"Vier Spiele in vier Tagen sind eine absolute Unverschämtheit"

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Hockey-Bundestrainer Mülders über den Europapokal der Damen

Hamburg. Er könnte die Ostertage mit seiner Familie in Berlin verbringen, doch für Jamilon Mülders ist der Besuch des Feldhockey-Europapokals der Damen, der von Karfreitag bis Ostermontag auf der Anlage des Uhlenhorster HC am Wesselblek ausgetragen wird, ein Pflichttermin. "Ich werde mir die letzten Gruppenspiele am Sonntag und die Finalspiele am Montag anschauen, weil ich sehen will, wie sich meine Spielerinnen unter der immensen Belastung schlagen", sagt der Bundestrainer, der das Amt im Herbst 2012 von Michael Behrmann übernommen hatte. Für das Abendblatt analysiert der 36-Jährige das Teilnehmerfeld.

Gruppe A: "Der HC Den Bosch ist der klare Favorit auf den Titel. Diese Mannschaft ist in der niederländischen Liga, der besten der Welt, seit 24 Spielen unbesiegt. Mit Maartje Paumen haben sie eine Eckenschützin der Extraklasse, die schon 31 Saisontore erzielt hat, dazu Weltklassespielerinnen wie Maartje Goderie oder die Mol-Schwestern Emilie und Sabine. Dennoch glaube ich, dass der UHC, den der Heimvorteil beflügeln sollte, sich nicht verstecken muss. Der verletzungsbedingte Ausfall von Yvonne Frank, die zu den drei besten Torhüterinnen der Welt zählt, wiegt zwar schwer. Aber das Team von Kais al Saadi ist athletisch topfit, was bei dem anspruchsvollen Modus den Ausschlag geben könnte. Der Club de Campo Madrid ist meines Erachtens nicht so stark besetzt wie Den Bosch und der UHC, spielt aber taktisch sehr klug. Für mich ist das direkte Duell Campo gegen UHC am Sonntag das Finale um Platz zwei. Weißrusslands Meister Ritm Grodno sehe ich als Außenseiter; die haben zwar ein starkes Hallenteam, aber fürs Feld reicht die Breite im Kader nicht aus."

Gruppe B: "Titelverteidiger MHC Laren gilt als Favorit, aber das Team ist nicht mehr so stark, hat mit der nach Utrecht gewechselten deutschen Nationalspielerin Julia Müller und Wieke Dijkstra, die ihre Laufbahn beendet hat, viel Qualität eingebüßt und steht in Holland nur auf Rang sieben. Deshalb glaube ich, dass der deutsche Meister Rot-Weiß Köln Chancen hat, Gruppenerster zu werden. Köln hat einen ausgeglichenen, tiefen Kader und ist, wenn es drauf ankommt, auf den Punkt fit und motiviert. Außerdem haben sie mit Lea Stöckel die kommende deutsche Topstürmerin im Kader, der ich zutraue, bei diesem Turnier groß herauszukommen. Die Engländerinnen aus Leicester sind nicht zu unterschätzen, da stehen einige Nationalspielerinnen im Aufgebot, die sind unangenehm zu spielen. Außenseiter ist in der Gruppe Atasport. Das Team ist fast identisch mit der Nationalmannschaft Aserbaidschans, zwei Drittel sind eingeheiratete Koreanerinnen, die hohes Tempo gehen, aber nicht die Qualität haben, um deutschen oder holländischen Teams gefährlich zu werden."

Der Modus: "Ich halte vier Spiele innerhalb von vier Tagen für eine absolute Unverschämtheit, weil das die Qualität eines Halbfinales, das hochklassiges Hockey bieten sollte, verwässert. Aber ich finde es gut, dass niemand darüber klagt. Das ist die richtige Einstellung."

Fazit: "Ich rechne damit, dass wir im Halbfinale zwei deutsche und zwei niederländische Teams sehen. Und dann ist alles möglich."

( (bj) )

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