144. Deutsches Derby

Werbeoffensive: Galopper kämpfen um ihre Zuschauer

Auch der HSV hilft vor dem Derby in Horn – vielfältige Aktionen in der Stadt geplant. „Fantasie ist gefragt“, gab HRC-Präsident Eugen-Andreas Wahler als Parole aus.

Hamburg. Sonnabend in zwei Wochen startet die Galopprennwoche in Horn mit dem 144. Deutschen Derby als Schluss- und Höhepunkt des sechstägigen Turffestivals. Mit einer Werbeoffensive will der Hamburger Renn-Club (HRC) den Besucherrückgang der vergangenen Jahre stoppen und neue Zielgruppen erreichen. 2012 kamen am Derbytag nur 22.000 Zuschauer – so gering fiel der Besuch seit Jahrzehnten nicht mehr aus. Das Finale der Fußball-EM war nicht der einzige Grund für den stetig schwindenden Zuspruch. Früher kamen immer 40.000 bis 50.000 Gäste.

Ein Partner auf dem schweren Weg zu früherem Glanz soll der HSV sein. Wie schon im Vorjahr besucht die gesamte Profimannschaft inklusive Trainer Thorsten Fink und Vorstandschef Carl-Edgar Jarchow die Rennbahn am 3. Juli für gut zwei Stunden. An dem Mittwoch ist der Eintritt auf dem Sattelplatz frei, so dass erneut mehr als 10.000 Besucher erwartet werden. „Wir haben ein gemeinsames Interesse, die Idee der Sportstadt Hamburg voranzutreiben“, sagte Jarchow bei der Präsentation der Pläne im Hotel Grand Elysée. Der HSV wolle seinen Bekanntheitsgrad nutzen, andere traditionsreiche Sportarten in der Stadt verstärkt in Szene zu setzen.

In Zusammenarbeit mit den beiden Hauptsponsoren J. J. Darboven und Sparda-Bank will der HRC weitere Aktionen initiieren. Dazu zählt der „Tag des Pferdes“ am 30. Juni, dem ersten Sonntag des Meetings. Auf dem Geläuf präsentieren sich diverse Pferdesparten. Am Sonnabend vor dem Derby soll via Facebook für die Veranstaltung getrommelt werden. An den Esso-Tankstellen im Großraum Hamburg gibt es bei mehr als 50 Euro Umsatz Freikarten. Und in der Golf-Lounge werden unter den 20.000 Mitgliedern Gratis-Tickets verlost.

Werbefeldzüge auf Plakaten und an Bushaltestellen

„Fantasie ist gefragt“, gab HRC-Präsident Eugen-Andreas Wahler als Parole aus. Übersetzt heißt das: möglichst große Effektivität bei minimalen Kosten. In den Terminals des Hamburger Flughafens hängen große Banner. Beim Hafengeburtstag fuhr eine werbende Schute auf der Elbe. Zudem sponsert das Unternehmen Decaud die Derbywoche mit drei jeweils einwöchigen Werbefeldzügen auf Plakaten und an Bushaltestellen im Wert von 250.000 Euro. Und damit der Nachwuchs schon jetzt für später übt, wird ein Kinderhut-Wettbewerb organisiert.

Unter dem Strich sollen nicht nur neue Zuschauer angelockt werden, sondern auch mehr Geld in die Kassen des klammen Clubs fließen. Das vergangene Geschäftsjahr wurde mit einem Minus in Höhe von 145.000 Euro abgeschlossen. Während der langjährige Schatzmeister Hans-Ludolph Matthiessen neuerdings als HRC-Vizepräsident fungiert, übernahm Vorstands-Mitglied Ilona Vollmers die Finanzen.

Noch sind 53 Hengste für den Wettstreit genannt

Kalkuliert wird mit einem Wettumsatz von drei Millionen Euro – knapp zehn Prozent mehr als im vergangenen Jahr. In 60 Rennen werden vom 29. Juni bis 7. Juli rund zwei Millionen Euro ausgeschüttet, davon 800.000 Euro im Derby. Noch sind 53 Hengste für den Wettstreit um das Blaue Band genannt. Der Favorit wird an diesem Sonntag gekürt, wenn mit dem Union-Rennen in Köln die wichtigste Vorprüfung ansteht. Nuntius, Ivanhowe oder Schulz könnten die Sieger sein.

Noch hofft der HRC auf Nachmeldungen, die jeweils 50.000 Euro kosten. Angeblich liebäugelt der Möbel-Unternehmer Manfred Ostermann aus Witten mit einer solchen kostspieligen Investition. Vielleicht will Scheich Fahad al-Thani aus Katar seinen Vollblüter Willie The Wipper nach Hamburg-Horn schicken. Für ihn wäre die Extra-Ausgabe eine lächerliche Summe, für den Renn-Club eine willkommene Einnahme.