Klitschko boxt gegen Povetkin

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In zweitägigen Verhandlungen einigten sich die Parteien in Hamburg auf die Modalitäten des Kampfs

Hamburg. Es war eine illustre Runde, die am Freitag im Hotel Atlantic zusammensaß. Auf der einen Seite: Bernd Bönte, Manager der Schwergewichts-Boxweltmeister Vitali und Wladimir Klitschko, sowie deren US-amerikanischer Anwalt John Hornauer. Auf der anderen Seite: Wladimir Hrunov, Manager des russischen Schwergewichtlers Alexander Povetkin vom Berliner Sauerland-Team, drei russische Anwälte und zeitweise sogar der russische Milliardär Andrey Ryabinsky, der mit seinem Privatjet eingeflogen war. Ebenfalls mit am Tisch saß ein Dolmetscher, der vom Russischen ins Englische übersetzte. Das Ziel der Männer war klar: der Durchbruch in den Verhandlungen um das Duell zwischen WBA/WBO/IBF-Champion Wladimir Klitschko, 37, und dessen WBA-Pflichtherausforderer Povetkin, 33.

Dank Ryabinskys finanzieller Macht hatte Hrunov die Rechte an diesem Kampf am 23. April in Panama-City für die Rekordsumme von 23,2 Millionen US-Dollar ersteigert. Rund 18 Millionen davon stehen als Garantiebörse dem Titelverteidiger zu. Allerdings mussten sich die Parteien auf die Modalitäten für die Austragung des Duells einigen, und diese Verhandlungen waren derart schwierig, dass die World Boxing Association (WBA) den Streitenden nach mehrfacher Verlängerung eine letzte Frist setzte, die am 7. Juni auslief. Und tatsächlich konnte Bönte am Sonnabend einen Durchbruch verkünden.

"Beide Seiten haben sich nach zwei Tagen intensiver Verhandlungen aufeinander zubewegt. Wir konnten einen Vertrag aushandeln, der für beide Seiten annehmbare Konditionen bietet. Deshalb bin ich guter Hoffnung, dass wir in der kommenden Woche unterschreiben können", sagte er. Damit scheint die Austragung des Kampfes, der am 5. Oktober im Moskauer Sportkomplex Olympiskyi stattfinden und beim Kölner Sender RTL übertragen werden soll, gesichert. Über Vertragsinhalte wurde nichts bekannt. "Beide Seiten haben sich verpflichtet, Stillschweigen zu bewahren", sagte Bönte.

Das größte Problem war die Einigung auf die Modalitäten der Dopingkontrollen gewesen. Das Klitschko-Lager hatte befürchtet, dass Wladimirs Probe im Nachhinein manipuliert werden könnte und deshalb auf einer Kontrolle durch ein von der deutschen Nationalen Antidoping-Agentur (Nada) beauftragtes Institut bestanden. Hrunov dagegen wollte die Kontrollen durch die in Russland zuständige Rusada durchführen lassen. Bönte hatte mehrfach gedroht, die Verhandlungen platzen zu lassen: "Wladimirs Image ist wichtiger als 18 Millionen Dollar, wir haben mehr zu verlieren als Geld."

Dass es zu einiger Einigung kam, lässt darauf schließen, dass die Nada die Kontrollen durchführen wird. Thomas Pütz, Präsident des Bundes Deutscher Berufsboxer (BDB), der die Nada mit der Dopingkontrolle beauftragen muss, bestätigte, dass der BDB in den Kampf involviert sein wird.

Aber auch andere Vertragsinhalte waren auf Beanstandung gestoßen. So soll Hrunov gefordert haben, dass keine Verwandten der Boxer Zugang zu den Umkleidekabinen erhalten. Das hätte bedeutet, dass Vitali nicht wie üblich dem Gegner seines Bruders beim Bandagenwickeln hätte zusehen und Wladimir nicht bei der Erwärmung hätte helfen können. Zudem sollte Wladimir, der stets mit maßgefertigten Handschuhen boxt, auf dasselbe Material zurückgreifen müssen wie Povetkin. "Es gab viele kleine, aber wichtige Details, die zu verhandeln waren", sagte Bönte, "aber am Ende haben wir gute Kompromisse gefunden."

( (bj) )

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