Du bist dabei‘.“ Nur sieben von 18 Nachwuchstalenten erhielten an diesem Tag ihr WM-Ticket.

Für die willensstarke Bundesligaspielerin ist es die erste Weltmeisterschaft und zugleich ein Meilenstein ihrer jungen Karriere. Seit sie laufen kann, spielt die gebürtige Schwäbin Hockey. In der Mannheimer Jugend wurde sie bereits zweimal deutscher Meister. Mit dem Wechsel im vergangenen Sommer vom Zweitligaclub Stuttgarter Kickers in die Bundesliga stellte sie die entscheidenden Weichen. „Die WM ist der erste Schritt nach oben“, sagt sie. Der Zweite wäre der Sprung in den A-Kader. Auch das hat die U21-Vize-Europameisterin von 2011 fest im Blick. Valentin Altenburg, Co-Trainer der Frauennationalmannschaft, und die Alster-Spielerin kennen sich gut.

Dabei standen die Zeichen zu Jahresbeginn noch nicht auf WM-Kurs. „Ich wusste nicht, wo ich stehe, konnte meine Leistung nicht einschätzen“, blickt die Offensivspielerin zurück. Im Gespräch mit dem Trainer wurde die Situation besprochen. „Danach habe ich konkreter auf mein Ziel hingearbeitet“, sagt Knüpfer. „Sie spielt im Sturm eine herausragende Rolle“, bestätigt Herbert. „Bei der WM wird sie auf Teams mit einer hervorragenden Abwehr treffen. Da muss sie zeigen, was sie kann. Ihr großer Trumpf ist ihre Schnelligkeit.“ Auch ihre Defensivarbeit habe sie stark verbessert.

An diesem Mittwoch bezieht das deutsche Team sein Quartier in Mönchengladbach. Am Sonnabend geht es zum Auftakt gegen Belgien. Der U21-Coach prognostiziert ein „hartes Auftaktspiel“ gegen einen unangenehmen Gegner, der zuletzt viel in die Jugendarbeit investiert hat. Weitere Gruppengegner sind Spanien (28. Juli) und England (30. Juli). Gegen die Briten absolvierte Deutschland bereits sechs Testpartien, Spanien gilt hingegen als Außenseiter, vor dem Herbert dennoch warnt: „Die können locker und ohne Erwartungen aufspielen.“ Wegen finanzieller Probleme bestritten die Iberer kein Vorbereitungsspiel, ihre Form sei schwer einzuschätzen, so Herbert.

Die Favoritenrolle schreibt Knüpfer den deutschen Damen nicht zu, wohl aber gute Chancen: „Wir haben einen großen Sprung gemacht, gerade im Athletikbereich.“ Mindestens das Halbfinale hat sich das Team als Ziel gesetzt. „Wir sind sehr gut eingespielt und kennen uns gut“, sagt Knüpfer. Den Titel traut sie eher Welt- und Europameister Holland sowie Argentinien zu.

Bevor es losgeht, zog es die WM-Teilnehmerin noch einmal nach Hause, „Energie tanken bei den Eltern“. Familienleben wird bei den Knüpfers ohnehin groß geschrieben. Mutter und Vater, selbst ein ehemaliger Bundesligaspieler, sind aus Stuttgart oft zu Besuch in Hamburg. Trotz rund 650 Kilometer Distanz: „Bei Alster sind sie unsere treusten Fans“, erzählt Knüpfer, „mir gibt das viel Selbstvertrauen.“ Seit Sommer 2011 verteidigt auch ihr Bruder Matthias für die Bundesligaherren des Clubs an der Alster. Gerade gewann der 22-Jährige mit Deutschland bei der Universiade in Kasan die Bronzemedaille. Zweite wichtige Stütze neben der Familie ist ihr Freund Laurin, der ihr an die Elbe folgte und in Hamburg Wirtschaftspsychologie studiert. Hockey spielt er nicht. „Das muss man trennen“, meint Knüpfer.

Nach der WM geht es für die Nationalspielerin erst einmal in den Urlaub. Zehn Tage Kreta. Damit verpasst sie allerdings die Vorbereitung für die neue Bundesligasaison inklusive der Trainingsreise nach Sylt. „Bei Alster darf man das“, sagt die 20-Jährige und schmunzelt. Als Weltmeisterin dürfte sie es allemal.