Eishockey: Arbeitstier Slavetinsky

HAMBURG. Manchmal braucht es einen zweiten Anlauf, um eine Beziehung aufzubauen. Als Doug Bradley, Co-Trainer der Hamburg Freezers, in der Sommerpause bei seinem früheren Freiburger Schützling Lukas Slavetinsky nach möglichem Wechselinteresse fragte, mußte der 24jährige passen. Schließlich hatte er erst kurz zuvor einen Vertrag beim Zweitligaklub Lausitzer Füchse unterzeichnet. Als der sächsische Traditionsverein jedoch im Herbst den Kontrakt mit dem Verteidiger wegen finanzieller Probleme auflösen mußte, ging alles ganz schnell. "Doug hat sich sofort gemeldet, und schon einen Tag später war ich im Probetraining in Hamburg", erinnert sich Slavetinsky.

In den Übungseinheiten überzeugte er derart, daß ihn die "Eisschränke" im November bis zum Saisonende unter Vertrag nahmen. Mittlerweile hat sich der Hobbygolfer, der mit seiner Freundin Daniela und einem kleinen Hund in einer Eilbeker Wohnung lebt, nicht nur in der Abwehr festgebissen. Am vergangenen Dienstag erzielte er mit dem 5:1-Endstand gegen die Adler Mannheim das erste DEL-Tor seiner Karriere. "Klar freut man sich über ein Tor, aber Toreschießen ist nicht meine primäre Aufgabe", sagt er bescheiden.

Diese Zurückhaltung sagt viel über den Charakter des gebürtigen Tschechen, der als Fünfjähriger mit seinen Eltern aus Aussig nach Sonthofen kam und über seinen dort unter Vertrag stehenden Onkel Kontakt zum Eishockey fand. In Hamburg müsse er viel mehr über den Kampf und den Willen zum Erfolg kommen als in der zweiten Liga. "Früher war ich als Offensiv-Verteidiger verschrien, hier habe ich gelernt und bewiesen, daß ich auch rein defensiv spielen kann", sagt er.

Bereits als 18jähriger hatte das Kraftpaket, das 90 kg Muskelmasse auf kompakte 1,82 m Körpergröße verteilt, mehrere Angebote aus der DEL, diese jedoch allesamt abgelehnt. "Ich wollte als junger Spieler viel spielen und nicht nur auf der Bank sitzen", sagt er. Dieses Schicksal habe er zwar auch beim Wechsel nach Hamburg in Kauf genommen, "aber ich wußte, daß ich es schaffen könnte, wenn ich eine faire Chance bekomme." Die hat er bekommen - und genutzt. "Wir sind froh, daß wir Lukas haben, er arbeitet hart und entlastet unsere Stars", sagt Trainer Mike Schmidt.

Slavetinsky, der ohne seine lange blonde Mähne (trägt er, um erste kahle Stellen zu verdecken) und den Dreitagebart als Oliver-Kahn-Double durchgehen könnte, will diese Arbeit gern noch länger machen. "Ich tue alles, damit mein Vertrag verlängert wird. Das Umfeld hier in Hamburg ist überragend." Liebe im zweiten Anlauf eben.

  • Der langjährige Nationalmannschafts-Kapitän Tobias Abstreiter (35) wird am Montag seinen Vertrag mit den Kassel Huskies auflösen. Er will innerhalb der DEL wechseln und bezeichnet Hamburg als "einen interessanten Verein". Die Verantwortlichen der Freezers äußern sich wie gewohnt nicht zu diesem Thema.
  • Gegen die Iserlohn Roosters fehlen heute (19.30 Uhr) in der ausverkauften Color-Line-Arena Boris Rousson (Kreuzbandriß), Sasa Martinovic (Fußoperation), Darren van Impe (Innenbandriß) sowie Christian Hommel (Innenbandriß).

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