Handicap im Tennis wird eingeführt

Der Hamburger Verband beginnt das Jahr mit internationalem Jugendturnier und Reformen

Hamburg. Als der 20-jährige Russe Andrej Kusnezow am Montag in den frühen Morgenstunden bei den Australian Open seinen Matchball gegen den an elf gesetzten Argentinier Juan Monaco verwandelte, wurde er einigen Hamburger Tennis-Experten in Erinnerung gerufen. Vor sechs Jahren konnte die heutige Nummer 72 der Welt beim hiesigen Jugendturnier des Weltverbands ITF, dessen diesjährige Auflage am Dienstag mit der Hauptrunde startet, das Einzelfinale erreichen und die Hansestadt sogar mit einem Titel im Doppel verlassen.

Während bei den Profis der gelbe Filzball wieder über das Netz fliegt, tut sich auch im Hamburger Tenniszirkus einiges. Als letzter Landesverband hat nun auch Hamburg altersunabhängige Leistungsklassen eingeführt. Vergleichbar mit dem Handicap beim Golf, das Spieler nach ihrer Leistungsfähigkeit klassifizieren soll, werden vom 1. April an auch alle Hamburger Tennisspieler in einem Klassifizierungsschema erfasst und in eine der 23 Leistungsstufen eingeteilt.

Im Laufe einer Saison können Spieler bis zum 30. September jedes Jahres Punkte sammeln, um ihre Leistungsklasse zur nächsten Saison zu verbessern. "Es geht darum, Tennis für alle transparenter zu machen", sagt Julian Battmer, der beim Hamburger Verband für den Jugend- und Leistungsbereich verantwortlich ist.

In anderen Landesverbänden wird das System der Leistungsklassen seit etlichen Jahren bereits angewandt. Weshalb Hamburg deutschlandweit der letzte Verband ist, der auf das neue System umsteigt, erklärt Battmer so: "Zum einen gab es keinen Drang der Vereine, zum anderen hatten wir als Verband nicht die Vorraussetzungen. Dieses Projekt wäre mit ehrenamtlicher Arbeit nicht zu stemmen gewesen."

Mit der Umstrukturierung des Hamburger Tennissports hat sich deshalb auch der Verband professionalisiert und ein zweites Hauptamt geschaffen, das sich vor allem mit den Vereinen auseinandersetzt.

Battmer bekleidet die Position seit Herbst vergangenen Jahres. In dieser Zeit traf er sich mit 120 Leistungsklassen-Beauftragten der Vereine, um sie mit dem neuen System vertraut zu machen. "Wir haben viel Kommunikation betrieben, und die Vereine sind sehr positiv mit der Umstellung umgegangen." Nachdem die Vereine ihre Spieler nach klar vorgegebenen Kriterien klassifiziert haben, steht die Umsetzung der Reformen kurz bevor.

Vor allem an Popularität soll der Tennissport in Hamburg wieder zunehmen. Durch die Reform ließen sich ohne viel Aufwand Turniere organisieren, die als Ergänzung zu den üblichen Punktspielen zu sehen sind, so Battmer. In Bayern sei nach der Einführung der Leistungsklassen die "Turnierlandschaft explodiert". Battmer hofft auf einen ähnlichen Effekt in Hamburg. "Wir wollen wieder eine Schwerpunktsportart werden", gibt sich der 27-Jährige kämpferisch.

Einhergehend mit den Reformen müssen sich die Mitglieder des Verbandes mit dem Internet-Tennisportal mybigpoint.de auseinandersetzen. Nur dort können die Spieler ihr Leistungsklassen-Profil einsehen. Durch die grafische Darstellung erhofft man, den "Ergeiz der Spieler zu wecken".

Zusammen mit verstärkter Talentsichtung in Schulen sollen die Maßnahmen dazu führen, dass zukünftig mehr Hamburger Spieler Filzbälle in Australien über die Netze schlagen.