Sie können doch noch gewinnen

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Miriam Gössner und Andreas Birnbacher holten in Pokljuka zwei Biathlon-Weltcupsiege für das deutsche Team

Pokljuka. Die deutschen Biathleten sind auch nach den Rücktritten von Magdalena Neuner und Michael Greis wieder Kandidaten für Weltcupsiege. Bei den Rennen im slowenischen Pokljuka feierten Miriam Gössner im Verfolgungsrennen der Frauen und Andreas Birnbacher im Massenstartrennen der Männer die ersten beiden Saisonerfolge für das deutsche Team.

Beobachter mochten sich bei Gössners Triumph tatsächlich an Magdalena Neuner erinnert haben. Im strömenden Regen ließ sie mit einem raumgreifenden Antritt, der dabei noch leicht wirkte, trotz fünf Strafrunden die überforderten Konkurrentinnen hinter sich. "Ich wusste, dass ich gewinnen kann, wenn ich einen guten Job mache", sagte sie. Im abschließenden Massenstartrennen bestätigte Gössner ihre Form und belegte wie schon im Sprint am Freitag den zweiten Platz hinter der Norwegerin Tora Berger - obwohl sie zeitweise im Nebel die Orientierung verloren hatte. "Ich habe gar nichts mehr gesehen. Ich hatte gar keinen Plan, wo ich bin", sagte sie über ihre drei Fehler im zweiten Liegendschießen.

"Das Potenzial ist da. Sie muss nur diese Laufleistung beibehalten und sich beim Schießen verbessern", sagte Bundestrainer Uwe Müssiggang. Gössner entgegnete: "Mit dreimal einem Fehler kann ich gut leben. Ich habe versucht, mich darauf zu konzentrieren und mein Rennen zu laufen", sagte die Staffel-Weltmeisterin über ihren Sieg. Nur einmal, gleich zu Beginn des Rennens, hatte sie die Scheiben zweimal verfehlt.

"Die Lücke, die Lena hinterlässt, ist riesengroß", sagte sie, und es hörte sich beinahe ehrfurchtsvoll an. Ob die 22-Jährige einmal eine ähnlich dominante Rolle spielen kann, wollte Trainer Müßiggang noch nicht vorhersagen: "Da muss man abwarten. Ihre Leistung war fantastisch, jetzt ist erst einmal wichtig, dass die Konstanz reinkommt." Der Erfolgsdruck des verwöhnten deutschen Biathlon-Lagers lastete nach Neuners Rücktritt vor allem auf ihren schmalen Schultern, die im Sommer offensichtlich noch schmaler geworden waren.

Nach einer komplizierten Zahnoperation, bei der Teile des Kieferknochens implantiert werden mussten, hatte sie zehn Kilo abgenommen und wiegt bei einer Größe von 1,67 m nur noch knapp über 50 Kilogramm. "Letztes Jahr hatte ich zu viel drauf", sagt sie. Und jetzt? "Ich fühle mich wohl und habe eine Topfigur." Und jetzt endlich auch den ersten großen Sieg. Weil auch die routinierte Andrea Henkel regelmäßig mit guten Ergebnissen aufwartet und in Pokljuka zwei siebte und einen elften Rang belegte, können die deutschen Frauen die Last nun ein wenig verteilen. "Ich glaube an unsere Mannschaft. Wir haben einfach ein tolles Team", sagte Gössner.

Ein Sieg war für Andreas Birnbacher kein neues Erlebnis. Im dichten Nebel tauchte der Schlechinger beim Massenstartrennen als Erster auf der Zielgeraden auf. Ganz kurz winkte er in die Ränge und überquerte dann völlig entspannt die Linie. Mit einer fehlerfreien Vorstellung am Schießstand und der nötigen Ausdauer in der Loipe hatte der 31-Jährige bereits zum vierten Mal in dieser Disziplin triumphiert. "Der Kampf Mann gegen Mann ist etwas Besonderes und liegt mir sehr", sagte Birnbacher. "Ich konzentriere mich dabei einfach mehr. Ich weiß auch nicht, warum." Als einziger Biathlet blieb er in diesem Rennen ohne Fehlschuss.

Bei seinem sechsten Weltcupsieg ließ er sich auch nicht von einem Sturz aus der Ruhe bringen. Weil ihm der Schwede Carl Johan Bergman zweimal auf den Stock getreten war, brauchte er einen Ersatz. Weil ihm beim Stockwechsel auch noch der Masseur vor die Ski lief, stürzte er. Zudem war es ein falscher Stock, was einen zweiten Wechsel nötig machte: "Das hat schon Kraft gekostet. Ich war froh, dass ich so großen Vorsprung hatte." Aber nicht zuletzt wegen seiner soliden Laufleistung ließ er Lokalmatador Jakov Fak und den Amerikaner Tim Burke, die jeweils zwei Fahrkarten schossen, auf Distanz.

Biathlon-Novizin Evi Sachenbacher-Stehle beendete ihre ersten Weltcuprennen auf den Rängen 48 und 59. Überraschend konnte die frühere Langläuferin vor allem beim Laufen nicht mithalten, am Schießstand schoss sie acht Strafrunden. "Der Versuch war auf jeden Fall richtig", sagte sie. "Es hat Spaß gemacht und ich habe viel gelernt. Darauf kann ich aufbauen." Sachenbacher-Stehle wird nun in der kommenden Woche wohl im Deutschland-Pokal in Ruhpolding laufen.

( (HA) )