Alles geben für den Klassenerhalt

Hockey-Nationalstürmerin Céline Wilde möchte mit dem Klipper THC in der Bundesliga bleiben

Hamburg. Die Erkenntnis, dass in der Feldsaison 2012/13 der Fokus einzig auf dem Klassenverbleib liegt, verfestigte sich bei den Bundesliga-Hockeydamen des Klipper THC am vergangenen Wochenende. Nach Niederlagen in Neuss (0:3) und Köln (1:6) muss der Feldmeister von 2002 als Tabellenneunter bei sieben Punkten Vorsprung auf die beiden Abstiegsränge aufpassen, dass er nicht noch einmal in Gefahr gerät. Punkte aus dem Heimspiel gegen den Uhlenhorster HC am Sonntag (12 Uhr, Eckerkamp) wären von Vorteil, sind aber nicht eingeplant. "Wir müssen die nötigen Siege gegen die Teams holen, die noch hinter uns stehen", sagt Céline Wilde.

Die 23 Jahre alte Nationalspielerin ist die zentrale Figur des Klipper-Spiels, sie ist der Taktgeber im Mittelfeld, sie schleppt dank ihrer Schnelligkeit und ihrer technischen Fertigkeiten die Bälle nach vorne und initiiert viele Offensivaktionen. Wer sie ausschaltet, hat nahezu das komplette Klipper-Spiel zum Erliegen gebracht. Diese Ausrechenbarkeit ist, auch wenn Wilde selbst das aus Bescheidenheit anders sieht, ein Problem. Klipper ist zu sehr abhängig von ihr und der ehemaligen Nationaltorhüterin Kristina Reynolds, die ihre Karriere nach der Saison beenden will und schon jetzt aus beruflichen Gründen nicht mehr für alle Spiele bereitsteht. Über ihre eigene Bedeutung spricht Wilde nicht gern, sie lässt sich aber nicht nur in den Spielen beobachten, sondern auch an Zahlen ablesen.

Weil Wilde, da sich die ukrainische Nationalspielerin Maryna Vynohradova nach der Hinrunde in eine Babypause verabschiedete, noch öfter als früher im Mittelfeld aufläuft, fehlt sie dem jungen Team von Cheftrainer Peter Krueger im Angriff, ihrer Stammposition. 18 Saisontore aus 15 Spielen, drittschlechtester Ligawert, unterstreichen das. "Natürlich fehlt uns Maryna sehr, durch sie hatte ich mehr Freiräume und unser Spiel war variabler", sagt Wilde.

Ein Abstieg wäre für Klipper in doppelter Hinsicht bitter, denn ob sie sich den Schritt in die Zweitklassigkeit antun würde, das bezweifelt Wilde. Gedanken an einen Vereinswechsel, um dauerhaft auf höchstem Niveau trainieren und spielen zu können, kommen ihr ja schon jetzt bisweilen in den Kopf. "Aber da ich mich persönlich sehr wohlfühle bei Klipper, ist ein Wechsel bislang kein Thema", sagt sie. Vielmehr habe sie durch die Arbeit mit der weiblichen Jugend B, die sie zweimal wöchentlich trainiert, eine enge soziale Bindung an den Verein. "Ich kümmere mich auch um die Talente, die ins Bundesligateam nachrücken, und ich spüre, dass mir diese Aufgabe unheimlich viel Spaß macht", sagt sie.

Dass der Sport nicht alles ist in ihrem Leben ist, hat Céline Wilde durch ihre Entscheidung bewiesen, in diesem Jahr eine Nationalmannschaftspause einzulegen. Stattdessen treibt sie ihr Jurastudium voran, das im vergangenen Jahr unter der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in London gelitten hatte. Zur WM 2014 in den Niederlanden würde sie allerdings gern wieder zum Kader zählen. "Dafür muss ich Bundesliga spielen." Am liebsten mit Klipper. Dafür wird sie in den letzten sieben Saisonspielen alles tun.