Susi Kentikian hat keine Lust mehr, die „Killer Queen“ zu sein

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Hamburg. Sie hat sich gefreut, natürlich, man wird ja nicht jeden Tag Weltmeisterin. Aber tiefe Zufriedenheit? Nein, die verspürte Susi Kentikian nicht, nachdem sie am vergangenen Sonnabend in der Dortmunder Westfalenhalle den Rückkampf gegen Carina Morena einstimmig nach Punkten gewonnen hatte. Zwar war die Revanche für die ungerechtfertigte Punktniederlage im Dezember 2012 gelungen, die in Armenien geborene Hamburgerin hatte der US-Fliegengewichtlerin den WBA-WM-Titel wieder abgenommen. Aber sie hatte nicht so überzeugend gewonnen, wie sie es sich nach ihren Trainingsleistungen vorgestellt hatte.

Bei der Suche nach Gründen ist die 25-Jährige schnell beim Druck angekommen, der auf ihr lastet. Der Druck, den eigenen Ansprüchen zu genügen und denen der Fans, die von ihr immer noch erwarten, dass sie ihre Gegnerinnen ausknockt, so wie am Anfang ihrer Karriere vor acht Jahren. „Ich bin aber nicht mehr die wilde 18-Jährige. Ich habe mich weiterentwickelt, menschlich und auch sportlich“, sagt sie, und beides stimmt. Sie ist reifer geworden, nachdenklicher bisweilen, und ihre Konkurrenz ist mittlerweile in jedem Kampf auf Weltklasseniveau. Dass Kentikian seit zwölf Kämpfen und fünf Jahren auf einen vorzeitigen Sieg wartet, ist Fakt.

Um sich ein wenig Druck zu nehmen, würde die 1,52 Meter kleine Athletin in Zukunft gern auf ihren Kampfnamen verzichten. Als sie vor sechs Jahren das Gesicht der „Fight Nights“ auf Pro Sieben war, nannte man sie dort „Killer Queen“. „Damals habe ich nicht darüber nachgedacht, aber ich fand nie, dass der Name gut zu mir passte“, sagt sie. Der Kampfname weckt Erwartungen, die sie damals erfüllen konnte, heute aber nicht mehr. „Deshalb wünsche ich mir, dass die Leute respektieren, dass ich jetzt eine andere bin.“

Susi Kentikian hat darüber nachgedacht, einen „leichten“ Kampf einzuschieben, wie es viele männliche Champions auch tun, um mit einem K.-o.-Sieg Selbstvertrauen zu tanken. Doch den Gedanken hat sie schnell verworfen. „Ich brauche das nicht für mein Ego. Was ich brauche, sind Kämpfe gegen die Besten.“ Und die Einsicht, dass auch Punktsiege ihren Wert haben.