Handball

Toft Hansen und Ågren: Traumpaar am Tor zur Welt

Das Kreisläufer-Duo Henrik Toft Hansen, Neuzugang der HSV Handballer, und Ulrika Ågren vom Buxtehuder SV will in Hamburg Erfolg.

Hamburg. Für Henrik Toft Hansen und Ulrika Ågren ist es der erste Besuch unten am Hafen. Der eindringliche Geruch von Fisch, Salz und Wind, der rund um den Altonaer Fischmarkt jede Menge hanseatisches Flair vermittelt, löst bei der 27 Jahre alten Skandinavierin gleich heimatliche Gefühle aus. Viele Orte kennen die beiden noch nicht in der Metropole, doch beim Fototermin an der Elbe wird schnell klar: Hamburg und das Handball-Paar, das verheißt eine vielversprechende Zukunft. Ihre neue Wohnung in Othmarschen bezogen die beiden gerade einmal vor rund einer Woche. Die Möbel sind zwar schon da, „aber an den Wänden herrscht noch ganz schöne Leere“, erzählt die schwedische Nationalspielerin. Häufigstes Ziel der letzten Tage war das Möbelhaus aus der Heimat. Zuletzt mangelte es an einem Kühlschrank, mittlerweile ist aber auch der in den neuen vier Wänden angekommen.

Die beiden Kreisläufer wollen angreifen. Der eine bei den HSV Handballern, die andere in der Frauen-Bundesliga beim Buxtehuder SV. „Deutschland ist ein wunderbares Land zum Leben. Und diese Stadt ist die perfekte Lösung“, sagt Ågren, die vom dänischen Erstligisten Randers HK in der Sommerpause an die Este wechselte. Ihr Freund, Henrik Toft Hansen, hatte nach der Insolvenz der AG Kopenhagen im vergangenen Sommer beim Champions-League-Teilnehmer BSV Bjerringbro-Silkeborg angeheuert. Nun bekommt der 27-Jährige seine Chance in der Bundesliga. Die Familienzusammenführung in Deutschland ist damit perfekt. Sein älterer Bruder, René Toft Hansen, spielt bereits seit einem Jahr beim THW Kiel.

Für das sportliche Paar soll Hamburg Lebensmittelpunkt und Erfolgsbasis werden. Die beiden sind gekommen um zu bleiben. „Es gibt nicht viele Orte, an denen wir beide professionellen Handball spielen und gleichzeitig zusammenleben können“, sagt Ågren. Bisher war Randers die Heimat der beiden. Das HSV-Trikot überzustreifen, lässt für Toft Hansen jetzt einen Traum wahr werden. Der Däne unterschrieb einen Dreijahresvertrag, seine Freundin bindet sich an den BSV bis 2015 – mit der Hoffnung, länger bleiben zu können. Derzeit kommuniziert das Paar vor allem auf dänisch, ab und an auf schwedisch. Bald soll aber auch die Verständigung auf Deutsch klappen.

Kennengelernt haben sich die beiden vor zwei Jahren in der brasilianischen Hafenstadt Santos. Die dänische Herren- und die schwedische Frauennationalmannschaft bezogen für ein Vorbereitungsturnier dasselbe Hotel, man kam ins Gespräch. „Dann ging alles ganz schnell“, erzählt Toft Hansen mit einem Schmunzeln. Zunächst blieb nur der Kontakt über Internet und Handy, im zweiten Jahr zog das Paar dann in Randers zusammen. Mittlerweile sind sogar Kinder bei dem beiden Sportlern ein Thema. Nachwuchs soll es allerdings frühstens nach Olympia 2016 in Rio de Janeiro geben. Brasilien als Glücksbringer, das haben die beiden ja schon einmal erfahren.

Das private Glück hat das Handball-Pärchen gefunden. In der kommenden Saison sollen sportliche Akzente folgen. Toft Hansen tritt in die großen Fußstapfen des Kreisläufers Igor Vori, der den HSV zum Saisonende in Richtung Paris Saint-Germain verließ. Der Hüne hinterlässt eine Lücke, die nun der dänische Europameister füllen soll. Mit seinen Maßen steht der zwei Meter große und 106 Kilogramm schwere Rechtshänder seinem Vorgänger in nichts nach. Diesen Vergleich will Toft Hansen dennoch nicht anstellen. „Ich bin nicht der nächste Vori. Ich spiele meinen eigenen Stil und habe andere Stärken“, sagt der 27-Jährige.

Für den dänischen Meister ist der HSV Hamburg die erste Auslandsstation. Seine Ambitionen sind groß: „Meister werden und am besten die Champions League gewinnen.“ Die Unterschiede zwischen dänischem und deutschem Oberhaus sind dem hochkarätigen Neuzugang bewusst. „In Deutschland darfst du kaum ein Spiel in der Liga verlieren. Das Level ist höher. Es gibt weniger einfache Punkte zu holen als in Dänemark“, sagt Toft Hansen.

Für Frauen sei Dänemark die beste Liga der Welt, meint Ågren. Sie vermisst in Deutschland dennoch nichts. „Ich bin einfach froh, hier das gleiche machen zu können: Handball spielen“, sagt die Schwedin. Dass sie mit ihrer Leidenschaft in der Bundesrepublik weniger Aufmerksamkeit erfährt, stört die Olympia-Teilnehmerin von 2012 nicht. Erklärtes Saisonziel ist es, endlich den Meistertitel nach Buxtehude holen. An diesem Sonnabend wird Ågren 27. Gefeiert wird in Frankreich, denn dort heiratet an diesem Wochenende Henriks Bruder René.

Auch wenn wegen des Leistungssports oft wenig Zeit für das Privatleben bleibt, Ehrgeiz und Verständnis vereinen das Kreisläufer-Paar umso mehr. Wenn es im Hause Toft Hansen/Ågren ums Gewinnen geht, kann es schon einmal schnell zur Sache gehen. „Minigolfen oder Bowlen gehen wir im Urlaub immer erst am Ende der Woche“, erzählt die 1, 77 Meter große Blondine und lacht, „das kann im Chaos enden.“ Das gefundene Glück in der neuen Heimat Hamburg stört das aber keineswegs.

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