Der Deutschland-Achter verliert den Nimbus der Unbesiegbarkeit

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Luzern. So hatte sich Eric Johannesen das nicht vorgestellt. Seit diesem Frühjahr erst sitzt der Hamburger vom RC Bergedorf als Schlagmann ganz vorne im Deutschland-Achter und hat damit die herausragende Position im Paradeboot des Deutschen Ruder-Verbandes (DRV) inne. Und ausgerechnet mit ihm ging am Sonntag die jahrelange Regentschaft des Bootes zunächst zu Ende. Beim Weltcupfinale auf dem Rotsee in Luzern musste der Achter erstmals seit den Olympischen Spielen 2008 auf einer internationalen Großregatta eine Niederlage hinnehmen. Nach dem zweiten Rang hinter den USA gilt die Crew nun auch nicht mehr als Favorit für die WM Ende August in Südkorea.

Das im Gegensatz zum Olympiasieg auf vier Positionen veränderte Boot unterlag nach 2000 Metern in 5:22,64 Minuten den Amerikanern (5:22,26) nur denkbar knapp. Mit Blick auf die Weltmeisterschaften in Chungju (25. August bis 1. September) machte sich bei den Modellathleten deshalb auch schnell wieder Optimismus breit. „Jetzt zu verlieren ist nicht dramatisch. Unser Anspruch ist es, bei der WM zu gewinnen“, sagte Johannesen.

Von einer optimalen Vorbereitung wie vor London 2012 konnte noch keine Rede sein. So machte sich Johannesen direkt nach dem Rennen auf den Heimweg nach Hamburg, weil am Montag eine Uni-Klausur anstand. „Wir haben in den vergangenen Monaten die Freiheit gewonnen, den Schwerpunkt auf das Stadium zu legen“, sagte der 26-Jährige. Der Frust über die Niederlage hielt sich auch bei Trainer Ralf Holtmeyer in Grenzen: „Es war klar, dass es nicht ewig so weitergehen konnte.“

Anders als in den vergangenen Jahren gab es diesmal einen Gegner, der den deutschen Erfolgscode knackte. Selbst der fulminante Start der Olympiasieger konnte das US-Team nicht beeindrucken. Bis zur 1000-Meter-Marke blieb es in Schlagdistanz und zog auf der zweiten Streckenhälfte vorbei. Im Finish kamen die Deutschen noch einmal heran, es reichte aber nicht mehr. Johannesen hofft auf eine WM-Revanche in sechs Wochen: „Auf dem Mittelstück haben uns die Amerikaner abgekocht. Aber ich erwarte in den Trainingslagern einen großen Sprung nach vorn.“

Die Niederlage des Achters brachte den DRV um eine bessere Gesamtbilanz in den 14 olympischen Klassen. Für das einzige Gold sorgte der Frauen-Doppelvierer. Zweimal Silber für den Einer-Fahrer Marcel Hacker und den Männer-Doppelvierer sowie einmal Bronze für den Männer-Doppelzweier stimmten DRV-Cheftrainer Marcus Schwarzrock versöhnlich: „Hier war die komplette Weltspitze vertreten. Deshalb kann ich zufrieden sein.“

( (HA) )

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