"Gut gemacht, Alte!"

Andrea Henkel gewinnt bei der Biathlon-WM mit Silber die erste Medaille für das deutsche Team

Nove Mesto. Andrea Henkel stürmte mit letzter Kraft ins Ziel, nur ganz kurz zeigte sie die "Silberfaust". Dann lächelte sie und ließ sich von der gesamten Mannschaft feiern. Mit dem zweiten Platz im Einzel bescherte die 35-Jährige den deutschen Biathleten im sechsten WM-Rennen von Nove Mesto endlich die erste Medaille. Nach fünf Jahren ohne Podestplatz im Einzel schaffte die "Grande Dame" des DSV-Teams in Tschechien mit einem fehlerfreien Gala-Auftritt wieder alleine den Sprung aufs Treppchen.

"Manchmal funktioniert es auch, wenn ich viel Druck habe", sagte die Doppel-Olympiasiegerin. "Es gab viel Kritik an unserem Team. Ich habe jetzt den Anfang gemacht - und so kann es weitergehen." Trainer Gerald Hönig, seit Jahren einer der engsten Vertrauten Henkels, fiel nach dem 20. Treffer am Schießstand vor Freude auf die Knie, er jubelte über die tadellose Leistung der Thüringerin und war den Tränen nahe. DSV-Sprecher Stefan Schwarzbach stürmte im Zielraum auf den 1,58 Meter kleinen Biathlon-Floh zu und schrie: "Gut gemacht, Alte!"

Die Erleichterung bei den Verantwortlichen war nach dem schlechtesten WM-Start seit 16 Jahren zu spüren. Henkel, die sich bei ihrer 14. WM über ihre 16. Medaille freute, hatte an ihre fehlerfreie Schießleistung aus dem Verfolgungsrennen angeknüpft, bei dem sie am Sonntag von Rang 33 auf Platz sechs gelaufen war. Erneut traf die achtmalige Weltmeisterin aus Großbreitenbach alles. Sie zeigte auch auf den 15 Kilometern in der Loipe eine starke Leistung.

"Ich habe mich auf jedes Schießen einzeln konzentriert. Ich habe ja im Verfolger geübt und wollte es noch mal so machen", sagte Henkel. Einzig die Norwegerin Tora Berger, die in Nove Mesto ihren dritten Titel feierte, war bei schwierigen Bedingungen und leichtem Schneefall besser. Bronze holte Walj Semerenko aus der Ukraine.

Miriam Gössner leistete sich ein neuerliches Fehler-Festival und landete nach sechs Schießfehlern auf Rang 35. "Die ersten drei Schießen waren gut, auch meine Laufform war richtig", sagte die 22-Jährige aus Garmisch: "Ich freue mich jetzt auf den Massenstart, weil es da keine Strafminuten geben wird." Nach je drei Fehlern in den ersten drei Schießen kassierte die zweimalige Staffel-Weltmeisterin beim letzten Auftritt mit der Waffe drei Strafminuten - dadurch war sie chancenlos. Zweitbeste Deutsche wurde Nadine Horchler (Willingen), die nach einem Schießfehler auf Rang 28 landete.

Am heutigen Donnerstag (17.15 Uhr; ZDF live) steht für die Männer der Klassiker über 20 Kilometer an. Andreas Birnbacher (Schleching), Arnd Pfeiffer (Clausthal-Zellerfeld), Florian Graf (Eppenschlag) und Erik Lesser (Frankenhain) starten für den DSV.