Das Risiko fährt mit: Rennfahrer lassen Boykottdrohung bestehen

Nürburgring. Zwei Minuten war das Freie Training auf dem Nürburgring alt, da stieg Fernando Alonso aus seinem Ferrari. Unter den Zuschauern begann sofort unruhiges Getuschel. Viele fürchteten, der spanische Formel-1-Star habe zwei Minuten nach dem Trainingsbeginn vor dem Großen Preis von Deutschland die Boykottdrohung der Fahrergewerkschaft GPDA in die Tat umgesetzt. Dabei war es nur ein Elektronikproblem, das den 31-Jährigen gestoppt hatte. Die Reifen waren heil geblieben, so wie bei allen anderen Piloten auch. Bei den ersten Ausfahrten nach dem gefährlichen Reifengemetzel von Silverstone, als vier Piloten ihre Pneus um die Ohren geflogen waren, war das durchaus eine gute Nachricht. Beide Trainingsabschnitte am Freitag gingen wie geplant über die Bühne.

Am Donnerstagabend hatte die GPDA mit der Ankündigung aufgeschreckt, beim nächsten Reifenplatzer das Rennen abzubrechen. Von „Lebensgefahr für Piloten, Zuschauer und Sicherheitskräfte“ sowie von „vermeidbaren Problemen“ war die Rede. Zwar vertraue man prinzipiell den Maßnahmen von Lieferant Pirelli, der die Hinterreifen mit Kevlar verstärkt hat. Doch das Risiko fährt weiter mit. „Es geht uns um Sicherheit und nicht darum, jemanden zu attackieren“, erklärte der GPDA-Vorsitzende und Ferrari-Testfahrer Pedro de la Rosa am Freitag.

Für Aufregung ist jedenfalls gesorgt. Bis am Sonntag die schwarz-weiß karierte Flagge geschwenkt wird, müssen die Zuschauer jederzeit mit einem Boykott der Protagonisten rechnen. Die Ankündigung der GPDA, sagte Sauber-Fahrer Nico Hülkenberg, sei als „Warnung“ zu verstehen: „Es sollte keineswegs eine Drohung sein.“ Aber nicht alle Fahrer sind in der Gewerkschaft organisiert. Williams-Pilot Valtteri Bottas etwa erklärte, er werde auch im Falle neuer Reifenexplosionen weiterfahren.

Unklar ist, welches Szenario den Boykott auslösen soll. Reifenschäden können auch durch Gegenstände auf der Strecke ausgelöst werden. Pirelli träfe dann keine Schuld. Dessen Motorsportchef Paul Hembery versicherte: „Wir sind absolut sicher, dass sich die Vorfälle von Silverstone nicht wiederholen werden.“