Zeitgleich, aber vorn: Schweizerin Spirig gewinnt Gold im Triathlon

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Anja Dittmer verabschiedet sich mit Rang zwölf von Olympia

London. Von dem dramatischen Ende des Rennens bekamen die deutschen Triathletinnen nichts mit. Anne Haug als Elfte, Anja Dittmer als Zwölfte und Svenja Bazlen als 32. lagen zu weit hinten, um am Sonnabend Zeuginnen des spannendsten Finals der olympischen Triathlon-Geschichte zwischen Nicola Spirig und Lisa Nordén zu werden. Gleichauf waren die Schweizerin und die Schwedin durch das Zielband im Londoner Hyde Park gestürmt. Erst nach minutenlanger Auswertung der Fotos vom Einlauf stand die Medaillenvergabe fest: Gold für die 30 Jahre alte Spirig, Silber an Nordén, Bronze an die Australierin Erin Densham.

"Beim Überqueren der Ziellinie hatte ich das Gefühl, gewonnen zu haben. Aber ich war mir nicht sicher. Kein Offizieller konnte mir das sagen", berichtete Spirig. "Das dauerte einige Minuten. Das war sehr hart." Neben ihr hatte im Zielraum ihre schwedische Konkurrentin gejubelt. "Ich habe mich über eine Medaille gefreut. Ob nun Gold oder Silber spielte keine Rolle", meinte Lisa Nordén.

In dem Ausdauerdreikampf sind so knappe Abstände äußerst selten, in der olympischen Geschichte einmalig. Ehe Spirig und Nordén die Zeitmesser vor ein Rätsel stellten, waren sie im Serpentine Lake im Hyde Park 1,5 Kilometer geschwommen, um die berühmteste Gartenanlage Londons etwas über 40 Kilometer Rad gefahren und dann noch einmal zehn Kilometer um den See gelaufen. Bei Spirig und Nordén stoppte die Uhr bei 1:59:48 Stunden.

Als alles vorbei war, kullerte Anja Dittmer eine kleine Träne über die Wange. Mit Blut am Schuh und feuchten Augen stand die deutsche Rekordtriathletin im Londoner Hyde Park und verkündete ihren Abschied von der größten aller Bühnen. "Man sollte zwar niemals nie sagen, doch ich denke, das waren meine letzten Olympischen Spiele", sagte die 36-Jährige, die kurz zuvor als Zwölfte ins Ziel gekommen war.

Die insgeheim erhoffte Medaille verfehlte Dittmer am Ende deutlich, und dennoch schrieb die Vorzeigefrau der internationalen Triathlonszene mit ihrer vierten Olympiateilnahme Geschichte. "Das war noch mal ein Höhepunkt in meiner Karriere, aber ich glaube, es reicht langsam", sagte sie. Bei ihren drei bisherigen drei Teilnahmen hatte sie Rang acht (Sydney 2000), Rang elf (Athen 2004) und Rang 33 (Peking 2008) belegt. Keine andere Frau war bei allen vier olympischen Triathlonentscheidungen dabei.

Zwischenzeitlich lief Dittmer im Hyde Park sogar an der Spitze des Feldes. "Als ich nach dem Radfahren in Führung lag, habe ich mich selbst erschrocken. Ich habe dann alles gegeben, vielleicht doch noch eine olympische Medaille zu gewinnen, aber es hat nicht gereicht. Ich bin trotzdem zufrieden", sagte sie. Wadenkrämpfe auf der letzten Runde kosteten sie am Ende noch einen Platz unter den besten zehn: "Ich bin halt nicht mehr die Jüngste", sagte Dittmer, die sich in ihrem letzten olympischen Rennen zudem eine blutende Blase gelaufen hatte.

( (dpa/sid) )